Archiv der Kategorie: Allgemein

Welcher Wirbelsturm?

Russland: Zehntausende nach Wirbelsturm ohne Strom

Nach einem eisigen und schneereichen Wirbelsturm sind knapp 60.000 Menschen in der russischen Region Primorje am Pazifik ohne Strom. Mehr als 19.000 Menschen seien außerdem rund eine Woche nach dem Unwetter weiter ohne Heizung, teilte das russische Energieministerium heute mit – bei minus zwei Grad Außentemperatur etwa in der Großstadt Wladiwostok.

orf.at am 24. November 2020

Ein Wirbelsturm reicht von Tropensturm (Zyklon, Hurrikan) bis Tornado, aber ein schneereicher Wirbelsturm? Das hat mich stutzig gemacht. Also hab ich in die Archivkarten der Wettermodelle geschaut und das einzige kräftige Tief, das die Region gestreift hat, war vergangenen Donnerstag:

Luftmasse und Bodendruck, Donnerstag, 19. November, 12 UTC

Es handelt sich aber keineswegs um einen Wirbelsturm, sondern um ein flaches Tiefdruckgebiet mit langgestrecktem Kern um 1000 hPa. Es bildete sich entlang einer markanten Luftmassengrenze zwischen kontinentaler Kaltluft über Russland und subtropischer Warmluft über dem Ozean und Japan, mit anderen Worten um ein stinknormales Tiefdruckgebiet an der Frontalzone.

Niederschlagsprognose GFS, Donnerstag, 19.11.20, 06-12 UTC

Die Niederschlagsprognose bis Donnerstag, 12 UTC (etwa 21 Uhr Ortszeit in Primorje) zeigt eine langgestreckte Kaltfront und intensive Niederschläge im Okklusions- und Warmfrontbereich. Die Okklusion hat hier bereits den Nordosten von China (Provinz Heilongjiang) erfasst, die Warmfront liegt über Primorje.

Infrarotes Satellitenbild mit Wolkenobergrenzentemperaturen, Donnerstag, 19.11.20, 17.50 UTC

Das Satellitenbild zeigt das Bodentief über dem Pazifik und ein breites Wolkenband im Küstenbereich zwischen Japan und Russland. Die Okklusion wechselt über Russland von warm auf kalt, von stratiform (Dauerniederschlag) zu konvektiv (wechslende Intensitäten, kräftige Schneeschauer). Teile der betroffenen Region in Russland erfuhren sowohl kräftige Schneeschauer als auch anhaltende Niederschläge und aufgrund des bodennahen Druckunterschieds verbunden mit kräftigen Nord- und Westwinden. Diese Kombination kann durchaus die Gestalt eines Blizzards, eines Schneesturms, angenommen haben. Das ist allerdings auf eine ganz andere Entstehung als ein tropischer Wirbelsturm zurückzuführen.

Wetterballonaufstieg im Süden der Region

Radiosondenaufstieg von Vladivostok, 19. November 00 UTC

Die vertikale Schichtung zeigt einen lehrbuchhaften Aufstieg für gefrierenden Niederschlag, mit knappen Minusgraden am Boden und einer breiten positiven Schicht (bis plus fünf Grad) ab etwa 1300m Höhe. Das führte zu enormen Schäden und einen Zusammenbruch der Stromversorgung.

Blitzschlag: Vermeidbare Todesfälle am Berg

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Gewitterwolke (Symbolbild)

Am vergangenen Sonntag kam es zu einem Todesfall während eines Gewitters am Semmering, Nähe Sonnwendstein (1523m) gegen 15.30 MESZ.

Bereits am Vortag hatte es in der Region heftige Gewitter mit Überschwemmungen gegeben. Gewitter waren seit Tagen für die Region vorhergesagt. Überhaupt zählt das Gebiet zwischen Schneeberg, Wechsel und Fischbacher Alpen zu den gewitterreichsten von Österreich.

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ORF: Kraut und Rüben

Vorab: Ich schätze den zitierten Meteorologen Pistotnik als einer der kompetentesten Meteorologen von Österreich ein und bin daher überzeugt, dass seine Erläuterungen hier zum Teil in einem irreführenden Kontext eingeflochten wurden. Die Botschaft vom ORF verfolgt derzeit ein klares Ziel: Es gibt kein normales Wetter mehr, sondern nur noch Unwetter und heftige Unwetter. Und die Ursache ist immer der Klimawandel. Aber ganz so ein einfach ist es nicht, denn Wetter ist ungleich Klima, das gilt selbst in Zeiten der Klimaerwärmung. Niederschlag ist per se der Parameter mit der höchsten Variabilität und am schwierigsten flächendeckend zu messen mit einer Vielzahl von Einschränkungen. Starkniederschlag, der von konvektiven Wolken (Schauer, Gewitter) verursacht wird, macht eine statistische Aussage noch schwieriger. Für die Gewitterentstehung ist die relative Luftfeuchte nur eine Zutat, es braucht zusätzlich eine instabile Atmosphäre sowie Hebungsantrieb, damit konvektive Wolken soweit aufsteigen können, dass sie die Eisphase erreichen.

In dem ORF-Artikel über die zunehmenden Unwetter durch den Klimawandel gerät leider einiges durcheinander, was ich im Folgenden klarstellen möchte:

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In der Kürze liegt nicht immer die Würze

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Kräftiges Gewitter im Steinfeld am 03. Juni 2020

Die Pandemie ist selbstverständlich nicht vorüber – in vielen Ländern, wo die Schulen wieder geöffnet wurden, steigen die Infektionszahlen wieder. Ebenso gibt es erwartbare Wiederanstiege durch deutliche Lockerungen, etwa mit Gottesdiensten oder Restaurantöffnungen. Die wirtschaftlichen Folgen werden uns noch monate-, eher jahrelang beschäftigen, bevor man überhaupt von einem Ende der Pandemie sprechen kann. Am auffälligsten während dem Lockdown in Mitteleuropa war die anhaltende Trockenheit. Etliche Tage zu Zeiten der Ausgangsbeschränkungen waren sonnig und trocken. Das gesamte Quartal 2020 fiel deutlich zu trocken und zu warm aus. Die Böden staubten Anfang Mai wie sonst am Ende eines trockenen Hitzesommers, viele kleineren Bäche und Flüsse führten Niedrigwasser oder waren sogar ganz ausgetrocknet. Der Neusiedler See hatte den niedrigsten Wasserstand in einem Mai seit Aufzeichnungsbeginn 1965. Im Mai selbst änderte sich die Großwetterlage zu der Konstellation, wie sie jetzt Anfang Juni in wesentlichen Zügen immer noch vorherrscht, mit einem umfangreichen Trog über Mitteleuropa, flankiert von hohem Luftdruck über Westeuropa und Nord- bzw. Osteuropa. Mit durchschnittlich 266 Stunden war der Mai in Großbritannien der sonnigste seit Aufzeichnungsbeginn. In Sibirien war der Mai durchschnittlich zehn Grad wärmer als im Mittel 1981-2010. Im Norden Skandinaviens war das Tauwetter ungewöhnlich heftig, was zu verheerenden Erdrutschen und Hochwasser führte. Bemerkenswert auch die +20,6°C in Lappland bei einer Schneehöhe von 26cm, es gab zwar schon höhere Höchstwerte bei jeglicher Schneelage, aber noch nie bei so viel Schnee. Global gesehen war der Mai noch nie so warm seit Beginn der Aufzeichnungen, darüber kann auch nicht der Fakt hinwegtäuschen, dass er in Österreich letzendlich leicht zu kühl ausfiel, weil wir die meiste Zeit unter Tiefdruckeinfluss standen.

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Wie ungewöhnlich ist der stürmische Hochwinter?

Sturmtief PETRA hat vergangenen Dienstag vor allem über Süddeutschland und Österreich verbreitet für schwere Sturm- und einzelne Orkanböen gesorgt. In Österreich wurden dabei einige Stationsrekorde aufgestellt. In den vergangenen Jahren gb es markante Sturmereignisse vor allem im Oktober (Xavier 05.10.2017, Herwart 23.10.2017) und im Jänner (Burglind 03.01.2018, Friederike 18.01.18). Wenn man weiter zurückblickt, dann ebenfalls im Jänner (Paula 27.01.2008, Kyrill 18.01.2007) bzw. im März (Emma 01.03.2008). Orkan Christian brauste am 28.10.2013 über Norddeutschland, Orkan Xynthia am 28.02.2010 über Süddeutschland und die Alpen mit Föhnorkan. Die Orkanserie im Jahr 1990 fand am 27.02. (Vivian) bzw. in der Nacht auf den 01.03. (Wiebke) statt. Was in der Aufzählung fehlt, sind Stürme Anfang Februar.

Prognose für den 11. Februar 2018, 30 hPa (Stratosphäre)

Im Februar 2018 zeigte sich eine typische Konstellation in der unteren Stratosphäre für den Spätwinter: Der Polarwirbel ist in zwei Teile getrennt, einer über Kanada und einer über Sibirien. Über Nordeuropa hat sich die Stratosphäre deutlich erwärmt und es dominiert Hochdruckeinfluss. Vereinfacht gesagt stützt ein starker Polarwirbel in der Stratosphäre auch einen starken Polarwirbel in der Troposphäre und damit eine positive North Atlantic Oscillation (NAO) mit Westwindwetter über der Nordhalbkugel (Nordatlantik und Europa). Beide Wirbel sind gekoppelt. Erwärmt sich nun die untere Stratosphäre und steigt zudem der Luftdruck, dann werden beide Wirbel entkoppelt, die Zirkulation wird gestört, bricht zusammen oder verkehrt sich gar ins Gegenteil mit kalten Nordostströmungen.

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