Ozapft is! Gewittersaison am 05. April eröffnet.

Radarbild des slowakischen Wetterdiensts am 05.04.26, 21.15 Uhr MESZ (mit Blitzentladungen)

Der heutige Tag verlief nicht ganz nach Plan der Vorhersagen. Die Schauer und Gewitter der Kaltfront hätten nicht vor 23 Uhr den äußersten Osten erreichen sollen. Stattdessen zogen die ersten Schauer schon gegen 18 Uhr nach Oberösterreich. Gegen 20 Uhr verstärkte sich ein Schauer zu einem Gewitter über Wien. Dabei gab es mehrere Blitzentladungen und kurzzeitig starken Regen – ein herrliches Geräusch.

Der Grund für den frühen Start in die Gewittersaison ist eine Konstellation zweier Sturmtiefs mit einem Hoch dazwischen. Der Mechanismus geht so:

EUMETSAT RGB-Luftmassen-Satellitenbild am Ostersonntag, 05. April 2026, 20 Uhr MESZ

Während ich schreibe, zieht gerade das zweite Gewitter über Wien hinweg (21.50 Uhr MESZ).

Das Orkantief über dem Nordatlantik mit einem Kerndruck von rund 955hPa intensiviert das Hochdruckgebiet über Westeuropa durch die markante Warmluftzufuhr („Keilogenese“). Dadurch verschärft sich durch die übergeostrophische Höhenströmung (Nordwestströmung) auch der nachfolgende Trog, hier zu einem Sturmtief über Skandinavien gehörend. Die zugehörige Kaltfront quert Mitteleuropa unter frontogenetischer Verstärkung, das heißt, der Hebungsantrieb nimmt zu und die labilen Luftmassen führen zu hochreichender Konvektion.

RGB + Blitzortung um 21.30 Uhr MESZ (Quelle: kachelmannwetter.com)

Erkennbar ist zudem ein „split front Charakter“, der sich entwickelt, wenn die trockene Höhenkaltluft schneller vorankommt als am Boden. Durch die Abtrocknung sinken die Wolkenobergrenzen an der Rückseite der Kaltfront deutlich ab. Sie betragen über Süddeutschland, Sachsen, Tschechien bis Südwestpolen rund -20°C. Im Bereich der Gewitter in der labilen Luftmasse (Taupunkte verbreitet 6 bis 10°C) dagegen rund -40°C und weniger. Das entspricht Tops von rund FL250 – immerhin den Erwartungen entsprechend, auch wenn es anhand der Vorhersageaufstiege nicht allzu greifbar war.

In der präfrontalen Warmluft bleibt die Cirrus-Bewölkung hingegen bestehen – die markante Zweiteilung der Wolkenobergrenzen definiert die „split front.“ (ausführlich erklärt bei EUMETSAT)

split front Entstehung (aus EUMETSAT s.o.)

Wahrscheinlich haben die Wettermodelle das Tempo der Dry Intrusion unterschätzt, weshalb die Schaueraktivität früher eingesetzt hat. Möglich ist auch, dass die Labilisierung schneller ging durch die sommerliche Luftmasse – immerhin wurden heute verbreitet 22 bis 25°C erreicht. Wien-Innere Stadt und Bad Vöslau hatten sogar +26,4°C als Höchstwerte – damit gab es den wärmsten Ostersonntag für Ende März/Anfang April seit Aufzeichnungsbeginn in Österreich! Der bisherige Rekord lag bei 24,2°C am 31. März 2024.

Die eigentliche Kaltluft kommt dann erst in der zweiten Nachthälfte, wenn die Zone mit den erniedrigten Wolkenobergrenzen hereinkommt. Morgen früh streift die 0°C-Isotherme in 850hPa das nördliche Waldviertel, tagsüber erwärmt sich die Luft dann in den Niederungen verbreitet auf 12 bis 17°C, im Süden örtlich knapp 20°C.

ICON D2 18z-Lauf, gültig für Ostermontag, 17 Uhr MESZ (Quelle: wetterzentrale.de)

Gewöhnlich kommt es bei Nordwestlagen frontrückseitig noch zu weiteren Schauern. Die meisten Modelle zeigen aber nichts mehr. Grund dafür ist das Einströmen von bodennah sehr trockener Luft von Norden her. So sinken die Taupunkte nördlich der Donau am Nachmittag verbreitet auf 0 bis -5°C ab. Womit man aber wohl rechnen kann, ist nochmals mit größeren Quellwolken (Cumulus mediocris oder congestus) entlang der klassischen „Waldviertel-Konvergenz“ (rot markiert), die in Verlängerung bis zum Seewinkel reicht. Erfahrungsgemäß unterschätzen die Wettermodelle den Hebungsantrieb entlang dieser Konvergenzen, ein kurzer Regenschauer würde mich also nicht wundern, je nachdem, wo die Konvergenz dann schlussendlich liegen wird.

Noch trockener wird die Luft dann im Verlauf des Dienstags und in der Nacht auf Mittwoch ist in windgeschützten Lagen des Mühl- und Waldviertels einschließlich Wachau mäßiger Luftfrost nicht ausgeschlossen – ausgerechnet am Höhepunkt der Marillenblüte!

Die Achterbahnfahrt beim Wetter geht also weiter.

Hinterlasse einen Kommentar