Archiv der Kategorie: Allgemein

Fallstudie: Schwergewittertag am 27. Mai 2026

Gewitterentwicklung am Mittwoch, 27. Mai 2026, 15 Uhr MESZ

Der 27. Mai 2026 gestaltete sich als markanter Unwettertag im Ostalpenraum mit zahlreichen Schwergewitterzellen, teils großem Hagel und Sturmböen. Im Südosten und Süden waren einige Superzellen mit von der Partie. Die Globalmodelle haben die Lage imho gut erfasst, sie rechneten großflächige, signifikante (> 1mm/h) Niederschlagssignale, während das Lokalmodell D2 zu wenig Auslöse im Donauraum rechnete und auch insgesamt die Gewitterhäufigkeit unterschätzt hat.

Weiterlesen →

Föhnsturm während Dreharbeiten zum Spätwestern „Erbarmungslos“ (1992)

Abb.1: Berühmte Szene Munny und „Schofield Kid“ unter der Kiefer, rechts Sentinel Peak (2373m) in der Livingstone Range

Vor ein paar Tagen sah ich nach längerer Zeit wieder einmal den Westernklassiker „Erbarmungslos“ (Originaltitel: Unforgiven) mit Clint Eastwood, Morgen Freeman und Gene Hackman, der mit vier Oscars ausgezeichnet wurde. In der Schlüsselszene, wo der junge Cowboy und Eastwood unter der Kiefer warten, bis ihnen das Kopfgeld ausgehändigt wird, fiel mir die ganz charakteristische Bewölkung im Hintergrund auf.

Es handelt sich um eine lehrbuchhafte Föhnwetterlage, mit hochreichenden Gebirgswellen (mountain waves). Das zeigt sich durch scharf abgegrenzte, linsenförmige mittelhohe Wolken (links und rechts von Eastwoods Kopf) und den wolkenlosen Teil dahinter, der etwa das mittlere Drittel des Himmels ausfüllt. Hier herrschen absinkende Luftbewegungen im Lee des dahinter liegenden Gebirges. Über den zentralen Gebirgszügen im Hintergrund sind tiefe Wolken erkennbar, überwiegend flache Cumuli oder Stratocumuli, die an der Oberseite abgeschliffen bzw. walzenförmig wirken (Roll Cloud). Auch sie deuten auf Gebirgsüberströmung mit Rotorbildung hin.

Im Film sieht man außerdem, dass es selbst etliche Kilometer von den Bergen entfernt recht windig war. Es wehte also mit anderen Worten ein starker Föhn an diesem Tag. Als Vergleich soll eine Westföhnlage im Lee des Wienerwalds dienen – Aufnahmen dazu in dieser Fallstudie.

Weiterlesen →

Mutmaßliche Shapiro-Keyser-Zyklone verursachte schweren Wintersturm über Portugal und Spanien (28.01.26)

Sturmtief über Portugal am Mittwoch, 28.1.2026, 05:50 Uhr MEZ (Quelle: kachelmannwetter.com)

Ein schwerer Wintersturm traf am Mittwoch, 28. Jänner 2026, auf die Küste Portugals und querte unter Abschwächung das spanische Festland. Dabei gab es mehrere Tote und zum Teil erhebliche Schäden (Quelle). Die stärkste Böe wurde mit 178 km/h auf einer Luftwaffenbasis in Monte Real (rund 120km nördlich von Lissabon am Festland) angegeben. Lissabon hatte 109 km/h Spitzen um 5 Uhr, Cabo Carvoeiro (32m) an der Küste 148 km/h. Im Inland gab es um 08 Uhr eine Spitze von 137km/h in Castelo Branco (387m) und 150 km/h im spanischen Brozas (425m).

Das Satellitenbild zeigt das Sturmtief mit umgebogener Okklusion auf der kalten Seite des Subtropenjets (helle Cirrusfasern westlich und südlich von Lissabon). Der ausgefaserte Cirrusschirm der Okklusionsfront (etwa zwischen Bilbao und Saragossa) zeigt die Bildung eines zweiten Jetstreams (Polarfrontjet) an. Spontan würde diese Double-Jet Configuration für eine Shapiro-Keyser-Zyklone sprechen. Auch die markant sinkenden Wolkenobergrenzen (Tops) an der Spitze der Okklusion, nahe Monte Real, die für starkes isentropes Absinken (Dry Intrusion) sprechen und damit für einen vorhandenen Sting Jet. Üblicherweise entstehen Shapiro-Keyser-Zyklonen aber auf der warmen Seite des Jets mit einringelnder Warmfront ohne echten Okklusionsprozess. So wirkt der gesamte Wolkenschirm des Sturmtiefs von den Obergrenzen her deutlich niedriger als die Jetfasern des Subtropenjets, und zugleich konvektiv durchsetzt. Das spräche eher für eine klassische „cold conveyor belt“ – Zyklogenese.

Ein Standbild alleine reicht also nicht aus, um zu bestimmen, ob wir es hier mit einer Norwegerzyklone oder einer Shapiro-Keyser-Zyklone zu tun haben. Ich lege mich also nicht fest, sondern verweise auf die nachfolgende Analyse:

Weiterlesen →

Der Zyklon im Mittelmeer, der keiner war

Gesamt-Niederschlagsmengen vom 18-21. Jänner 2026 (Quelle: facebook.com)

Zahlreiche Medien bezeichnen den schweren Wintersturm im Mittelmeer irreführend als Zyklon. Dazu werden weitere Vergleiche mit tropischen Wirbelstürmen gezogen:

„Bilder, die wir sonst aus der Karibik kennen, gibt es erstmals vom italienischen Mittelmeer“ (TAZ, 25.1.26)

„Mit Merkmalen eines Zyklons bzw. Medicanes wütete Wintersturm Harry in weiten Teilen Süditaliens und hat insbesondere entlang der Ostküste Siziliens eine Spur der Verwüstung hinterlassen“ (vulkan.net, 21.1.26)

Dazu folgende Anmerkungen:

  • Eine sogenannte Zyklone ist ein normales Tiefdruckgebiet der gemäßigten Breiten.
  • Ein Zyklon ist ein tropischer Wirbelsturm im Indischen Ozean.
  • Ein Medicane (Mediterranean Hurricane) ist ein Tropischer Wirbelsturm im Mittelmeer (mehr Infos).
  • Schäden wie auf Sizilien gab es schon bei früheren Winterstürmen im Mittelmeer und nicht erstmals.

Der Begriff Zyklon ist hier vermutlich ein Übersetzungsfehler, nachdem in Italien von einer Ciclone gesprochen wird. Ein echtes Beispiel für einen Medicane über Sizilien wäre etwa der 8. November 2014 (siehe Radarbild) oder der 10. Februar 2023 (siehe Satellitenbild).

Weiterlesen →

Lehrbuch-Bodeninversion im Wiener Becken (19.11.25)

OMV produziert Wasserdampf, der sich seitlich an der Inversion ausbreitet, flache gefrierende Nebelschwaden entlang der Donau

Die erste Frostnacht im Wiener Becken diesen Herbst, verbreitet leichter Frost von -2 bis -4°C. In den hügeligen und gebirgigen Regionen mäßiger Frost mit -5 bis -8°C. Möglich gemacht hat es die trockene Luftmasse nach der markanten Kaltfrontpassage am Montag, nachdem der lebhafte Westwind am Dienstag eingeschlafen ist.

Dadurch hat sich in der letzten Nacht eine Bodeninversion gebildet, laut Radiosondenaufstiegen von startenden/landenden Flugzeugen in Wien in 1700-2000ft amsl Höhe (umgerechnet ca. 500-600m Höhe). Daher breitet sich der Wasserdampf nach kurzem senkrechten Aufstiegen dann horizontal aus. Nebelschwaden waren sonst entlang der Donauauen zu finden, sowie einzelne Stratusfetzen im Südosten von Wien Richtung Leithagebüsch.

Wenn wir kurz zurückschauen:

Am Montag querte eine verwellende Kaltfront den Alpenraum und es regnete verbreitet mehrere Stunden lang kräftig. Entlang der Nördlichen Kalkalpen sowie von Osttirol über den Pongau und ostwärts und allgemein südlich der Donau fielen verbreitet 15 bis 25mm Niederschlag am Montagvormittag. Vor der Front entstanden über Italien und Kroatien vorlaufende Gewitter. Die Bodenkaltluft erfasste erst am späten Nachmittag die Nordalpen, als der Niederschlag bis auf wenige Schauer im Nordstau schon aufgehört hatte.

EUMETSAT Cloud Phase am Montag, 17. November 2025, 11 Uhr MEZ

Spannend schaut es auch die nächsten Tage aus, wenn in Verbindung mit einer Austrogung über Italien immer wieder Vb-artige Bodentiefs nordostwärts ziehen.

ICON 00z-Lauf vom 19. November 2025, gültig für Samstag, 22. November, 12z (500hPa Geopotential und Temperatur; Bodendruck)

Die Unsicherheiten sind wie immer bei so einer Wetterlage groß:

EZMWF Ensemble vom Dienstag, 18.11., 12z – Wahrscheinlichkeiten für Niederschlagstyp bis Dienstag, 25.11., gültig für Wien (Quelle)

Am Dienstag rechnete das europäische EZMWF noch einen markanten Wintereinbruch von Fr-So im Osten/Südosten von Österreich. Davon ist heute im Hauptlauf nichts mehr übrig. Das amerikanische GFS rechnet seit Tagen am wenigsten und das deutsche Globalmodell ICON hat zumindest am Samstag ein Winterintermezzo im Wiener Becken im Programm. Auch nächste Woche rechnen alle Wettermodelle eine Fortsetzung der Troglage. Relativ sicher ist aber der Südstau und (viel) Neuschnee für die Südalpen, sowie die Beständigkeit der bodennahen Kaltluft im Alpenraum – das heißt, eine winterliche zweite Novemberhälfte zeichnet sich ab. Daran würde auch eine neuerliche Südwestströmung im Anschluss wenig ändern (Inversionslage). Zeit, die Ski zu wachsen und die Schneeschuhe aus dem Keller zu holen.