Radarbild am 11. September 2024, 07.30 MESZ (Euradcom)
Um die Schönheit der Boden-Kaltfront in voller Länge zeigen zu können, muss ich ausnahmsweise einmal auf nichtöffentliche Produkte zurückgreifen. In das breite Regengebiet von Frankreich bis zur Ostsee ist eine schmale linienhafte Echostruktur eingebettet, die über 1000km lang ist. Dort springt der Wind von Südwest auf Nordwest, die Temperatur geht aber nur wenige Grade zurück. Das vertikale Windprofil im Bereich der Linie zeigt geradlinige Winde in Sturmstärke und gesättigte Luftschichten. Mein Schuss ins Blaue ist, dass es etwas mit Conditional Symmetric Instability (CSI) zu tun hat, aber erklären kann ich es nicht.
Braunschweiger Hütte am 4. September 2022 und 2024 (Foto-Webcam) – bereits in zwei Jahren ein dramatischer Gletscherrückgang
Das Jahr 2024 bricht alle Rekorde und veranlasst mich selbst darüber nachzudenken, ob ich im Osten von Österreich dauerhaft sesshaft werden will und kann – ohne massive Einbußen der Lebensqualität hinnehmen zu müssen. Dann lese ich zufällig die Antwort eines mutmaßlichen FPÖ-Wählers, der die vielen Tropennächte die letzten Tage in Wien anzweifelt, weil nach Mitte August würde es keine mehr geben, also müssten die Messwerte manipuliert worden sein.
Unterdessen spaltete sich die Verschwörungserzählerin Madeleine Petrovic von den Grünen ab und sagt auf Puls24:
„Natürlich muss man was fürs Klima tun. Ob CO2 wirklich der Hauptschadstoff ist, muss man wissenschaftlich klären.“
Unglaublich so eine Aussage – dass eine ehemalige grüne Spitzenpolitikerin die menschengemachten Klimaerwärmung anzweifelt. Der Beweis des Zusammenhangs zwischen CO2 und Erwärmung wurde schon vor vielen Jahrzehnten erbracht.
Es ist so absurd, wie sehr die dramatischen Folgen – weltweit – ignoriert werden und bei den kommenden Nationalratswahlen in Österreich offenbar überhaupt keine Rolle spielen. Die folgende Aufzählung kommt etwas ungeordnet daher, aber man sollte sie trotzdem einmal sickern lassen und in sich gehen.
Zwei Starkregenzellen am Samstag, 17. August 2024 über Wien, die etwas schwächere über dem Südwesten und die Döblinger Zelle im Nordwesten (15.22 Uhr MESZ)
Der 17. August 2024 geht in die Wiener Messgeschichte ein und stellt gleich mehrere Niederschlagsrekorde auf: Österreichweit gab es noch nie 94mm in einer Stunde. Für Wien war es außerdem ein neuer Augustrekord, der alte wurde 1959 mit 76mm aufgestellt. Es war gleichzeitig ein neuer Tagesrekord für den Sommer mit 114mm, der alte lag bei 110mm am 20. Juni 1886. Unerreicht blieb lediglich der Allzeit-Tagesrekord vom 15. Mai 1885 mit 139mm.
Von den 94mm fielen 15mm in nur 5 Minuten, 24mm und dann 27mm in 10min, mehr zu den einzelnen Regenraten-Rekorden in der UWZ.
Wien weist diesen Sommer die wenigsten Regentage seit dem Jahr 1904 auf, aber wird aufgrund eines einzigen Gewitters am Ende zu nass bilanzieren – ein Gruß der Klimaerwärmung. Vom 1. Juni bis 16. August fielen nur 119mm.
Bereits am Vortag gab es mit über 88mm (gemessen, in Radarsummen um 120mm) am Arlberg, wo es die halbe Pass-Straße wegriss, und 80mm in Hollabrunn, das tagelang zum Katastrophengebiet erklärt wurde. Am gleichen Tag gab es auch Überflutungen in Gloggnitz, wo 94mm fielen und in Trattenbach am Wechsel 117mm in nur 3 Stunden.
Tiefe Quellbewölkung nach dem Unwetter über Wien am 17. August 2024
Dieses Thema ist ähnlich umstritten wie die berüchtigte Zugluft als (keine) Ursache fürs krank werden. Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass die Leser nicht zu den wohlhabenden Menschen mit Eigenheim gehören, die das Problem schlicht nicht haben, weil sie sich eine fest installierte Klimaanlage leisten können. Ich spreche auch nicht all jene an, die sich eine mobile Klimaanlage in die Wohnung stellen, die gewisse Kosten beim Energieverbrauch mit sich bringt und überdies Lärm verursacht.
Doch was ist mit dem Rest? Wenn man eine Wohnung hat, in der man nicht für Abkühlung sorgen kann? In der es über viele (wenige) Wochen immer wärmer wird, weil sich die Glasscheiben und Wände aufheizen, etwa weil es keine Außenjalousien gibt und das Anbringen von spezieller Sonnenschutzfolie aufwendig oder teuer ist, oder wegen der damit einhergehenden Reflexionen erst mit der Hausverwaltung abgesprochen werden muss.
Früher – vor den ganzen Hitzerekorden im Sommer – hätte man dazu geraten, tagsüber Fenster geschlossen zu halten und nachts zu lüften, wenn es kälter ist als drinnen. Jetzt kühlt es aber auch oft nachts nicht mehr ab. Es weht wenig oder gar kein Wind mehr, sodass Querlüften kaum nennenswerte Abkühlung bringt. Manchmal hilft ein Ventilator beim offenen Fenster oder Tür, um die kalte Luft leichter ins Zimmer zu befördern, aber die wenigen Zehntel, die man damit abkühlen kann, sind schnell wieder futsch, sobald man wieder schließt.
Das Außergewöhnliche an den beiden Wirbeln gestern und heute war nicht nur die verhältnismäßig geringe Ausdehnung, sondern auch die relativ gebremste Intensität der Konvektion. Dennoch überlebte der Wirbel in der Höhe viele Stunden.
Für eine gewohnt ausführliche Fallstudie fehlt mir leider gerade die Zeit, daher die Kurzfassung, vielleicht schaff ich später noch mehr mit Bebilderung.