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Extreme Hitze und Trockenheit in Österreich

seltener Anblick für mich: Grüne Futterwiesen in Kals am Großglockner, Osttirol

Über die erste Hitzewelle im Juni habe ich eine ausführliche Analyse geschrieben. Die zweite Hitzewelle rutschte bei den Medien durch – insbesondere die damit verbundene andauernde Trockenheit. Nach mehreren Tagen unter 30°C Höchstwert in ganz Österreich folgte ab 25. Juli die dritte Hitzewelle mit Schwerpunkt in den östlichen Landesteilen. Am 29. Juli wurde lokal die 36-Grad-Marke übersprungen, am 30. Juli ging es über 38°C, am 31. Juli wurden knapp 40°C gemessen (Wieselburg: 40,3). Am 1. August weiterhin 37-38°C im Osten, am 2. August vorübergehend Abschwächung der Hitze auf 30-33°C im Donauraum und knapp 35°C im Süden.

Am 3. August flüchtete ich aus Wien nach Kals am Großglockner in Osttirol (1340m) und verbrachte die Woche dort mit diversen Bergtouren, während im Osten von Österreich neue Extremwerte erreicht wurden. An einem Abend war das Gasthaus meiner Wahl ausreserviert und ich musste in ein Raucherbeisl ausweichen. Was da geredet wurde, war dummes Zeug, von wegen „Medienhysterie“, „mir gefällt es, endlich kann man ohne Jacke draußen sitzen“ und „früher haben uns die Eltern geschimpft wegen dem Teer, der an den Schuhen klebte“. Ja, damals hat man auch andere Teermischungen verwendet, die wesentlich weniger hitzeresistent waren und heute längst verboten sind wegen krebserregender Stoffe.

In den grünen Regionen der Alpen, wo Gewitterniederschläge zumindest für etwas Linderung der Trockenheit sorgen, kann man sich offenbar nicht vorstellen, wie katastrophal die Lage in den anderen Regionen Europas (und der Welt) ist, sofern man nicht aktiv Nachrichten konsumiert, die die aktuelle Situation korrekt widerspiegeln.

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Medienversagen: Die Hitze macht ‚erstmals‘ Pause

abgerufen am 21. Juli 2026 auf orf.at

In der Desinformationsforschung gibt es für solche Überschriften eine passende Beschreibung: „Verschiebung von Torpfosten“ (siehe PLURV-Plakat).

Blicken wir kurz zurück – auf ganz Österreich, denn hier ist ja explizit nicht von Wien die Rede.

Die Hitzewelle begann am Mittwoch, 17. Juni, als erstmals 30 Grad und mehr in Österreich erreicht wurden, konkret in Vorarlberg, in der südlichen Steiermark und im östlichen Flachland. Der vorläufige Höhepunkt war am Sonntag, 28. Juni, mit 40,0°C in Wien. Doch selbst am Tag nach der markanten Kaltfront vom Mittwoch, 1. Juli, wurden am zweiten Juli im östlichen Flachland erneut 30-31°C gemessen. In den Folgetagen konzentrierte sich die Hitze auf die Alpensüdseite. Am Montag, 6. Juli, waren es genau 30,0°C in Bludenz, am 7. Juli wieder verbreitet über 30°C, am 8. Juli 30,0 in Hermagor, seit dem 10. Juli erneut flächenhaft über 30°C. Der 20. Juli markierte den ersten Tag ohne einen einzigen 30er in Österreich. Eine Serie von 33 Tagen mit gleich oder mehr als 30,0°C irgendwo in Österreich ging zu Ende. Das gab es seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nicht in Österreich. Macht die Hitze also weiter Pause? Nein, sie macht erstmals Pause.

Wenn man die Tiefstwerte betrachtet, gab es am 18. Juni erstmals eine Tropennacht (>= 20°C Tiefstwert) im östlichen Flachland. Am 2. Juli gab es nur am Neusiedler See (Podersdorf) eine Tropennacht mit 20,0°C Tiefstwert, dann nochmals am 3. Juli, sowie erneut ab 6. bis 9. Juli, am 11. und 12. Juli in Wien-Innere Stadt, ab 13. bis 19. Juli wieder vermehrt in Österreich. Tropennächte sind wesentlicher Bestandteil einer Hitzewelle, die sich mit gesundheitlichen Folgen, körperlich und psychisch auf die Bevölkerung niederschlägt. Machte die Hitze also nach den Extremwerten von Ende Juni Pause? Nicht überall und nicht einmal in der Nacht. Hinzu kommt die von den Gebäuden (Wänden) gespeicherte Wärme. Jeder in einer unklimatisierten Wohnung kennt das Problem derzeit: Solange man lüftet, ist es angenehm, aber sobald die Fenster zu sind, steigt das Innenthermometer rasch um 1-2°C an. Bis auch die Außenwände wieder abkühlen, wird einige Zeit dauern.

Der viel dramatischere Bestandteil der diesjährigen Hitzewelle ist die begleitende Trockenheit, die im Artikel gar nicht angesprochen wird. Für Deutschland gibt es dafür diesen instruktiven Dürremonitor. Für Österreich den Dürre-Index (berücksichtigt Niederschlagsmengen, Temperatur und Verdunstung).

Dürre-Index gültig für 14. Juli 2026, Quelle: @wetterblogAT (Bluesky)

Am 15. Juli hat es vor allem im westlichen und südwestlichen Bergland ergiebig geregnet, an den Folgetagen gab es punktuellen Starkregen durch lokale Gewitter, wie am Samstag, 18. Juli, in den westlichen Wiener Stadtbezirken (Hohe Warte: 48mm). Die Kaltfront brachte dafür am Sonntag nur entlang der Bayrischen Kalkalpen bis Innviertel nennenswerten Niederschlag, sonst nur punktuellen Gewitterregen, der aufgrund der Intensität häufig an der Oberfläche abrinnt.

Verdorrte Biermeierwiese bei Kaltenleutgeben, 19. Juli

Die Verklärung der aktuellen Hitze und Dürre in Österreich bzw. in ganz Europa in den Medien nimmt ebenso historische Ausmaße an: „muss mit Schauern gerechnet werden„, „ist es zum Glück am Abend wieder trocken„, „herrscht perfektes Badewetter“ sind Formulierungen, die in der aktuellen Zeit der beschleunigten Klimaerwärmung nurmehr deplatziert wirken. Ich könnte inzwischen ein Dutzend ORF-Bundeslandmeldungen zitieren, die über die gravierenden Folgen der extremen Trockenheit für Ökosysteme und Landwirtschaft berichten. Doch wann endet die scheinbare „Feel-Good“-Direktive für die österreichischen Radiosender und Nachrichtenmeldungen, die den Bürgern nicht den Spiegel vor Augen hält, was Anti-Klimaschutz-Politik über Jahrzehnte hinweg angerichtet hat? Ob wir einen Sinneswandel jemals erleben werden?

Wiener Lurcheffekt am 19. Juli 2026 – kleine Analyse

Konvergenzlinie von Rax-Schneeberg ausgehend bis knapp südlich an den Föhrenbergen vorbei, Standort: Julienwarte am Höllensteinhaus, 11.35 Uhr MESZ

Ein weiteres Fallbeispiel für den „Wiener Lurcheffekt“ (Blogtext) war der Sonntag, 19. Juli 2026:

ICON D2-Lokalmodell vom Samstag, 18. Juli, 15z-Lauf, 1-Std.-Niederschlag gültig für 14-15 Uhr MESZ in mm, Quelle: wetterzentrale.de

Das deutsche Lokalmodell rechnete Samstagvormittag noch Gewitter quer über Wien, am Nachmittag dann plötzlich nurmehr südlich von Wien. Gewitter sollten auch nördlich der Donau durchziehen, nur Wien auslassen. Was war geschehen? Das hing stark mit der tagesaktuellen Entwicklung zusammen. Gewittercluster zogen am Samstagnachmittag über Bayern hinweg und lösten eine Druckwelle (auffrischender Westwind) im Donauraum aus, die das östliche Flachland in der Nacht auf Sonntag erreichten. Dieser Westwind brachte etwas kühlere und trockenere Luft.

Windrichtung am Sonntag, 19. Juli 2026, 10 Uhr MESZ (links) und Radiosondenaufstieg Wien Hohe Warte um 14 Uhr (rechts) – kachelmannwetter.com (Beobachtungen und Radiosonden)

Am Sonntagvormittag dominierte im Wiener Stadtgebiet weiterhin Westwind, das Windfeld war erst weiter südlich konvergent mit rückdrehenden Südwinden. Westwind über den Wienerwald bedeutet Lee-Effekte, also absinkende Luftmassen und Stabilisierung! Dabei war das Vertikalprofil nicht ungünstig für Gewitter – immerhin hochreichend labil bis 10km Höhe, wenn auch eher „skinny CAPE“ (schmale Labilitätsfläche). Doch das labilste Profil nützt nichts, wenn die Luft absinkt statt aufzusteigen.

Satellitenbild Wolkenphase um 13 Uhr (links) und 15 Uhr (rechts) – kachelmannwetter.com

Zum Zeitpunkt der Ausbildung der Gewitterlinie, die von Südtirol über die Tauernregionen bis vor den Toren von Wien reichte, herrschte im Donauraum schon Westwind bis Wien mit stabileren Luftmassen. Von dort folgten am Nachmittag eingelagerte Schauer nach, aber keine Gewitter mehr.

Bei der Kaltfront am 1. Juli war es sehr ähnlich, das hab ich nachgeschaut. Auch da brach der Westwind schon vor der Kaltfront durch und Wien wurde ebenfalls ausgelassen. Detail am Rande: Für Wien bzw. das östliche Flachland ist es nicht so ungewöhnlich, dass Kaltfronten trocken durchgehen. Meist gibt es dann am Folgetag aber noch labiles Rückseitenwetter (Höhentrog mit Nordwestströmung) und der Waldviertelexpress trifft den Wiener Raum mit Schauern, oder es herrscht zwar bodennah Nordwest, in der Höhe aber noch Südwest, weil die Trogachse westlich von Wien liegt. Dann zieht gewittriger Starkregen von Südwesten her durch.

Diese Konstellation fehlt aber seit einigen Jahren immer häufiger. Kaltfronten gehen trocken durch, und der Hochdruckeinfluss nimmt wieder zu. Oder es folgt trockene Kaltluft. Im Hitzesommer 2019 habe ich diese „Drylines“ erstmals bewusst beobachtet. Grund dafür ist, dass der Trog nicht mehr weit genug nach Süden vorstößt, damit wir auf dessen Vorderseite gelangen bzw. sich ein Italientief bilden kann – für letzteres ist der Trog zudem zu weit östlich (darum auch Fortsetzung der Dürre in Frankreich).

Die Großwetterlage am Montagfrüh danach:

GFS 6z-Analyse vom Montag, 20. Juli 2026 (wetterzentrale.de), 500hPa Geopotential + Temperatur, Bodendruck

Das Hoch über dem Atlantik und das Höhentief vor der Iberischen Halbinsel blockieren sich gegenseitig („Hoch über Tief“-Lage). Damit hat das abtropfende Höhentief über Polen freie Bahn bis Mitteleuropa. Beim Alpenraum ist dann aber Ende der Ausbaustrecke, denn über dem gesamten Mittelmeerraum hält sich sehr hohes Geopotential mit absinkenden Luftmassen und Extremhitze (Sardinien am 19. Juli: 47,8°C in Santa Lucia-Uta). Deswegen bleibt die Luftmassengrenze über den Südalpen liegen, wo weiterhin wärmere und labile Luftmassen vorherrschen.