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Markantes Glatteis-Ereignis am Alpenostrand

Flughafen Wien am Dienstagmorgen: Wegen massiver Eisglätte geschlossen

Das habe ich in dem Ausmaß in über sechs Jahren am Wiener Flughafen noch nicht erlebt. In der Nacht von Montag, 12. Jänner auf Dienstag, 13. Jänner 2026 regnete es mehrere Stunden leicht bis mäßig, teilweise mit Raten bis 4,5mm/h auf den Pistenschwellen, bei Minusgraden auf gefrorene Böden. Der Winterdienst kam mit dem Räumen nicht mehr nach und so musste der Flugbetrieb noch in der Nacht völlig eingestellt werden (Meldung Austrian Wings). Erst um 11 Uhr wurde die 16/34 Piste freigegeben, doch damit war man weit entfernt von einer Normalisierung. Die Flugzeuge mussten erst aufwendig enteist werden.

Die Situation war aus einem anderen Grund lebensgefährlich am Flughafen: Von den hohen Gebäuden, inklusive Flugsicherungstower, lösten sich mit einsetzendem Tauwetter immer wieder größere Eisplatten und Eisbrocken, die Passanten auf den Gehwegen und vorbeifahrende Autos gefährdeten.

Wer nun hinterher behauptet, da hätte man so nicht kommen sehen, wird eines besseren belehrt: Das Ereignis zeichnete sich schon seit mindestens drei bis vier Tagen ab. Insbesondere Lokalmodelle rechneten korrekterweise anhaltenden Frost im östlichen Flachland und damit ideale Bedingungen für gefrierenden Regen.

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Das unvorhersehbare Wetterphänomen

Wetterereignis legte Staßenbahnen lahm

Nichts ging mehr Dienstagfrüh bei einigen Straßenbahnlinien in Graz. Durch ein unvorhersehbares Wettereignis sei es zu vereisten Oberleitungen gekommen, heißt es seitens der Holding Graz. Verspätungen bei den Linien 1, 4 und 6 waren die Folge.

Ein unvorhersehbares Wetterphänomen sei daran Schuld gewesen, sagt der Sprecher der Holding Graz, Gerald Zaczek-Pichler: „Gestern Abend gab es noch Regen bei Plusgraden. In den frühen Morgenstunden, um vier halb fünf hat es angezogen, die Oberleitungen sind gefroren, dann haben wir dieses Problem gehabt. Normalerweise ist es kein Problem, weil wir da vorsorgen im Winter – aber diesmal ist alles zusammengekommen.“

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„Im Winter, also wenn es schneit bei Plusgraden oder knapp über Null und dann in der Nacht gefriert – wir wissen das meteorologisch – dann fahren wir mit Fahrzeugen durch, dass die Oberleitungen nicht gefrieren und dann haben wir dieses Problem nicht oder sehr selten“, so Zaczek-Pichler – die letzte Nacht sei wettertechnisch also eine Ausnahmesituation gewesen.

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Quelle: https://steiermark.orf.at/stories/3025525/

Die Begründung für die Ausfälle muss selbst dem, der die Aussage hier tätigt, hohl vorkommen. Es hat abends durch das vorbeistreifende Adriatief geregnet, nach Mitternacht klarte der Himmel auf, die Temperatur sank in den Frostbereich. Das ist identisch mit Schneefall bei Plusgraden, wenn der feste Niederschlag logischerweise nicht liegenbleibt, sondern schmilzt und später anfriert. Mehr fällt mir dazu ehrlich gesagt gar nicht ein.

Begriffswirrwarr um die Glatteisbildung

Teile Mitteleuropas werden derzeit von Glatteisbildung heimgesucht, wie sie sowohl im Ausmaß als auch in der Mächtigkeit nur alle paar Jahrzehnte vorkommt. In Slowenien sind teilweise bis zu 40 Liter pro Quadratmeter als gefrierender Regen gefallen, auch in Ungarn, im Norden Kroatiens, in Unterkärnten, in der südlichen Steiermark, in weiten Teilen des Burgenlands bis nach Niederösterreich gab es millimeter- bis zentimeterdicke Eisschichten auf den Straßen, auf Autos und in den Wäldern. Umgestürzte Bäume sind die Folge, auch Oberleitungen stürzen aufgrund der Eislast zusammen. Andauernde Stromausfälle, fehlende Heizung und ein zusammenbrechender Verkehr machen den Menschen zu schaffen.

So weit so schlecht. Ein Begriffswirrwarr existiert dann, wenn es darum geht, was da eigentlich vom Himmel fällt, und was da am Boden friert. Darum ein paar Begriffsdefinitionen:

Meteorologen nennen es Glatteis, die Boulevardmedien hingegen Blitzeis. Letzterer Begriff soll wohl suggerieren, dass Eisbildung unerwartet auftritt. Das ist aber nicht immer Fall, in Fällen wie derzeit ließ sich die Glatteisbildung sogar sehr gut prognostizieren, da die Frostschicht am Boden sehr ausgeprägt war, ebenso die Warmluftnase in der Höhe.

Eisregen ist ein missverständliches Synonym für gefrierenden Regen, da nicht Eis vom Himmel regnet, sondern sich erst am Boden bildet.

Glatteis tritt in Erscheinung als …

gefrierende Nässe, wenn

  • unterkühlte Wolkentropfen einer Nebelschicht auf gefrorenem Boden zu Eis gefrieren.
  • Reif, Schnee durch Wind und steigende Temperaturen von den Bäumen fällt, in der Sonne taut und nach Sonnenuntergang wieder gefriert
  • es regnet und nachfolgend die Temperatur wieder in den Frostbereich sinkt 

gefrierender Regen , wenn

  • unterkühlter, flüssiger Niederschlag an Gegenständen festfriert
  • flüssiger Niederschlag auf gefrorenen Boden fällt

Eiskörner entstehen, wenn Schneeflocken in eine wärmere Luftschicht fallen, schmelzen, und wieder in eine mächtige Luftschicht mit Frosttemperaturen fallen. Die Regentropfen gefrieren und erreichen in fester Form den Erdboden.

Meteorologen warnen in der Regel nur vor gefrierendem Regen, da gefrierende Nässe äußerst lokal begrenzt ist und etwas Hausverstand voraussetzt:

Nasser Boden und Frost am Thermometer = Aufpassen, rutschig!

Gefrierendes Nieseln kommt weitaus häufiger und jeden Winter vor, bevorzugt bei Hochnebellagen, wenn unterkühlte Wassertröpfchen auf gefrorenen Boden treffen. Die Glätte hält sich dann jedoch meist in Grenzen, wenngleich audauerndes Nieseln die Glatteisbildung natürlich verschärfen kann. Für Meteorologen ist dieses Phänomen besonders schwierig zu prognostizieren, da sich selten messbare Mengen akkumulieren.

Gefrierender Regen ist kurzzeitig möglich, wenn eine Kaltfront Kaltluftseen ausräumt und durch wärmere Luft in der Höhe ersetzt. In nicht ausgeräumten Kaltluftseen kann es kurzzeitig zu Glatteisbildung kommen, ehe der Wind auffrischt und die Temperatur ins Plus steigt. Da sich Kaltluftseen nur lokal halten, ist auch dies für Meteorologen eine Herausforderung beim Prognostizieren.

Der seltenste, aber zugleich gefährlichste Fall ist Glatteisbildung bei Warmfronten. Denn bodennah führt die Strömung stetig Frostluft nach, während die Warmluft in der Höhe immer mächtiger wird. Messbarer Niederschlag ist die Folge, der sich zu signifikanten Mengen akkumulieren kann – so wie derzeit südlich und südöstlich der Alpen.

Die Skizze fasst die Phänomene Schneefall, Eiskörner und gefrierenden Regen zusammen, eingezeichnet ist jeweils der Temperaturverlauf mit der Höhe und die Nullgradgrenze.

glatteis

  1. Bei Schnee liegt die Temperatur mit der Höhe immer im negativen Bereich (Messungen zeigen, dass Schneefall bei bis zu +2 Grad in 1500 m möglich ist, wenn die Niederschlagsintensität passt).
  2. Bei Eiskörnern ist eine dünne positive Schicht vorhanden.
  3. Bei gefrierendem Regen ist die positive Schicht mächtiger.

Ausblick:

Mit fortschreitender Jahreszeit reduziert sich die Glättegefahr sukzessive, denn durch den steigenden Sonnenstand trifft mehr Globalstrahlung auf den Erdboden. Sie setzt sich aus direkter Sonneneinstrahlung (bei wolkenlosem Himmel) und diffuser Himmelsstrahlung (bei bedecktem Himmel) zusammen. Derzeit aber sind die Eisschichten am Boden noch zu dick, entsprechend wird es noch etwas dauern, bis sich tagsüber eine deutliche Entspannung bemerkbar macht.

Nachtrag, 5.2.14 – In den „7 Sachen, die Sie über Blitzeis eventuell nicht wussten“ verwendet der Falter (Ausgabe 6/14, nach diesem Blogeintrag erschienen!) prompt das Unwort Blitzeis. Sonst gibt es aber – im Gegensatz zu den „7 Sachen über Schnee“ – nichts zu bemängeln. Dass ein „besonders kalter Boden“ ein gefrorener Boden ist, versteht sich hoffentlich von selbst.