Schauerwolke im Südwesten von Wien am 26. Mai 2025, 17.34 MESZ – fotografiert vom Gaswerksteg in Erdberg
In eine westliche Höhenströmung waren am Montag, 26. Mai 2025, einige schöne Konvergenzlinien über der Böhmischen Masse eingelagert, die sich am Nachmittag zu einer Schauer- bzw. Gewitterstraße bis ins östliche Flachland mauserten. Ich war mit dem Rad am Weg in die Arbeit und nutzte die starken Schauerböen, um mich mit Rückenwind praktisch ohne zu schwitzen antreiben zu lassen. Dabei konnte ich einige schöne Aufnahmen machen, später auch in der Arbeit mit Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Zu schön und zugleich lehrreich, um sie nicht zu zeigen.
Höchstwerte am 27. März 2006 im Norddeutschen Tiefland, Quelle: kachelmannwetter.com
„Unwetter sind uns im Mai aufgrund der niedrigen Temperaturen erspart geblieben. Ab kommender Woche ist wieder mehr Energie in der Luft aufgrund der warmen Luft, die zu uns kommt“
Quelle: OÖ ORF at (28.05.25, abgerufen am 29.05.25, 08.00 Uhr MESZ)
Auch im Jahre Schnee hält sich die Mär, dass es für Unwetter heiße Luftmassen braucht. Der 27. März 2006 zeigte das Gegenteil: Bei mehrheitlichen Höchstwerten unter 20 Grad gab es eine veritable Tornadoserie in Norddeutschland – mit mindestens 8 Tornados, zwei Toten in Hamburg sowie weitere Verdachtsfälle. Beispiele wie dieses gibt es immer wieder: eine mäßig warme Luftmasse, aber gut geschert – und dadurch erhöhtes Schwergewitterpotential.
Sizilien wird derzeit vom Zyklon „Ines“, der schwere Überschwemmungen verursacht und für chaotische Zustände sorgt, heimgesucht. Seit gestern regnet es in ganz Sizilien.
Zahlreiche Medien haben eine Nachrichtenagenturmeldung ungeprüft übernommen, auch der ORF (Zitat oben). Per definitionem handelt es sich bei einem Zyklon um einen tropischen Wirbelsturm im Indischen Ozean und im Südpazifik. Im Atlantik und Ostpazifik Hurrikan genannt. Im Mittelmeer auftretende tropische Zyklone nennt man Medicane. Doch liegt hier ein Medicane vor?
In der Kronenzeitung ist zu lesen:
Der Wirbelsturm kommt von Nordafrika, insbesondere vom algerischen Hinterland. Das Tiefdruckgebiet wird sich in den nächsten Stunden allmählich in Richtung Norden bewegen und eine regelrechte Unwetterwelle auslösen, die die südlichen Regionen Italiens mit größerer Intensität treffen wird, warnen Meteorologen.
Gewitter über Wien am 03. Mai 2025, 19.30 MESZ (c) Thomas Kumpfmüller, ACG
Dieser Tag bot allgemein eine spannende Gewitterlage und gleichzeitig den ersten 30er im Nordosten von Österreich in diesem Jahr (30,3°C in Poysdorf und Wien-City). Am Nachmittag zog eine erste Gewitterstaffel aus den Alpen heraus nordostwärts und querte Teile von Wien mit kräftigen Regengüssen und auflebendem Wind. Nach vorübergehender Beruhigung zog vor Sonnenuntergang vom Mostviertel her eine Gewitterlinie heran, die über bzw. östlich von Wien ihre maximale Intensität erreichte.
Während in den nördlichen Stadtteilen die Sonne schien und höchstens leichter Regen fiel, sorgten einige grelle Wolke-Erde-Blitze für sekundenlanges, lautes, sehr basslastiges Donnergrollen, bei denen sogar meine Gläser im Schrank klirrten. Die Auswertung der Blitzdaten – es handelt sich bei so lauten Blitzschlägen meist und hier durchwegs um positiv geladene Blitzentladungen – ergab über 10 Blitze mit einer Stromstärke von über 100kA. Der stärkste Blitz schlug um 19.31 Uhr nordöstlich von Groß-Enzersdorf ins Marchfeld ein – mit 466kA! Zum Vergleich: Gewöhnliche Blitzentladungen (meist negative Blitze) haben Stromstärken um 2-10kA.
Die Ursache dieser außergewöhnlich heftigen Blitzentladungen lag in der Struktur und Organisation der abendlichen Gewitterzellen – es handelte sich um sogenannte „elevated convection“ – also von der konvektiven Grenzschicht entkoppelte Aufwindbereiche, die durch dynamischen Hebungsantrieb entstanden sind.