Seit jeher bringen Gewitter aus Süden oder Osten im östlichen Flachland starken Regen und eine hohe Wolken-Erde-Blitzrate. Grund dafür ist der erhöhte Flüssigwassergehalt, wenn die Luftmasse aus dem Mittelmeerraum bzw. vom Balkan kommt. Die Wetterlage vom Samstag, 25. Mai, war von einer lange Zeit ortsfesten Bodenwindkonvergenz gekennzeichnet, die sich vom Burgenland bis zum Weinviertel erstreckt hat. Dadurch zogen ab Mittag bis zum späten Nachmittag insgesamt vier Gewitter am Flughafen Schwechat und in der Umgebung durch. Das erste Gewitter gegen 13 Uhr war optisch am Spektakulärsten mit einer ausgeprägten Böenwalze. Die tatsächlichen Windspitzen waren eher moderat, mit 50-60 km/h. Der Kern zog hierbei im Südwesten und Westen von Wien durch, der Flughafen wurde nur gestreift. Weitere Gewitter zogen eher knapp östlich durch, bis sich die Konvergenzzone generell nach Osten verlagert hat. Für mich persönlich war die Optik des aufziehenden Gewitters die Ästhetischste seit der LP-Superzelle vom 24. Juni 2021.
Sichtbares Satellitenbild, 17. Mai 2024 (10 UTC), Radarbild vom 17. Mai, 05.15 UTC, 48-Stunden-Radarsummen bis Samstag, 18. Mai, 08.50 UTC, Hochwassersituation am 18. Mai, 10.18 UTC und Schwerpunkte in der Topographie (plus östliche Anströmung), Kartenquellen: kachelmannwetter.com
Die Flutkatastrophe in der Eifel und in den angrenzenden Regionen durch die Starkregenlage am 14 und 15. Juli 2021 ist noch nicht lange genug her, um vergessen zu werden, da entwickelte sich vom 16. bis 18. Mai 2024 eine weitere Unwetterlage mit großen Regenmengen und Rekordwasserständen im Südwesten von Deutschland. Über mehrere Stunden hinweg blieb das Regengebiet ortsfest zwischen Schwarzwald, Pfälzer Wald, Vogesen und Hunsrück liegen. Von Osten her zogen die Niederschlagsechos bei gleichzeitig bodennah starker Nordwestströmung gegen die Mittelgebirge, bis die durchnässten Böden kein Wasser mehr aufnehmen konnten. Mehrere Flusspegel erreichten die höchste Meldestufe 4, an einzelnen Pegeln wurde ein 100-jährliches Hochwasser registriert. In den Hochwassergebieten fielen verbreitet 80 bis 120 Liter pro Quadratmeter innerhalb von 48 Stunden, stellenweise laut Radar sogar rund 150 Liter. Das sind vergleichbare Mengen mit dem Juli 2021-Ereignis, wenn auch über einen längeren Zeitraum gefallen dieses Mal, da nicht so stark konvektiv durchsetzt.
Die letzte überregionale Hochwasserlage in Mitteleuropa fand in der ersten Juniwoche von 2023 statt. Seitdem gab es mehrere regionale Starkregenereignisse wie Juli 2021, August 2023 oder jetzt Mai 2024, die durch kleinräumige Tiefdruckgebiete verursacht wurden. Ist das ein weiterer Beleg für die Klimaerwärmung oder liegt es noch in der langjährigen Variabilität für Starkniederschläge? Die Auswirkungen scheren sich jedenfalls nicht um Jährlichkeiten, wenn 100 oder 300 Jahre später aufgrund des Bevölkerungswachstums wesentlich mehr Menschen betroffen sind als ein vergleichbarer Wassserstand etwa vor der industriellen Wende.
Abweichungen der Meeresoberflächentemperatur am 17. Mai 2024 (NOAA)
Die Luftmasse kam im Südwesten von Deutschland mit der bodennahen Nordwestströmung direkt von der südlichen Nordsee, die derzeit deutlich zu warm ist. Damit gilt auch für dieses Starkregenereignis die physikalische Grundlage:
Pro 1 Grad Erwärmung 7% Wasserdampf extra (Clausius-Clapeyron-Gleichung).