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Selbsthilfe und Hobby auf mehreren Blogs verteilt.

24.06.21 Superzelle bei Wien, Tornado in Tschechien: Produkte des Klimawandels?

LP-Superzelle mit Wall Cloud, Hagelfallstreifen und ausgeprägten Cumulonimbus incus mammatus über dem Wiener Becken am 24. Juni 2021 (eigenes Bild)

Am 24. Juni 2021 ereignete sich ein folgenschwerer Tornado in Südmähren, der zwischen Valtice und Hodonin mindestens 28km Strecke zurücklegte, mehrere Ortschaften und über 2000 Häuser teilweise zerstörte, Autos umherwirbelte, Strommasten abknickte und über 200 Menschen verletzte. Bisher wurden 5 Todesopfer berichtet (Stand, 26.06., 14.00 lct). Damit handelt es sich um das tödlichste Tornadoereignis in Europa seit dem 11. Juni 2011 in Brusilov. Gegenwärtig die Intensität des Tornados aufgrund der Schadensmuster auf F3-T7 geschätzt, wobei ich aufgrund der völligen Entrindung einzelner Bäume eher zu F4-T8 tendiere. (laufend aktualisierter tschechischer Wikipedia-Eintrag).

Update, 02.07.21: Laut der tschechischen Fallstudie wird der Tornado als F4 klassifiziert.

Teilweise entrindete dünne Baumstämme deuten mindestens auf obere F3-Intensität hin, Quelle: https://orf.at/stories/3218763/

Bei mir wurden sofort Erinnerungen an die schwere Gewitterlage am 3. August 2008 in Frankreich wach. Auch damals trat der F4-T8-Tornado erst in den späten Abendstunden auf, die Schadensspur bei Hautmont war 20km lang und teilweise 650m breit. Über 1500 Häuser wurden beschädigt, 3 Menschen verloren ihr Leben. Bereits am 24. Juni 1967 gab es in derselben Region zwei vergleichbar schwere Tornados. Seit dem 18. Jahrhundert wurden in der Nord-Pas-de-Calais-Region 34 Tornados beobachtet, davon waren fünf verheerend mit F4-5-Intensität. (Quelle)

Der letzte vergleichbar starke Tornado in Österreich trat am 10. Juli 1916 in Wiener Neustadt auf. Der F4-T8-Tornado (einzelne Bilder weisen auf F5 hin) zerstörte mehr als 100 Gebäude, über 300 Menschen wurden verletzt, 32 starben. In den österreichischen Tageszeitungen liest man – offenbar aufgrund einer APA-Meldung – die falsche Angabe, dass der Neustädter Tornado nur 300 km/h erreichte und F4-5 in Österreich noch nie beobachtet worden wäre. (siehe Abschlussbericht 2013)

In Wien gab es den letzten Tornado am 15. Juli 2017 nahe Schwechater Flughafen. Er erreichte F1-T3 und legte in 15 Minuten rund 3km Strecke zurück (Video). Stärker war der F2-T4-Tornado am 21. Juli 2016 in Karlstein, Waldviertel.

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Hagel physikalisch nicht erklärbar?

Am Freitag, 11. Juni 2021, gab es im Mühlviertel (Oberösterreich) im Bezirk Freistadt schwere Schäden durch Starkregen mit Überflutungen und Hangrutschen sowie durch massiven Hagelschlag. Im ORF-Bericht (abgerufen am 16.06.21) heißt es dabei:

Interessant war, dass es am Freitagnachmittag gar keine warmen Temperaturen gegeben hat, trotzdem ist aber so viel Hagel entstanden. Das ist zwar physikalisch nicht ganz erklärbar, aber, so wie das Wetter verrückt spielt, ist anscheinend alles möglich.

Landesleiter der Hagelversicherung, Wolfgang Winkler

Hoffentlich nur wieder einmal ein Fall eines verkürzten und missverständlich ausgedrückten Zitats.

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Welcher Wirbelsturm?

Russland: Zehntausende nach Wirbelsturm ohne Strom

Nach einem eisigen und schneereichen Wirbelsturm sind knapp 60.000 Menschen in der russischen Region Primorje am Pazifik ohne Strom. Mehr als 19.000 Menschen seien außerdem rund eine Woche nach dem Unwetter weiter ohne Heizung, teilte das russische Energieministerium heute mit – bei minus zwei Grad Außentemperatur etwa in der Großstadt Wladiwostok.

orf.at am 24. November 2020

Ein Wirbelsturm reicht von Tropensturm (Zyklon, Hurrikan) bis Tornado, aber ein schneereicher Wirbelsturm? Das hat mich stutzig gemacht. Also hab ich in die Archivkarten der Wettermodelle geschaut und das einzige kräftige Tief, das die Region gestreift hat, war vergangenen Donnerstag:

Luftmasse und Bodendruck, Donnerstag, 19. November, 12 UTC

Es handelt sich aber keineswegs um einen Wirbelsturm, sondern um ein flaches Tiefdruckgebiet mit langgestrecktem Kern um 1000 hPa. Es bildete sich entlang einer markanten Luftmassengrenze zwischen kontinentaler Kaltluft über Russland und subtropischer Warmluft über dem Ozean und Japan, mit anderen Worten um ein stinknormales Tiefdruckgebiet an der Frontalzone.

Niederschlagsprognose GFS, Donnerstag, 19.11.20, 06-12 UTC

Die Niederschlagsprognose bis Donnerstag, 12 UTC (etwa 21 Uhr Ortszeit in Primorje) zeigt eine langgestreckte Kaltfront und intensive Niederschläge im Okklusions- und Warmfrontbereich. Die Okklusion hat hier bereits den Nordosten von China (Provinz Heilongjiang) erfasst, die Warmfront liegt über Primorje.

Infrarotes Satellitenbild mit Wolkenobergrenzentemperaturen, Donnerstag, 19.11.20, 17.50 UTC

Das Satellitenbild zeigt das Bodentief über dem Pazifik und ein breites Wolkenband im Küstenbereich zwischen Japan und Russland. Die Okklusion wechselt über Russland von warm auf kalt, von stratiform (Dauerniederschlag) zu konvektiv (wechslende Intensitäten, kräftige Schneeschauer). Teile der betroffenen Region in Russland erfuhren sowohl kräftige Schneeschauer als auch anhaltende Niederschläge und aufgrund des bodennahen Druckunterschieds verbunden mit kräftigen Nord- und Westwinden. Diese Kombination kann durchaus die Gestalt eines Blizzards, eines Schneesturms, angenommen haben. Das ist allerdings auf eine ganz andere Entstehung als ein tropischer Wirbelsturm zurückzuführen.

Wetterballonaufstieg im Süden der Region

Radiosondenaufstieg von Vladivostok, 19. November 00 UTC

Die vertikale Schichtung zeigt einen lehrbuchhaften Aufstieg für gefrierenden Niederschlag, mit knappen Minusgraden am Boden und einer breiten positiven Schicht (bis plus fünf Grad) ab etwa 1300m Höhe. Das führte zu enormen Schäden und einen Zusammenbruch der Stromversorgung.

Der unerwartete Föhnsturm: Verhinderbares Unglück

Der vergangene Samstag, 03. Oktober 2020, ging in die Geschichtsbücher ein. An mehreren Bergstationen wurden neue Oktober-Windrekorde aufgestellt, in den Niederungen von Österreich war es noch nie so warm, weder tags noch in der Vornacht. Im Piemont ergossen sich enorme Regenmengen, die zu apokalyptischen Verhältnissen in vielen Tälern mit mehreren Todesopfern führten. Über 100 Häuser haben die Wassermassen zerstört. Auch in den Seealpen gab es Regenmengen von fast 600 l/qm in nur 12 Stunden, das entspricht dem Jahresdurchschnitt von Wien. Trotz der katastrophalen Auswirkungen war das Regen- und Sturmereignis sehr gut vorhergesagt. Schon eine knappe Woche im Voraus hat sich ein außergewöhnliches Sturmereignis abgezeichnet. In Höhen um 1500m wurde am Alpenostrand beständig ein Mittelwind um 60kt (ca. 110 km/h) gerechnet. In Göstling an der Ybbs in Niederösterreich gab es dennoch ein tragisches Unglück, als ein vierjähriges Kind im Mendlingtal von einem umstürzenden Baum erschlagen wurde. Kam der Wind überraschend? Das möchte ich nachfolgend beleuchten.

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Heißes Sibirien und kaltes Mitteleuropa: Warum?

glut

Die dramatische Erwärmung wird sich in den Alpen fortsetzen – daran ändert ein durchschnittlicher Sommer nichts.

Die vergangenen Jahre fielen weltweit rekordwarm aus. Höchstwerte bis 20 Grad gab es bis in den Dezember hinein. Immer häufiger fällt der Dezember als Wintermonat aus, was Neuschnee und Frost betrifft. Das Frühjahr 2020 war mild und extrem trocken. März und April zeigten sich im Lockdown von der sonnigen Seite. Keiner kann sich herausreden, davon nichts mitbekommen zu haben. Der Lockdown betraf alle. Erst seit etwa Mitte Mai hat das durchwachsene mäßig warme Wetter eingesetzt, das voraussichtlich bis mindestens Ende Juli anhalten wird. Immer wieder Kaltlufteinbrüche, häufig Regen, etwas seltener heftige Gewitter, die Nächte oft frisch unter 20 Grad. In Wien waren es heuer bisher magere 6 Tage über 30°C, im Vorjahr waren es 42 (Hohe Warte), im Mittel (1981-2010) sind es 15. Dazu kommen Nächte wie vom 11. auf den 12. und vom 12. auf den 13.7., als die Tiefstwerte verbreitet unter 10°C fielen. In Summe fühlt sich der Sommer für das 21. Jahrhundert eher unterkühlt an, fürs 20. Jahrhundert läge er noch im Schnitt.

Gleichzeitig fallen in Sibirien Hitzerekorde, insbesondere im Polarkreis nördlich des 66. Breitengrades wurden im Juni und Juli tagelang Höchstwerte über 30°C gemessen.

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