Aufziehender Nebel am Samstag, 31.01.2026, 04.30 Uhr MEZ (foto-webcam.eu)
In der Nacht von Freitag auf Samstag, 31. Jänner 2026, fiel in Innsbruck innerhalb einer Stunde anfangs dichter Nebel ein, der bald anhob und in tiefbasigen Stratus (Hochnebel) überging. Das war in den Wettermodellen schlecht zu sehen, zumal bis zur Ankunft vom Nebel stetiger Talauswind wehte. Begünstigt wurde der Nebel vom Oberland aber von einer gealterten Okklusionsfront, die am Vorabend dort leichte Niederschläge brachte. Hinzu kam leichtes Tauwetter in den Niederungen.
Im Folgenden eine kleine Fallstudie zur Nebelentstehung, -advektion und -auflösung.
Gesamt-Niederschlagsmengen vom 18-21. Jänner 2026 (Quelle: facebook.com)
Zahlreiche Medien bezeichnen den schweren Wintersturm im Mittelmeer irreführend als Zyklon. Dazu werden weitere Vergleiche mit tropischen Wirbelstürmen gezogen:
„Bilder, die wir sonst aus der Karibik kennen, gibt es erstmals vom italienischen Mittelmeer“ (TAZ, 25.1.26)
„Mit Merkmalen eines Zyklons bzw. Medicanes wütete Wintersturm Harry in weiten Teilen Süditaliens und hat insbesondere entlang der Ostküste Siziliens eine Spur der Verwüstung hinterlassen“ (vulkan.net, 21.1.26)
Dazu folgende Anmerkungen:
Eine sogenannte Zyklone ist ein normales Tiefdruckgebiet der gemäßigten Breiten.
Ein Zyklon ist ein tropischer Wirbelsturm im Indischen Ozean.
Ein Medicane (Mediterranean Hurricane) ist ein Tropischer Wirbelsturm im Mittelmeer (mehr Infos).
Schäden wie auf Sizilien gab es schon bei früheren Winterstürmen im Mittelmeer und nicht erstmals.
Der Begriff Zyklon ist hier vermutlich ein Übersetzungsfehler, nachdem in Italien von einer Ciclone gesprochen wird. Ein echtes Beispiel für einen Medicane über Sizilien wäre etwa der 8. November 2014 (siehe Radarbild) oder der 10. Februar 2023 (siehe Satellitenbild).
Flughafen Wien am Dienstagmorgen: Wegen massiver Eisglätte geschlossen
Das habe ich in dem Ausmaß in über sechs Jahren am Wiener Flughafen noch nicht erlebt. In der Nacht von Montag, 12. Jänner auf Dienstag, 13. Jänner 2026 regnete es mehrere Stunden leicht bis mäßig, teilweise mit Raten bis 4,5mm/h auf den Pistenschwellen, bei Minusgraden auf gefrorene Böden. Der Winterdienst kam mit dem Räumen nicht mehr nach und so musste der Flugbetrieb noch in der Nacht völlig eingestellt werden (Meldung Austrian Wings). Erst um 11 Uhr wurde die 16/34 Piste freigegeben, doch damit war man weit entfernt von einer Normalisierung. Die Flugzeuge mussten erst aufwendig enteist werden.
Die Situation war aus einem anderen Grund lebensgefährlich am Flughafen: Von den hohen Gebäuden, inklusive Flugsicherungstower, lösten sich mit einsetzendem Tauwetter immer wieder größere Eisplatten und Eisbrocken, die Passanten auf den Gehwegen und vorbeifahrende Autos gefährdeten.
Wer nun hinterher behauptet, da hätte man so nicht kommen sehen, wird eines besseren belehrt: Das Ereignis zeichnete sich schon seit mindestens drei bis vier Tagen ab. Insbesondere Lokalmodelle rechneten korrekterweise anhaltenden Frost im östlichen Flachland und damit ideale Bedingungen für gefrierenden Regen.
Webcam am Masenberg (Pöllautal, Joglland) am 21. November 2025
„Wann der Winter eintritt – und ob dieser ein strenger wird – darauf kann Christine Dornhofer einen kleinen Hinweis geben: Sie ist aus ausgebildete Natur- und Landschaftsvermittlerin im Naturpark Pöllauer Tal und wagt im November mithilfe von Waldameisen eine Winterprognose.„
„Die Ameisenhaufen sind heuer eher rund, da ist eher ein milder Winter zu erwarten. Wenn der Ameisenhaufen spitz ist, dann wird der Winter eher streng mit viel Schnee.“
Dornhofer nutzt aber nicht nur die Ameisen für ihre Prognose, sondern auch das Laub auf den Bäumen: „Gefärbt hat es sich, aber es hängt noch auf den Bäumen. Also ich würd’ sagen, der Winter lässt sich schon noch Zeit, wenn er überhaupt kommt“, so die ausgebildete Natur- und Landschaftsvermittlerin und Ameisen-Expertin. Übrigens: Dornhofers langjährige Trefferquote liegt bei 80 Prozent.
In der Nacht auf den 19. November kam der Frost, dann der Schnee (in höheren Lagen) und in der Nacht auf den 23. November teils mäßiger Frost. Die Modelle zeigen für Dienstag, 25.11., den nächsten Schnee, auch im Joglland.
Nein, Ameisen können den Winter nicht vorhersagen. Die Architektur der Ameisenhaufen hängt u.a. von der Ameisenart und den verwendeten Baumaterialen ab, auch das Alter der Nester und die aktuelle Umgebungstemperatur sowie Ausrichtung zum Sonnenstand spielen eine Rolle (Vogt et al. 2008, Sankovitz and Purcell 2021). Dasselbe trifft auf die Vegetation (Laubbestand) zu. Bäume werfen ihre Blätter früher ab, wenn es lange Zeit zu trocken ist, und später, wenn es länger frostfrei bleibt. Die Windverhältnisse beeinflussen natürlich ebenso, wie rasch die Bäume ihr Herbstlaub abwerfen. Auch das sind Reaktionen auf das aktuelle Wetter, nicht auf das künftige Wetter. Sonst wäre Schneebruch wie bei manchen frühen Wintereinbrüchen im Herbst kein Thema.
OMV produziert Wasserdampf, der sich seitlich an der Inversion ausbreitet, flache gefrierende Nebelschwaden entlang der Donau
Die erste Frostnacht im Wiener Becken diesen Herbst, verbreitet leichter Frost von -2 bis -4°C. In den hügeligen und gebirgigen Regionen mäßiger Frost mit -5 bis -8°C. Möglich gemacht hat es die trockene Luftmasse nach der markanten Kaltfrontpassage am Montag, nachdem der lebhafte Westwind am Dienstag eingeschlafen ist.
Dadurch hat sich in der letzten Nacht eine Bodeninversion gebildet, laut Radiosondenaufstiegen von startenden/landenden Flugzeugen in Wien in 1700-2000ft amsl Höhe (umgerechnet ca. 500-600m Höhe). Daher breitet sich der Wasserdampf nach kurzem senkrechten Aufstiegen dann horizontal aus. Nebelschwaden waren sonst entlang der Donauauen zu finden, sowie einzelne Stratusfetzen im Südosten von Wien Richtung Leithagebüsch.
Wenn wir kurz zurückschauen:
Am Montag querte eine verwellende Kaltfront den Alpenraum und es regnete verbreitet mehrere Stunden lang kräftig. Entlang der Nördlichen Kalkalpen sowie von Osttirol über den Pongau und ostwärts und allgemein südlich der Donau fielen verbreitet 15 bis 25mm Niederschlag am Montagvormittag. Vor der Front entstanden über Italien und Kroatien vorlaufende Gewitter. Die Bodenkaltluft erfasste erst am späten Nachmittag die Nordalpen, als der Niederschlag bis auf wenige Schauer im Nordstau schon aufgehört hatte.
EUMETSAT Cloud Phase am Montag, 17. November 2025, 11 Uhr MEZ
Spannend schaut es auch die nächsten Tage aus, wenn in Verbindung mit einer Austrogung über Italien immer wieder Vb-artige Bodentiefs nordostwärts ziehen.
ICON 00z-Lauf vom 19. November 2025, gültig für Samstag, 22. November, 12z (500hPa Geopotential und Temperatur; Bodendruck)
Die Unsicherheiten sind wie immer bei so einer Wetterlage groß:
EZMWF Ensemble vom Dienstag, 18.11., 12z – Wahrscheinlichkeiten für Niederschlagstyp bis Dienstag, 25.11., gültig für Wien (Quelle)
Am Dienstag rechnete das europäische EZMWF noch einen markanten Wintereinbruch von Fr-So im Osten/Südosten von Österreich. Davon ist heute im Hauptlauf nichts mehr übrig. Das amerikanische GFS rechnet seit Tagen am wenigsten und das deutsche Globalmodell ICON hat zumindest am Samstag ein Winterintermezzo im Wiener Becken im Programm. Auch nächste Woche rechnen alle Wettermodelle eine Fortsetzung der Troglage. Relativ sicher ist aber der Südstau und (viel) Neuschnee für die Südalpen, sowie die Beständigkeit der bodennahen Kaltluft im Alpenraum – das heißt, eine winterliche zweite Novemberhälfte zeichnet sich ab. Daran würde auch eine neuerliche Südwestströmung im Anschluss wenig ändern (Inversionslage). Zeit, die Ski zu wachsen und die Schneeschuhe aus dem Keller zu holen.