„Barokliner Rand“ aus dem Lehrbuch

Cloud Phase + 300hPa Jetstream (kt) am Mittwoch, 08. Juli 2026, 11 UTC (Quelle: ACG/EZMWF)

Am gestrigen Mittwoch kam es über Teilen von Österreich zu kurzen, aber teils intensiven Regenschauern. Ursache dafür war ein weit entferntes Sturmtief über dem Baltikum – schön eingeringelte Okklusion und Kaltfront. Über dem Alpenraum bis Benelux wurde die Front warmaktiv (westlich davon Hochdruckeinfluss mit Hitzerekorden über Frankreich) mit deutlich niedrigeren Wolkenobergrenzen (rosa statt blau) und entsprechend geringerer Niederschlagseffizienz.

Unter Baroklinität versteht man, dass sich Isobaren und Isothermen schneiden. Das Gegenteil wäre Barotropie (Isobaren und Isothermen sind parallel angeordnet).

Warum gab es trotz zunehmenden Hochdruckeinfluss Niederschläge? Die Luftmassengrenze alleine wirkt natürlich frontogenetisch, wurde aber auch in der Höhe gestützt durch den Jetstream (gelbe Konturen), dessen Jetachse genau über den Zentralalpen lag und leichter linker Jetausgang-Lage (Hebungsantrieb). Süddeutschland und Benelux lagen klar auf der warmen, stabilen Seite des Jetstreams.

Über der Alpensüdseite entwickelten sich zudem ausgeprägte hochreichende Leewellen (Mountain Waves) mit dichter hoher Bewölkung.

Der barokline Rand war auch gut in den Karten des sogenannten „8er Blocks“ zu erkennen, einem Set von acht standardisierten Modellkarten (meist EZWMF), die die wichtigsten synoptischen Parameter zeigen, um eine Großwetterlage beschreiben zu können. Hier habe ich zwei wesentliche Paramter herausgenommen: Äquivalentpotentielle Temperatur (oben) und Bazi (Frontparameter, relative Vorticity, Hebung).

RelTop und Bazi für Mittwoch, 08. Juli 2026, 18 UTC (EZWMF)

Sie zeigen stärker gedrängte Isolinien über Österreich (Luftmassengrenze) sowie erhöhte Werte relativer Vorticity. Die Großwetterlage Hoch Westeuropa und Tief Osteuropa produziert am häufigsten eine „barokline Rand“-Situation, die oft tagelang anhalten kann, mitunter länger als ursprünglich in den Modellen vorhergesagt. Der Grund dafür ist die stationäre Luftmassengrenze, die je nach Position und Orientierung des Jetstreams reaktiviert werden kann, entweder stärker konvektiv oder stärker stratiform, meist eine Mischung aus beidem.

In diesem Fall brachte die stürmische Nordwestlage im sonst meist ruhigen Schweizer Engadin immerhin Spitzenböen bis 75km/h hervor und im Tessin gab es mit 37,0°C (Brescia/Ghedi) nordföhnbedingt offenbar einen neuen Extremwert. Im französischen Departement Drôme intensivierten sich die Waldbrände (siehe Satellitenbild) – im nachfolgenden Satellitenbild rot markiert:

MET-12 True Color RGB, 08. Juli 2026 (EUMETSAT 2026)

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