Schlagwort-Archive: Österreich

Das Versagen von Medien und Gesellschaft in der Klimakrise

Reinhard Steurer ist Professor für Klimapolitik an der Universität für Bodenkultur (BOKU) und engagiert sich seit Jahrzehnten für den Umwelt- und Klimaschutz. Er schrieb vor kurzem im STANDARD einen Kommentar zur „Klima-Heuchelei“ der Medien und Mehrheitsgesellschaft. Darin kritisiert er vor allem einschlägige Medien wie ServusTV oder Krone, die seit jeher Desinformation betreiben und rechte Parteien durch tendenziöse Berichterstattung fördern, und nun in Zeiten anhaltender Hitzewellen und Dürre die Versäumnisse der Regierung in der Klimapolitik anprangern. Ihre Forderungen sind jedoch allenfalls symbolisch gemeint, aber sollen niemals in der Bevölkerung so spürbar sein, dass es wehtut. In Umfragen sei die Mehrheitsgesellschaft zwar für mehr Klimaschutz, aber gibt den rechten Parteien (ÖVP und FPÖ) seit Jahrzehnten immer eine absolute Mehrheit, wohlwissend, dass diese nicht an Klimaschutz interessiert sind. Das bezeichnet Steurer völlig zu Recht als Heuchelei.

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Extreme Hitze und Trockenheit in Österreich

seltener Anblick für mich: Grüne Futterwiesen in Kals am Großglockner, Osttirol

Über die erste Hitzewelle im Juni habe ich eine ausführliche Analyse geschrieben. Die zweite Hitzewelle rutschte bei den Medien durch – insbesondere die damit verbundene andauernde Trockenheit. Nach mehreren Tagen unter 30°C Höchstwert in ganz Österreich folgte ab 25. Juli die dritte Hitzewelle mit Schwerpunkt in den östlichen Landesteilen. Am 29. Juli wurde lokal die 36-Grad-Marke übersprungen, am 30. Juli ging es über 38°C, am 31. Juli wurden knapp 40°C gemessen (Wieselburg: 40,3). Am 1. August weiterhin 37-38°C im Osten, am 2. August vorübergehend Abschwächung der Hitze auf 30-33°C im Donauraum und knapp 35°C im Süden.

Am 3. August flüchtete ich aus Wien nach Kals am Großglockner in Osttirol (1340m) und verbrachte die Woche dort mit diversen Bergtouren, während im Osten von Österreich neue Extremwerte erreicht wurden. An einem Abend war das Gasthaus meiner Wahl ausreserviert und ich musste in ein Raucherbeisl ausweichen. Was da geredet wurde, war dummes Zeug, von wegen „Medienhysterie“, „mir gefällt es, endlich kann man ohne Jacke draußen sitzen“ und „früher haben uns die Eltern geschimpft wegen dem Teer, der an den Schuhen klebte“. Ja, damals hat man auch andere Teermischungen verwendet, die wesentlich weniger hitzeresistent waren und heute längst verboten sind wegen krebserregender Stoffe.

In den grünen Regionen der Alpen, wo Gewitterniederschläge zumindest für etwas Linderung der Trockenheit sorgen, kann man sich offenbar nicht vorstellen, wie katastrophal die Lage in den anderen Regionen Europas (und der Welt) ist, sofern man nicht aktiv Nachrichten konsumiert, die die aktuelle Situation korrekt widerspiegeln.

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Medienversagen: Die Hitze macht ‚erstmals‘ Pause

abgerufen am 21. Juli 2026 auf orf.at

In der Desinformationsforschung gibt es für solche Überschriften eine passende Beschreibung: „Verschiebung von Torpfosten“ (siehe PLURV-Plakat).

Blicken wir kurz zurück – auf ganz Österreich, denn hier ist ja explizit nicht von Wien die Rede.

Die Hitzewelle begann am Mittwoch, 17. Juni, als erstmals 30 Grad und mehr in Österreich erreicht wurden, konkret in Vorarlberg, in der südlichen Steiermark und im östlichen Flachland. Der vorläufige Höhepunkt war am Sonntag, 28. Juni, mit 40,0°C in Wien. Doch selbst am Tag nach der markanten Kaltfront vom Mittwoch, 1. Juli, wurden am zweiten Juli im östlichen Flachland erneut 30-31°C gemessen. In den Folgetagen konzentrierte sich die Hitze auf die Alpensüdseite. Am Montag, 6. Juli, waren es genau 30,0°C in Bludenz, am 7. Juli wieder verbreitet über 30°C, am 8. Juli 30,0 in Hermagor, seit dem 10. Juli erneut flächenhaft über 30°C. Der 20. Juli markierte den ersten Tag ohne einen einzigen 30er in Österreich. Eine Serie von 33 Tagen mit gleich oder mehr als 30,0°C irgendwo in Österreich ging zu Ende. Das gab es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nicht in Österreich. Macht die Hitze also weiter Pause? Nein, sie macht erstmals Pause.

Wenn man die Tiefstwerte betrachtet, gab es am 18. Juni erstmals eine Tropennacht (>= 20°C Tiefstwert) im östlichen Flachland. Am 2. Juli gab es nur am Neusiedler See (Podersdorf) eine Tropennacht mit 20,0°C Tiefstwert, dann nochmals am 3. Juli, sowie erneut ab 6. bis 9. Juli, am 11. und 12. Juli in Wien-Innere Stadt, ab 13. bis 19. Juli wieder vermehrt in Österreich. Tropennächte sind wesentlicher Bestandteil einer Hitzewelle, die sich mit gesundheitlichen Folgen, körperlich und psychisch auf die Bevölkerung niederschlägt. Machte die Hitze also nach den Extremwerten von Ende Juni Pause? Nicht überall und nicht einmal in der Nacht. Hinzu kommt die von den Gebäuden (Wänden) gespeicherte Wärme. Jeder in einer unklimatisierten Wohnung kennt das Problem derzeit: Solange man lüftet, ist es angenehm, aber sobald die Fenster zu sind, steigt das Innenthermometer rasch um 1-2°C an. Bis auch die Außenwände wieder abkühlen, wird einige Zeit dauern.

Der viel dramatischere Bestandteil der diesjährigen Hitzewelle ist die begleitende Trockenheit, die im Artikel gar nicht angesprochen wird. Für Deutschland gibt es dafür diesen instruktiven Dürremonitor. Für Österreich den Dürre-Index (berücksichtigt Niederschlagsmengen, Temperatur und Verdunstung).

Dürre-Index gültig für 14. Juli 2026, Quelle: @wetterblogAT (Bluesky)

Am 15. Juli hat es vor allem im westlichen und südwestlichen Bergland ergiebig geregnet, an den Folgetagen gab es punktuellen Starkregen durch lokale Gewitter, wie am Samstag, 18. Juli, in den westlichen Wiener Stadtbezirken (Hohe Warte: 48mm). Die Kaltfront brachte dafür am Sonntag nur entlang der Bayrischen Kalkalpen bis Innviertel nennenswerten Niederschlag, sonst nur punktuellen Gewitterregen, der aufgrund der Intensität häufig an der Oberfläche abrinnt.

Verdorrte Biermeierwiese bei Kaltenleutgeben, 19. Juli

Die Verklärung der aktuellen Hitze und Dürre in Österreich bzw. in ganz Europa in den Medien nimmt ebenso historische Ausmaße an: „muss mit Schauern gerechnet werden„, „ist es zum Glück am Abend wieder trocken„, „herrscht perfektes Badewetter“ sind Formulierungen, die in der aktuellen Zeit der beschleunigten Klimaerwärmung nurmehr deplatziert wirken. Ich könnte inzwischen ein Dutzend ORF-Bundeslandmeldungen zitieren, die über die gravierenden Folgen der extremen Trockenheit für Ökosysteme und Landwirtschaft berichten. Doch wann endet die scheinbare „Feel-Good“-Direktive für die österreichischen Radiosender und Nachrichtenmeldungen, die den Bürgern nicht den Spiegel vor Augen hält, was Anti-Klimaschutz-Politik über Jahrzehnte hinweg angerichtet hat? Ob wir einen Sinneswandel jemals erleben werden?

Mesoskalige Zyklogenese mit Gewittern über Österreich (09. Mai 2026)

300hPa Geopotential + Jetstream (EZMWF 00z-Lauf, gültig für Samstag, 09. Mai 2026, 15 UTC)

Die Gewitterlage war insofern spannend, dass die durchschwenkende Trogachse sich in zwei Seitentröge aufgespaltet hat. Beide waren äußerst wetteraktiv. Überdies lehrbuchhaft waren die Neubildungen an einer Outflow Boundary über Oberösterreich, mit anhaltender Schauer- und Gewitteraktivität im Mühlviertel bis zum Linzer Becken. Die eigentliche Überraschung erlebte ich dann am Abend beim Blick aufs Wasserdampfbild – dazu später mehr.

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Ozapft is! Gewittersaison am 05. April eröffnet.

Radarbild des slowakischen Wetterdiensts am 05.04.26, 21.15 Uhr MESZ (mit Blitzentladungen)

Der heutige Tag verlief nicht ganz nach Plan der Vorhersagen. Die Schauer und Gewitter der Kaltfront hätten nicht vor 23 Uhr den äußersten Osten erreichen sollen. Stattdessen zogen die ersten Schauer schon gegen 18 Uhr nach Oberösterreich. Gegen 20 Uhr verstärkte sich ein Schauer zu einem Gewitter über Wien. Dabei gab es mehrere Blitzentladungen und kurzzeitig starken Regen – ein herrliches Geräusch.

Der Grund für den frühen Start in die Gewittersaison ist eine Konstellation zweier Sturmtiefs mit einem Hoch dazwischen. Der Mechanismus geht so:

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