Fallstudie: Schwergewittertag am 27. Mai 2026

Gewitterentwicklung am Mittwoch, 27. Mai 2026, 15 Uhr MESZ

Der 27. Mai 2026 gestaltete sich als markanter Unwettertag im Ostalpenraum mit zahlreichen Schwergewitterzellen, teils großem Hagel und Sturmböen. Im Südosten und Süden waren einige Superzellen mit von der Partie. Die Globalmodelle haben die Lage imho gut erfasst, sie rechneten großflächige, signifikante (> 1mm/h) Niederschlagssignale, während das Lokalmodell D2 zu wenig Auslöse im Donauraum rechnete und auch insgesamt die Gewitterhäufigkeit unterschätzt hat.

Synoptischer Überblick

EZMWF 27. Mai 2025, 15 UTC – 500hPa Geopotential, Bodendruck, RelTop (Quelle: ACG/EZMWF)

Mächtiger Hochdruckkeil über Westeuropa mit Kern Pyrenäen. Leicht antizyklonale Nordwestströmung im Alpenraum mit Annäherung einer Kaltfront von Norden her. Der Alpenraum selbst befindet sich in einer labil geschichteten Luftmasse („RTK“). Wenig Krümmungsvorticity, eher Scherungsvorticity in einer diffluenten Höhenströmung deuten auf diskrete Zellbildung hin.

ICON D2 6z-Lauf, gültig für 12z (10m Wind)

Das Bodenwindfeld zeigte die Auslösungsgebiete entlang der markanten Konvergenzlinien – zum Einen die Dryline im Norden (9-11°C Taupunkt im Mühl- und Waldviertel versus 14-16°C entlang der Donau), zum Anderen der markante Sprung von bodennah rückdrehenden Winden (verstärkt durch alpines Pumpen) im Südosten auf den durchgreifenden Nordwind. Die Konvergenzlinien bzw. Hebungszentren über Nordtirol bis Dachstein kommen hier nicht gut heraus.

EZMWF 700hPa Temperatur + Wasserdampf + ALDIS (Blitze)

Im Wasserdampfbild sieht man den stärksten Wasserdampfgradienten unmittelbar nördlich der Waldviertelkonvergenz, bzw. entlang der Hauptkonvergenz. In 700hPa ist ein thermischer Gradient entlang des Tiroler Alpenhauptkamms zu erkennen, wo die Gewitter im Westen entstanden sind.

GFS 700hPa Wind (kt) am Mittwoch, 15 UTC

Der Jetstream war nicht stark ausgeprägt, aber mit 30-40kt ausreichend für organisierte Gewitter. In 700hPa moderate Geschwindigkeitsscherung mit 30-35kt. Gemeinsam mit den bodennah rückdrehenden Winden also ideale Richtungsscherung für rotierende Gewitterzellen. Das Hagelpotential war grundsätzlich also erhöht.

12z-Aufstieg Wien (Quelle: kachelmannwetter.com)

Hochlabil geschichteter Aufstieg über Wien, aber recht trocken in der Höhe. Entsprechend eher kurzlebige Gewitter, die im unmittelbaren Wienerwaldlee an Austrocknung starben. Mäßige Nordwestströmung in der Höhe, jedenfalls genügend für starke Gewitter. 30mm PWAT ist beachtlich für Ende Mai (klimatologisch eher 20mm), auch DCAPE erhöht durch die trockenen Schichten (Verdunstungskälte).

„Waldviertelexpress“ aus dem Lehrbuch

Die berüchtigte Bodenkonvergenz entsteht durch Nordwestwinde mit trockener Luft nördlich der Donau und Westsüdwestwinden entlang der Donau, fungiert damit nahezu immer als „Dryline“. Auch an diesem Tag herrschten 15-25kt Westwinde im Donauraum und 15-20kt Nordwestwinde weiter nördlich.

Cloud Phase am 27. Mai 2026, 12 Uhr MESZ (Quelle: ACG/EUMETSAT)

Gegen Mittag zeigte sich erstmals eine durchgehende Linie mit dichten Wasserwolken (große Wolkentropfen, rosa).

13 Uhr MESZ

Um 13 Uhr entwickelte sich daraus eine erste Gewitterzelle mit rund -50°C Obergrenzentemperatur nördlich von St. Pölten. Eine weitere Schauerzelle entstand im Mühlviertel (türkis, kleine Partikel, starke Aufwinde).

14 Uhr MESZ

Um 14 Uhr sind zwei stärkere Gewitterzellen an der Konvergenz aktiv. Am Flughafen Schwechat querten bzw. streiften drei Gewitter (14 Uhr, 14.20 Uhr, 15 Uhr). Auspumparbeiten der Feuerwehr wurden in Göttlesbrunn-Arbesthal südöstlich vom Flughafen verzeichnet.

Das dürfte diese Gewitterzelle um 15.10 Uhr MESZ gewesen sein:

Panomax Webcam Flughafen, 27.05.26, 15.10 Uhr MESZ

Schwergewitter im Südosten

ICON D2 9z-Lauf, gültig für 11z in der Südoststeiermark (Quelle: ACG)

Für den äußersten Südosten der Steiermark ist am ehesten dieser Prognoseaufstieg repräsentativ, mit Tops bis FL390, knapp 2000 J/kg CAPE, bodennah rückdrehendem Südwind und darüber auflebenden Nordwestwind. Der ideale Aufstieg für Großhagel und schweren Sturmböen.

Wolkenphase in der Südoststeiermark am Beispiel eines schweren Hagelgewitters (2cm, Hageldecke, schwere Sturmböen) im Südburgenland.

Die Zellbildung war explosiv, mit Cloud Top Minimum von rund -63°C – das entspricht rund 12,5km Höhe. Auffallend ist die tiefe Bewölkung südlich des kreisrunden Ambossschirms, die sich unterteilt in einen sehr flachen, tiefbasigen Anteil nach Westen hin (Outflow Boundary) und einen hochreichenden Teil (rosa) unmittelbar am Südrand der Zelle. Das deutet auf versetzte Auf- und Abwinde hin und ermöglicht somit langlebige Rotation. Auch die anderen Zellen in der Umgebung zeigen versetzte Auf/Abwindbereiche. So könnte die Hagelzelle beim Flugplatz LOGG (Punitz) durch seinen Outflow durchaus die Verstärkung der Zelle bei Bad Radkersburg gefördert haben.

Auch in der Nacht zogen noch einmal Schauer durch vom Murtal kommend ins Grazer Becken.

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