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Sturm YULIA auf PETRAS Spuren

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Sturmtiefentwicklung YULIA im Wellenstadium, 23.02.2020, 10 Uhr Lokalzeit

Die prognostizierte Zugbahn von Sturm YULIA ist ähnlich zu jener von Sturm PETRA am 04. Februar 2020, aber rund 200km nördlicher. Im obigen Satellitenbild vom Vormittag sieht man eine ausgeprägte Verwellung mit Warmfrontband über Norddeutschland, wo es zu kräftigen Regenfällen kommt. Die Kaltfront ist noch wenig ausgebildet. Die Jetachse wird durch die gerippten Strukturen innerhalb der Cirrusbewölkung angedeutet, dies deutet auf Schwerewellen und schwere Turbulenzen hin. Entscheidend ist das im weißen Kasten, das mit „kalter Förderband“-Zyklogenese tituliert ist. Dort sieht man nördlich der hochreichenden Schichtbewölkung tiefe flächenhafte Bewölkung. Sie schwimmt auf der kalten Seite des Jetstreams mit und wird sich am Abend zunehmend gegen den Uhrzeigersinn eindrehen. Es handelt sich also um die spätere Okklusionsfront. Das alleine wäre nicht besonders, aber ist insofern bemerkenswert, da es sich um eine Warmfrontwelle handelt. Diese hat sich von der Warmfront des nachrückenden Sturmtiefs ZEHRA abgespaltet, das am Montag von den Britischen Inseln her nachfolgen wird. Dennoch ist im Reifestadium nicht die Warmluft dominant, sondern die Kaltluftbewölkung, aus der die Okklusion geformt wird. Im derzeitigen Übergangsbereich zwischen Kaltluftbewölkung und Jetbewölkung wird sich am Nachmittag und Abend sukzessive sehr trockene Luft stratosphärischen Ursprungs wie ein Keil hineinschieben (Dryslot) und die Tiefdruckentwicklung intensivieren. Dennoch vertieft sich YULIA lediglich um rund 10 hPa auf 991 hPa.

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Alle bekloppt geworden?

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Altocumulus mammatus und lenticularis, 19. Dezember 2019 am Alpenostrand

Die polarisierte Gesellschaft, in der wir heute leben, ist phasenweise schwer zu ertragen. Ich bin studierter Meteorologe mit Vertiefung auf die Wettervorhersage. Entsprechend war Klimatologie nur ein Teilgebiet meines Studiums. Natürlich interessierte es mich trotzdem und wenn man größere Zusammenhänge von Wetterphänomenen wie Tornados, Hurrikans und Extremereignisse wie Hitze, Dürre sowie langfristige Trends wie Gletscherschwund und Meeresspiegelanstieg verstehen will, kommt man um Klimatologie nicht herum. Im Jahr 2007 war gerade der IPCC-Report in aller Munde, ich hielt daraus einen Seminarvortrag über Tornados, der in meinen Augen das Risiko einer Zunahme überdramatisierte. Dieser Meinung bin ich auch noch heute. Ebenfalls gab es damals einen Artikel über Hurrikane, mit unklarer Schlussfolgerung, zu kurze Erfassungsreihe für klimatologische Aussagen, keine klare Zunahme erkennbar. Heute wissen wir, dass die Anzahl zwar weiterhin hochvariabel ist, aber die Intensität hat in Einzelfällen (z.b. DORIAN) zugenommen. Grund dafür ist der treibende Motor für starke bis verheerende Hurrikane: Die Erwärmung der Ozeane. Diese bewirkt außerdem, dass langsam ziehende Tropenstürme (z.b. HARVEY) größere Niederschlagsmengen abladen als vor der Erwärmung, weil wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Weiterlesen →

Sublimation, Schmelzen und Tauen

Gleitschneelawinen

Südflanken des Faistenauer Schafbergs (1559m), auf den Wiesen sind mächtige Anrisse zu erkennen, die bei fortschreitender Erwärmung in der Sonne zu mächtigen Nass-Schneelawinen führen können.

„eine geringe Luftfeuchtigkeit lässt in den Bergen den Schnee auch bei Plusgraden nur langsam schmelzen“

(Ö1-Mittagjournal Wetter, gehört am 16.02.2019)

Natürlich ist das mit der relativen Luftfeuchte sehr anschaulich, aber strenggenommen ist es die Erklärung so nur halbrichtig. Denn es macht einen großen Unterschied für die Art der Schneedeckenreduktion, wie hoch die Plusgrade dabei sind. In der Meteorologie unterscheidet man dabei zwischen tauen, schmelzen und sublimieren. Weiterlesen →

Föhnorkan VAIA am 29./30. Oktober 2018

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Festung Hohensalzburg am 31.Oktober 2018, mit Planen abgedeckte Dächer an der Südseite des Festungsberges.

Der Föhnsturm am Morgen des 30. Oktober 2018 , fast genau ein Jahr nach Orkan HERWART (ich habe darüber gebloggt) war ein denkwürdiges Ereignis, das nach einer Nachbetrachtung verlangt. Die Vorgeschichte war geprägt von intensivem Südstau mit enormen Regenmengen an der Alpensüdseite.
Regenmengen innerhalb 72 Stunden:

    • Casera Pradut, 1431m (südliche Karnische Alpen): 850 l/m²
    • Plöckenpass (Kärnten): 627 l/m²
    • Camedo (Tessin): 529 l/m²
    • Kötschach-Mauthen (Kärnten): 442 l/m²
    • Bignasco (Tessin): 434 l/m²
    • Intragna (Tessin): 418 l/m²
    • Kornat (Kärnten): 415 l/m²
    • Rotwandwiesen in Sexten (Südtirol): 370 l/m²
    • Dellach (Kärnten: 348 l/m²
    • Locarno (Tessin): 279 l/m²

An der Gader (Südtirol) wurde ein 100-jährliches Hochwasser erreicht, an der Möll (Flattach) nur knapp verfehlt, an Gail und Drau war es HQ30.

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Nicht ganz so einfach: der Altweibersommer

Beinahe hätte es meine Erklärung ins Erratum des FALTER geschafft, doch weil ich zu dem Zeitpunkt auswärts unterwegs war und am Smartphone nur begrenzt meteorologische Analysen erstellen kann, wurde daraus nichts.

Falter-Ausgabe 37, 7 Sachen, die Sie über den ALTWEIBERSOMMER nicht wussten

Erklärung für die ungewöhnliche Wärmeperiode bis Mitte September liefert der Autor folgende:

Ganz einfach ausgedrückt: Sobald der heiße Sommer in Osteuropa nachgelassen hat, entsteht ein annäherndes Temperaturgleichgewicht in ganz Europa. Das kann zu einem riesigen kontinentalen Hochdruckgebiet führen.

Und so etwas nennt man dann Altweibersommer?

Genau, wenn es ab Mitte September nocheinmal richtig warm wird, heißt es bei uns „Altweibersommer“. Die Amerikaner sagen „Indian Summer“.

Zunächst eine zeitliche Korrektur:

Die FALTER-Ausgabe erschien am 14. September, die spätsommerliche Episode ging aber nur bis 16. September. Es kann daher nicht von Altweibersommer gesprochen werden. Zu trennen sind die Ereignisse daher in den ausklingenden Spätsommer 2016, mit zwei stabile Phasen, vom 25. bis 31. August und vom 8. bis 16. September, und einer kürzeren Altweibersommerperiode vom 24. September bis 1. Oktober.

Insgesamt ungewöhnlich waren weniger die Höchstwerte als die Anzahl der heißen Tage (> 30°C) im September (für Österreich).

Stabile Hochdrucklagen, sofern es sich nicht um ein Winterhoch über kalter Bodenluft handelt, entstehen als Hoch-über-Tief-Lage, wenn südlich eines Höhenhochs ein Höhentief liegt, oder als Omega-Lage, benannt nach dem griechischen Großbuchstaben. Es handelt sich dabei um eine stabile Wetterlage mit einem Hochdruckgebiet, das von einem Atlantik- und einem Osteuropatief flankiert wird.

Die folgenden Karten (500 hPa Geopotential [in gpdam], Bodendruck [hPa] und relative Topographie H500-H1000 [gpdam]) zeigen exemplarisch die Situation während den beiden stabilen Spätsommerphasen.

Phase 1: 25.-31. August 2016

Ein stabiles Höhen- und Bodenhoch reicht von Nordafrika über den Mittelmeerraum bis nach Osteuropa. Tiefdruckeinfluss dringt zunächst nur bis Deutschland vor, erst gegen Ende der Schönwetterperiode auch zum Alpenraum. Dabei verstärkt sich auf der Vorderseite eines Troges die Warmluftzufuhr. An sich eine typische Sommerwetterlage, nach zwei feuchten Sommermonaten Juni und Juli lediglich verspätet.

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Phase 2: 8.-16. September 2016

Zu Beginn eine klassische Hoch-über-Tief-Lage mit Höhenhoch über dem Kontinent und Höhentief über Italien, später vermehrt ein Omega mit Hoch über Skandinavien und Tiefdruckgebiet über Westeuropa sowie einem ausgedehnten Trog über Ost- und Südosteuropa.

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Dabei herrschte tagelang eine Warmluftblase über Mitteleuropa bzw. dem Alpenraum. In der Nacht kühlte die Luft kräftig ab, tagsüber wurde die teils markante Bodeninversion (bis zu 10 Grad Temperaturzunahme auf wenigen hundert Höhenmetern) durchgeheizt und die sehr warme Luft in mittleren Lagen konnte bis zum Boden durchgemischt werden.

„Altweibersommer“, auch „Goldener Oktober“ oder „Indian Summer“

Der Begriff „Indian Summer“ wird gewöhnlich für die Kernmonate des Herbstes (Oktober, November) verwendet, wenn die Laubverfärbung eingetreten ist, unten oft Nebel und Hochnebel herrschen und die Wärme nur in mittleren Lagen anzutreffen ist. Bei „riesigen Hochdruckgebieten“ ist die Stabilität sonst zu groß, um auch bodennah für eine kräftige Erwärmung zu sorgen. Es bilden sich markante Absink- und Bodeninversionen auf, die auch tagsüber kaum noch aufgehen. Im Wiener Raum die gefürchteten Hochnebellagen im Spätherbst, die in den vergangenen Jahren jedoch oft ausgelieben sind.

In den Niederungen werden frühlingshafte oder spätsommerliche Werte (je nach dem) nur dann geknackt, wenn Föhneffekte hinzukommen, etwa am 17. November 2009 am Alpennordrand und im Aichfeld (Sonthofen: +22,4°C und Zeltweg +20,6°C), oder knapp +19°C am 11. Oktober 2005 in Innsbruck. Diese Wärme ist aber oft nur von kurzer Dauer, da oft mit zunehmendem Tiefdruckeinfluss verbunden.

Sonst ist alleine von der Strahlungsbilanz her mit längeren Nächten und immer kürzeren Tagen bei gleichzeitig zunehmender Nebelwahrscheinlichkeit und -dauer nicht mehr von sommerlichen Werten in den Niederungen auszugehen.

Phase 3: 24. September bis 01. Oktober

Die dritte Phase war anfangs erneut durch ein Omegahoch gekennzeichnet, jedoch weniger stabil als in der ersten Septemberhälfte, und zu den spätsommerlich warmen Tagen Ende September (vor allem 29. und 30.9.) kam bodennah eine Westwindkomponente hinzu, die im Lee des Alpenostrandes für Werte über 25°C sorgte.

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Selbst wenn man die Extremwerte abzieht, war es Ende September überdurchschnittlich warm. Ein klassischer Altweibersommer? Hier: Ja!

Schlussfolgerungen:

In der letzten Augustwoche sowie in der ersten Septemberhälfte gab es zwei Schönwetterperioden, die phänologisch betrachtet eher die Charakteristiken eines Spätsommers erfüllen: hochsommerliche Höchstwerte, milde Nächte und grüne Vegetation statt Laubverfärbung.

In der letzten Septemberwoche stellte sich schon eher Altweibersommerwetter ein, mit teils beachtlichen Tagesgängen selbst im Flachland, die auf die bis dahin andauernde Trockenheit zurückzuführen sind. Trockene Luft und Böden ermöglichen sowohl eine starke nächtliche Abkühlung als auch eine starke Erwärmung durch die Sonneneinstrahlung, weil nahezu die gesamte Sonnenenergie dem fühlbaren Wärmestrom zur Verfügung steht und nur sehr wenig für die Verdunstung feuchter Luft investiert werden muss.

Eine genretypische Altweibersommerphase gab es im Oktober 2012 als unter Hochdruckeinfluss und föhniger Südströmung sehr warme Luft in den Alpenraum transportiert wurde. In Bodennähe hielt sich kalte, nebelanfällige Luft, während auf 1700 m bis zu +20°C gemessen wurden. Im Tiroler Oberland schaffte es die Föhnluft sogar bis in die Täler (+27°C in Landeck).

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20. Oktober 2012: Rauch von kontrolliert abgefackelten Latschenzonen steigt über die Wildalpe (1523m) auf und bedingt durch eine scharfe Temperaturinversion auf der Gegenhangseite wieder ab.

Quelle der Modellkarten: http://www.wetter3.de – das Bild hab ich selbst aufgenommen.