
Die Unwetterlage am späten Abend des 11. Juli bis in die Nacht auf den 12. Juli 2023 führte zur seltenen Kombination zweier seltener Ereignisse in Europa. Derechos – langlebige Böenlinien, die auf großer Fläche mindestens schwere Sturmböen bringen- sind im Alpenraum sehr selten. MCCs (Mesoscale Convective Complexe), also großflächige Gewittercluster, sind noch viel seltener in Europa, in Osteuropa etwas häufiger mit 5-10 pro Jahr, in Westeuropa viel seltener, in Frankreich alle 10-15 Jahre, in Deutschland etwa alle 30 Jahre – häufiger sind sie noch in den USA bzw. als Easterly Waves die Keimzellen im Bereich des subtropischen Atlantiks für Hurrikane. Der MCC wandelte sich dann in der Nacht in ein MCV (Mesoscale Convective Vortex) um – ein kleines Bodentief mit Auswirkungen bis in die mittlere Troposphäre, wo es mitten im Höhenrücken einen kleinen Trog erzeugt hat, der das Höhenwindfeld deformierte. Rückseitig des Niederschlagsfelds vom MCC bildete sich außerdem ein sogenanntes wake low, ein kleinräumiges Tief, das kurz nach dem starken Druckanstieg mit der Böenlinie für erneuten Druckfall sorgte. Es ging mit lokalen „heat bursts“ (rapide Erwärmung am Boden am späten Abend) und erneuten Sturmböen einher. Auch dieses Phänomen beobachtet man wesentlich häufiger in den USA.
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