Archiv für den Monat Juni 2025

Alle Jahre wieder die Kunst des richtigen Lüftens

Höchstwerte am Mittwoch, 02. Juli 2025 laut dem deutschen Globalmodell ICON (Quelle: DWD/Adrian Leyser Bluesky)

Am Samstag, 28. Juni 2025, wurde im Radiosondenaufstieg von Payerne (Schweiz) um 14 Uhr ein neuer Junirekord aufgestellt: Noch nie zuvor lag die Nullgradgrenze in 5128m Meereshöhe. Der Absolutrekord wurde im August 2023 mit 5298m aufgestellt.

Wie man bei Höchstwerten von 35 bis 40 Grad C und Nachttemperaturen um 25 Grad (vor allem in den Städten) richtig lüftet, da scheiden sich die Geister. Der Hausverstand sagt, tagsüber Fenster geschlossen und Hitze draußen halten – zumindest, wenn man sich in der Wohnung aufhält. Der Blick auf das CO2-Messgerät (z.B. ein Aranet4) und das Feuchtemessgerät sagen, dass die Luft schnell stickig wird und Kreislaufprobleme, Konzentrationschwächen drohen, wenn man buchstäblich im eigenen Saft schmort – gerade für ältere Menschen, die ohne dazu neigen, zu wenig zu trinken, riskant.

„An heißen Tagen besteht ein Interessenskonflikt zwischen Hitzeschutz und Innenraumlufthygiene „, sagt Kerstin Effers, Referentin für Umwelt und Gesundheitsschutz bei der Verbraucherzentrale NRW, dem WDR. Wird ein Raum von mehreren Menschen genutzt, „muss unbedingt zwischendurch gelüftet werden“. Ansonsten könne die Kohlendioxid-Konzentration zu stark ansteigen. 

Differenzierter WDR-Bericht vom 11. Juni 2025

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass zu hohe relative Feuchte mehr belastet als die Absoluttemperatur alleine. Im Zweifelsfall also auch tagsüber bei Hitze lüften, solange die relative Feuchte draußen niedrig ist. Diesbezüglich zeichnet sich zumindest ab Montagabend im Nordosten Entspannung ab:

Taupunkt am Dienstag, 01. Juli 2025, 02 Uhr laut ICON-D2 (09 UTC-Lauf)

Die Taupunkte gehen mit einem markanten trockenen Einschub über Osteuropa auch im Norden und Osten von Österreich vorübergehendlich deutlich in den einstelligen Bereich. Damit sinken die Tiefstwerte verbreitet unter 20 Grad, selbst in Wien, und man kann richtig durchlüften. Auch tagsüber bleiben die Taupunkte gedämpft und entsprechend ist die Hitze erträglicher. Westlich einer Linie Salzburg Koralpe bleibt es zwar schwüler, aber im Bergland kühlt es effektiver aus als in der Stadt.

Vom Blitz erschlagene Bergsteiger: Pech oder vermeidbares Unglück?

Stanzer Tal im Tiroler Oberland. Die Mittagspitze liegt südwestlich von Flirsch. Das Gewitter kam aus Südwesten. Der Unglücksort lag an der Nordostflanke auf 2268m.

Am Sonntag, 15. Juni 2025, wurden 3 Bergsteiger beim Abstieg von der Mittagspitze (2635m, Verwallgruppe) vom Blitz erschlagen. Laut Zeitungsberichten sind sie mit dem Auto bis zur Ganatschalpe gefahren (1854m, ca. 8km Fahrtstrecke). Gegen 12.30 bis 12.45 Uhr waren sie am Gipfel. Dort informierten sie ihre Angehörigen über den Abstieg, nachdem sich ein Wetterumschwung abzeichnete. Um 13.27 Uhr MESZ schlug laut Blitzortungssystem ALDIS an der Unglücksstelle ein negativer Blitz mit 9 Kiloampere ein. Vom Notarzthubschrauber wurden sie in flacherem Gelände auf 2268m Seehöhe gefunden.

Die als erfahren geltenden Alpinisten aus dem Stanzer- und Paznauntal, darunter ein Bergretter, sind den Angaben zufolge wahrscheinlich gegen 10 Uhr aufgestiegen, wenn man annimmt, dass sie für die knapp 800 Höhenmeter nicht übermäßig flott unterwegs waren.

„In Oberösterreich führte ein plötzlicher Wetterumschwung in den Bergen zuletzt im Juli 2024 zu einem tödlichen Unfall. Aufgrund eines Blitzschlags löste ein Bergsteiger am Klettersteig am Donnerkogel die Sicherung und stürzte ab.“ (OÖ ORF, 17.06.25)

Das Unglück in der Verwallgruppe hat Parallelen zum an den Todesfall am Dachstein-Klettersteig im vergangenen Jahr (siehe meine Analyse): eher später Aufbruch zur Tour, Gewitter vorhersagt und Abstieg mit dem Rücken zur aufziehenden Gewitterfront. Auch bei den Toten am Alpinweg beim Dürrenstein (Ybbstaler Alpen) am 18. August 2022 wurde die Zugrichtung des Gewitters bei zu spätem Aufbruch zum Verhängnis (Analyse).

Vorab: Mir geht es bei solchen Analysen nicht um Schuldzuweisungen. Ich möchte verstehen, wie tragische Ereignisse in Zusammenhang mit Wetter zustande kommen und ob man daraus Lehren ziehen kann. Manchmal komme ich auch zum Schluss, dass es als Laie kaum eine realistische Chance gegeben hat, der Katastrophe vorzubeugen (wie etwa im August 2022 in St. Andrä im Lavanttal).

Update, 18.06.25 – 09.52 Uhr – Erläuterungen zum Radiosondenaufstieg und zum Wasserdampfbild ergänzt.

10.23 Uhr: Zusammenfassung flüssiger geschrieben

Update, 23.06.25, 12.25 Uhr – Ergänzung Wetterberichte

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