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Unsaubere Recherche zu „XAVIER“

Zu meinem vorherigen Blogtext noch ein wichtiger Nachtrag.

Es scheint, als habe ich die Quelle der irreführenden Beschreibungen zu Sturmtief XAVIER gefunden:

Die Süddeutsche Zeitung schrieb …

  • Das Tiefdruckgebiet Xavier ist eine meteorologische Besonderheit, ein sogenannter „Schnellläufer“.
  • Diese Phänomene sind schwer vorherzusagen und können spontan heftige Windböen und Regenfälle auslösen.
  • Auch Weihnachtsorkan Lothar von 1999 und die Hamburger Sturmflut 1962 resultierten aus Schnellläufern.

Diese Zeilen sind wahrscheinlich nicht alleine den Ideen des Autors zuzuschreiben, sondern stammen aus einer APA-Meldung:

„Der Klimaforscher Mojib Latif vom Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung bezeichnete „Xavier“ im SWR als „Schnellläufer“. „Das ist ein Sturm, der nicht unbedingt vorhersehbar ist. Dieses Tiefdruckgebiet heißt so, weil es dann wirklich extrem schnell ziehen kann mit 100 Stundenkilometern.“ Beispiele dafür seien etwa der Sturm „Kyrill“ aus dem Jahr 2007 oder „Lothar“, der 2009 über West- und Mitteleuropa fegte.“

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Was sind „Luftfronten“?

Der Zwischenfall werde untersucht, sagte Mardjono Siswosuwarno, ein Ermittler der Transportsicherheitsbehörde. Vermutlich seien zwei Luftfronten mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten aufeinander getroffen – das könne plötzliche Turbulenzen auslösen, meinte er.

Quelle: Spiegel Online, abgerufen am 05.05.16, 13.58 MESZ

Als ich den Begriff Luftfronten las, dacht ich sofort an eine schlechte Übersetzung aus dem Englischen …

In einem Bericht der Gulf Times lautet der Absatz so:

Mardjono Siswosuwarno, an investigator with the Indonesian Transport Safety Committee, said the incident was being investigated but that the turbulence was likely caused by a meeting of two bodies of air moving at different speeds, rather than a visible storm.

„It looked like clear-air turbulence so it was unexpected,“ he said.

Richtig übersetzt lautet die Aussage:

Die Turbulenz wurde wahrscheinlich durch das Zusammentreffen zweier Luftmassen, die sich mit unterschiedlichen Strömungsgeschwindigkeiten bewegen, verursacht, nicht durch ein sichtbares Unwetter. Es sah nach clear-air-turbulence aus, war also unerwartet.

Der entscheidende Zusatz ist der Hinweis auf clear-air-Turbulence!

„Clear-air-turbulence“ (zu deutsch: Klarsicht-Turbulenz) ist eine gefährliche Eigenschaft von Jetstreams (Strahlströme) in großen Höhen, die in der Mitte sehr hohe Windgeschwindigkeiten aufweisen, die zu den Ränden hin stark abnehmen und stark verwirbeln können (sogenannte Windscherung). Das Tückische daran ist, dass sie auch bei wolkenlosen Bedingungen vorkommt und daher nicht immer erkennbar ist (dazu diese Abbildungen ).

Was ist also der Unterschied zwischen Original und Übersetzung?

Hier prallen keine Fronten aufeinander wie bei einem Frontalzusammenstoß, sondern es kommt zu einer raschen Abnahme der Windgeschwindigkeit, was gefährliche Verwirbelungen auslöst. Für meteorologisch nicht versierte Journalisten irreführend war die Verwendung des Wortes „meeting“, wenngleich Zusammentreffen hier weniger frontale Begegnung als „Vorhandensein“ bedeutet. Herr Siswosuwarno hätte auch sagen können „the presence of two bodies of air moving at different speeds“.

Die irreführende Übersetzung zeigt zweierlei: Journalisten sollten sich ggf. durch einen deutschsprachigen Experten rückversichern, wie eine Aussage gemeint ist. Der Experte wiederum muss ggf. bei seiner Wortwahl darauf achten, sich unmissverständlich auszudrücken.