Schlagwort-Archive: Waldbrände

Schwere Gewitter gibt es nicht erst seit der Erderhitzung

LP-Superzelle über dem Wiener Becken am 24. Juni 2021

Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass die rapide zunehmende Erhitzung der Erde für gigantische Hagelschloßen verantwortlich ist. Erst am 19. Juli 2023 wurde in Carmignano di Brenta mit 16cm ein neuer Rekord aufgestellt. Der alte stammte vom 20. Juni 2016 in Sânandrei, Rumänen, mit 15cm Durchmesser. Weltrekord hält noch das Hagelkorn vom 23. Juli 2010 in Vivian, South Dakota, mit 20,3cm Durchmesser. Wie schon bei den Extremwerten der Lufttemperatur in den vergangenen Jahren, die vielerorts nicht um wenige Zehntel, sondern gleich um mehrere Grad überboten werden, sind auch die 19cm von Azzano Decimo am 24. Juli 2023 ein Ereignis von enormer Tragweite für die beunruhigende Veränderung des Erdklimas.

Die beobachteten Extremwerte bei den Meeresoberflächentemperaturen (bis zu sechs Standardabweichungen vom Durchschnitt im Nordatlantik) mit 5 Grad zu warmen Mittelmeer und teilweise über 10 Grad an der kanadischen Ostküste, aber auch das extrem hohe 500 hPa Geopotential über dem Mittelmeerraum und teilweise im Bereich der Azoren fallen in diesen Tagen ins Auge. Ob das schon die Auswirkungen des Zusammenbruchs der AMOC (Atlantic Meridional Overturning Circulation) sind? Dazu ein frischer lesenswerter und gut verständlicher Beitrag von Stefan Rahmstorf, der sich auf eine kürzliche Studie bezieht, die am 25. Juli 2023 veröffentlicht wurde.

Dennoch sollten wir tunlichst vermeiden, Wetter und Klima miteinander zu verwechseln, wenn wir schon den radikalkonservativen Gegner bloßstellen wollen, denn der hat keine tragfähigen Pläne für eine lebenswerte Zukunft (exzellenter Thread). Handwerkliche Fehler in der Argumentation liefern Tür und Tor für den Gegenangriff.

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Heißes Sibirien und kaltes Mitteleuropa: Warum?

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Die dramatische Erwärmung wird sich in den Alpen fortsetzen – daran ändert ein durchschnittlicher Sommer nichts.

Die vergangenen Jahre fielen weltweit rekordwarm aus. Höchstwerte bis 20 Grad gab es bis in den Dezember hinein. Immer häufiger fällt der Dezember als Wintermonat aus, was Neuschnee und Frost betrifft. Das Frühjahr 2020 war mild und extrem trocken. März und April zeigten sich im Lockdown von der sonnigen Seite. Keiner kann sich herausreden, davon nichts mitbekommen zu haben. Der Lockdown betraf alle. Erst seit etwa Mitte Mai hat das durchwachsene mäßig warme Wetter eingesetzt, das voraussichtlich bis mindestens Ende Juli anhalten wird. Immer wieder Kaltlufteinbrüche, häufig Regen, etwas seltener heftige Gewitter, die Nächte oft frisch unter 20 Grad. In Wien waren es heuer bisher magere 6 Tage über 30°C, im Vorjahr waren es 42 (Hohe Warte), im Mittel (1981-2010) sind es 15. Dazu kommen Nächte wie vom 11. auf den 12. und vom 12. auf den 13.7., als die Tiefstwerte verbreitet unter 10°C fielen. In Summe fühlt sich der Sommer für das 21. Jahrhundert eher unterkühlt an, fürs 20. Jahrhundert läge er noch im Schnitt.

Gleichzeitig fallen in Sibirien Hitzerekorde, insbesondere im Polarkreis nördlich des 66. Breitengrades wurden im Juni und Juli tagelang Höchstwerte über 30°C gemessen.

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Alle bekloppt geworden?

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Altocumulus mammatus und lenticularis, 19. Dezember 2019 am Alpenostrand

Die polarisierte Gesellschaft, in der wir heute leben, ist phasenweise schwer zu ertragen. Ich bin studierter Meteorologe mit Vertiefung auf die Wettervorhersage. Entsprechend war Klimatologie nur ein Teilgebiet meines Studiums. Natürlich interessierte es mich trotzdem und wenn man größere Zusammenhänge von Wetterphänomenen wie Tornados, Hurrikans und Extremereignisse wie Hitze, Dürre sowie langfristige Trends wie Gletscherschwund und Meeresspiegelanstieg verstehen will, kommt man um Klimatologie nicht herum. Im Jahr 2007 war gerade der IPCC-Report in aller Munde, ich hielt daraus einen Seminarvortrag über Tornados, der in meinen Augen das Risiko einer Zunahme überdramatisierte. Dieser Meinung bin ich auch noch heute. Ebenfalls gab es damals einen Artikel über Hurrikane, mit unklarer Schlussfolgerung, zu kurze Erfassungsreihe für klimatologische Aussagen, keine klare Zunahme erkennbar. Heute wissen wir, dass die Anzahl zwar weiterhin hochvariabel ist, aber die Intensität hat in Einzelfällen (z.b. DORIAN) zugenommen. Grund dafür ist der treibende Motor für starke bis verheerende Hurrikane: Die Erwärmung der Ozeane. Diese bewirkt außerdem, dass langsam ziehende Tropenstürme (z.b. HARVEY) größere Niederschlagsmengen abladen als vor der Erwärmung, weil wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Weiterlesen →