Sturmtief BIANCA reiht sich ein in eine Serie von Stürmen im Februar, den Auftakt lieferte PETRA (04.02.) , dann folgten SABINE und SABINE SUCCESSOR (10.02. und 10.02./11.02.), nach zwei Wochen Pause kam YULIA (23./24.02.). Zu BIANCA hatte ich bereits den Verdacht geäußert, es handle sich um eine Shapiro-Keyser-Zyklone. Das recherchierte Kartenmaterial stützt diese Annahme. Nachfolgend eine kurze Analyse über die wesentlichen Merkmale der Sturmzyklone: Weiterlesen
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Orkan BIANCA sch(l)ießt den Februar ab

Dienstagfrüh über dem Wiener Becken mit Blick zu den Hundsheimer Bergen, angestrahlter Altocumulus radiatus, der durch eine ausgeprägte Gebirgswelle im Lee des Wienerwalds entstanden ist.
Für das Ausmaß von Sturm YULIA am Sonntagabend hielt sich die Berichterstattung ziemlich in Grenzen. Es gab hunderte Feuerwehreinsätze in Ober- und Niederösterreich. Der Grund für das dürftige Interesse scheint klar: Einerseits ist es das ganze Monat schon stürmisch, ein gewisser Gewöhnungseffekt ist eingetreten, der auch die Gefahr birgt, dass künftige Sturmgefahren übersehen werden, anderers dominiert natürlich die Pandemie durch das Corona-Virus alle Nachrichten. Ich bleibe bei dem, was mich interessiert: Der vierte Sturm in diesem Februar, BIANCA, welcher am Donnerstag über Deutschland hinwegziehen wird und in der Nacht auf Freitag Österreich überquert. Das ist wohlgemerkt schon übermorgen und im Gegensatz zu den drei Stürmen davor, sind die Modelle hier noch nicht auf einer Linie, was die Zugbahn betrifft. Weiterlesen
Sturm YULIA auf PETRAS Spuren

Sturmtiefentwicklung YULIA im Wellenstadium, 23.02.2020, 10 Uhr Lokalzeit
Die prognostizierte Zugbahn von Sturm YULIA ist ähnlich zu jener von Sturm PETRA am 04. Februar 2020, aber rund 200km nördlicher. Im obigen Satellitenbild vom Vormittag sieht man eine ausgeprägte Verwellung mit Warmfrontband über Norddeutschland, wo es zu kräftigen Regenfällen kommt. Die Kaltfront ist noch wenig ausgebildet. Die Jetachse wird durch die gerippten Strukturen innerhalb der Cirrusbewölkung angedeutet, dies deutet auf Schwerewellen und schwere Turbulenzen hin. Entscheidend ist das im weißen Kasten, das mit „kalter Förderband“-Zyklogenese tituliert ist. Dort sieht man nördlich der hochreichenden Schichtbewölkung tiefe flächenhafte Bewölkung. Sie schwimmt auf der kalten Seite des Jetstreams mit und wird sich am Abend zunehmend gegen den Uhrzeigersinn eindrehen. Es handelt sich also um die spätere Okklusionsfront. Das alleine wäre nicht besonders, aber ist insofern bemerkenswert, da es sich um eine Warmfrontwelle handelt. Diese hat sich von der Warmfront des nachrückenden Sturmtiefs ZEHRA abgespaltet, das am Montag von den Britischen Inseln her nachfolgen wird. Dennoch ist im Reifestadium nicht die Warmluft dominant, sondern die Kaltluftbewölkung, aus der die Okklusion geformt wird. Im derzeitigen Übergangsbereich zwischen Kaltluftbewölkung und Jetbewölkung wird sich am Nachmittag und Abend sukzessive sehr trockene Luft stratosphärischen Ursprungs wie ein Keil hineinschieben (Dryslot) und die Tiefdruckentwicklung intensivieren. Dennoch vertieft sich YULIA lediglich um rund 10 hPa auf 991 hPa.
Sturmtief SABINE

Durchzug von Sturm SABINE in Wien: Ein laues Lüfterl mit viel Sonnenschein – Donauinsel Höhe Floridsdorfer Brücke am Nachmittag, © Felix W.
Die Intensität des Sturmtiefs und der Ablauf der Kaltfront waren schon vor einer Woche gut prognostiziert, damit steht die Vorhersagequalität den berühmten Vorgängern Emma (01.03.08) und Kyrill (18.01.07) in nichts nach, was aber auch an der Größe des Systems gelegen haben mag. Je größer der Umfang der Tiefdruckgebiete, desto zuverlässiger die Prognose. Auch das Windmaximum im Alpenvorland wurde korrekt prognostiziert, mit 154 km/h in Fürstenzell (Niederbayern) wurde auch im Flachland eine extreme Windböe gemessen (Modellverifikation im Thread von Janek Zimmer, kachelmannwetter.com). Weiterlesen
Wie ungewöhnlich ist der stürmische Hochwinter?
Sturmtief PETRA hat vergangenen Dienstag vor allem über Süddeutschland und Österreich verbreitet für schwere Sturm- und einzelne Orkanböen gesorgt. In Österreich wurden dabei einige Stationsrekorde aufgestellt. In den vergangenen Jahren gb es markante Sturmereignisse vor allem im Oktober (Xavier 05.10.2017, Herwart 23.10.2017) und im Jänner (Burglind 03.01.2018, Friederike 18.01.18). Wenn man weiter zurückblickt, dann ebenfalls im Jänner (Paula 27.01.2008, Kyrill 18.01.2007) bzw. im März (Emma 01.03.2008). Orkan Christian brauste am 28.10.2013 über Norddeutschland, Orkan Xynthia am 28.02.2010 über Süddeutschland und die Alpen mit Föhnorkan. Die Orkanserie im Jahr 1990 fand am 27.02. (Vivian) bzw. in der Nacht auf den 01.03. (Wiebke) statt. Was in der Aufzählung fehlt, sind Stürme Anfang Februar.
Prognose für den 11. Februar 2018, 30 hPa (Stratosphäre)
Im Februar 2018 zeigte sich eine typische Konstellation in der unteren Stratosphäre für den Spätwinter: Der Polarwirbel ist in zwei Teile getrennt, einer über Kanada und einer über Sibirien. Über Nordeuropa hat sich die Stratosphäre deutlich erwärmt und es dominiert Hochdruckeinfluss. Vereinfacht gesagt stützt ein starker Polarwirbel in der Stratosphäre auch einen starken Polarwirbel in der Troposphäre und damit eine positive North Atlantic Oscillation (NAO) mit Westwindwetter über der Nordhalbkugel (Nordatlantik und Europa). Beide Wirbel sind gekoppelt. Erwärmt sich nun die untere Stratosphäre und steigt zudem der Luftdruck, dann werden beide Wirbel entkoppelt, die Zirkulation wird gestört, bricht zusammen oder verkehrt sich gar ins Gegenteil mit kalten Nordostströmungen.
