Archiv für den Monat August 2024

Regenrekord in Wien mit Ansage

Zwei Starkregenzellen am Samstag, 17. August 2024 über Wien, die etwas schwächere über dem Südwesten und die Döblinger Zelle im Nordwesten (15.22 Uhr MESZ)

Der 17. August 2024 geht in die Wiener Messgeschichte ein und stellt gleich mehrere Niederschlagsrekorde auf: Österreichweit gab es noch nie 94mm in einer Stunde. Für Wien war es außerdem ein neuer Augustrekord, der alte wurde 1959 mit 76mm aufgestellt. Es war gleichzeitig ein neuer Tagesrekord für den Sommer mit 114mm, der alte lag bei 110mm am 20. Juni 1886. Unerreicht blieb lediglich der Allzeit-Tagesrekord vom 15. Mai 1885 mit 139mm.

Von den 94mm fielen 15mm in nur 5 Minuten, 24mm und dann 27mm in 10min, mehr zu den einzelnen Regenraten-Rekorden in der UWZ.

Wien weist diesen Sommer die wenigsten Regentage seit dem Jahr 1904 auf, aber wird aufgrund eines einzigen Gewitters am Ende zu nass bilanzieren – ein Gruß der Klimaerwärmung. Vom 1. Juni bis 16. August fielen nur 119mm.

Bereits am Vortag gab es mit über 88mm (gemessen, in Radarsummen um 120mm) am Arlberg, wo es die halbe Pass-Straße wegriss, und 80mm in Hollabrunn, das tagelang zum Katastrophengebiet erklärt wurde. Am gleichen Tag gab es auch Überflutungen in Gloggnitz, wo 94mm fielen und in Trattenbach am Wechsel 117mm in nur 3 Stunden.

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Lüften bei Hitze: Sinnvoll oder Schas?

Tiefe Quellbewölkung nach dem Unwetter über Wien am 17. August 2024

Dieses Thema ist ähnlich umstritten wie die berüchtigte Zugluft als (keine) Ursache fürs krank werden. Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass die Leser nicht zu den wohlhabenden Menschen mit Eigenheim gehören, die das Problem schlicht nicht haben, weil sie sich eine fest installierte Klimaanlage leisten können. Ich spreche auch nicht all jene an, die sich eine mobile Klimaanlage in die Wohnung stellen, die gewisse Kosten beim Energieverbrauch mit sich bringt und überdies Lärm verursacht.

Doch was ist mit dem Rest? Wenn man eine Wohnung hat, in der man nicht für Abkühlung sorgen kann? In der es über viele (wenige) Wochen immer wärmer wird, weil sich die Glasscheiben und Wände aufheizen, etwa weil es keine Außenjalousien gibt und das Anbringen von spezieller Sonnenschutzfolie aufwendig oder teuer ist, oder wegen der damit einhergehenden Reflexionen erst mit der Hausverwaltung abgesprochen werden muss.

Früher – vor den ganzen Hitzerekorden im Sommer – hätte man dazu geraten, tagsüber Fenster geschlossen zu halten und nachts zu lüften, wenn es kälter ist als drinnen. Jetzt kühlt es aber auch oft nachts nicht mehr ab. Es weht wenig oder gar kein Wind mehr, sodass Querlüften kaum nennenswerte Abkühlung bringt. Manchmal hilft ein Ventilator beim offenen Fenster oder Tür, um die kalte Luft leichter ins Zimmer zu befördern, aber die wenigen Zehntel, die man damit abkühlen kann, sind schnell wieder futsch, sobald man wieder schließt.

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Wirbelhaftiges in Mitteleuropa

Sichtbarer Kanal, 12. August 2024, 10.30 MESZ (Quelle: chmi.cz)

Nach dem dokumentieren Höhenwirbel vom 8. August 2024 gab es am 12. und 13. August zwei weitere kleinräumige, aber stark rotierende Wirbel konvektiven Ursprungs. Wenn ein größeres konvektives System (Gewittercluster) am Ende der Lebenszeit eine Wirbelstruktur annimmt, spricht man von einem Mesoscale Convective Vortex (MCV). MCV sind durchaus gefürchtet, weil am Folgetag in ihrer Nähe langsam ziehende Gewitter mit ausgeprägtem Starkregen entstehen können. Die Entwicklung ist durchaus komplex, hat vor allem viel mit der Freisetzung von latenter Wärme zu tun und Wirbelaufrechterhaltung über einen hochreichenden Bereich hinweg (Davis and Galarneau 2009).

Das Außergewöhnliche an den beiden Wirbeln gestern und heute war nicht nur die verhältnismäßig geringe Ausdehnung, sondern auch die relativ gebremste Intensität der Konvektion. Dennoch überlebte der Wirbel in der Höhe viele Stunden.

Für eine gewohnt ausführliche Fallstudie fehlt mir leider gerade die Zeit, daher die Kurzfassung, vielleicht schaff ich später noch mehr mit Bebilderung.

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„Herr Ober, da ist eine Delle in meinem Keil!“

Ein nur in der Höhe ausgeprägter Tiefdruckwirbel über Mitteleuropa, umgeben von wolkenlosem Himmel unter Hochdruckeinfluss. Über Unterkärnten sorgte das Tief für ein Morgenwitter, Satellitenbildquelle: kachelmannwetter.com

Ein meteorologisches Phänomen, mit dem wir in der Vorhersage öfter zu tun haben, ist der sogenannte Fritzl’sche Dellenkeil (Der Begriff kam von einem Kollegen namens Fritzl). Wenn sich ein Hochdruckgebiet etabliert, dann betrachten wir Meteorologen nicht nur die Wetterentwicklung am Boden, sondern auch in der Höhe, wo die Wetterküche wesentlich stattfindet.

Für stabiles Hochdruckwetter braucht es hohes Geopotential mit warmen, trockenen Luftmassen. Die Atmosphäre wird dann eher hochreichend trocken geschichtet sein, und die Absinkinversion sorgt dann trotz labiler Schichtung für einen gewitterfreien Tag.

Der auf den ersten, oberflächlichen Blick stabile Höhenrücken ist aber häufig mit gewissen Makeln behaftet, in diesem Fall ein trojanischer Trog, der den Keil an der Rückseite (westlich der Keilachse), in der Keilachse oder an der Vorderseite (östlich der Keilachse) eindellt.

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