Archiv der Kategorie: Allgemein

Lüften bei Hitze: Sinnvoll oder Schas?

Tiefe Quellbewölkung nach dem Unwetter über Wien am 17. August 2024

Dieses Thema ist ähnlich umstritten wie die berüchtigte Zugluft als (keine) Ursache fürs krank werden. Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass die Leser nicht zu den wohlhabenden Menschen mit Eigenheim gehören, die das Problem schlicht nicht haben, weil sie sich eine fest installierte Klimaanlage leisten können. Ich spreche auch nicht all jene an, die sich eine mobile Klimaanlage in die Wohnung stellen, die gewisse Kosten beim Energieverbrauch mit sich bringt und überdies Lärm verursacht.

Doch was ist mit dem Rest? Wenn man eine Wohnung hat, in der man nicht für Abkühlung sorgen kann? In der es über viele (wenige) Wochen immer wärmer wird, weil sich die Glasscheiben und Wände aufheizen, etwa weil es keine Außenjalousien gibt und das Anbringen von spezieller Sonnenschutzfolie aufwendig oder teuer ist, oder wegen der damit einhergehenden Reflexionen erst mit der Hausverwaltung abgesprochen werden muss.

Früher – vor den ganzen Hitzerekorden im Sommer – hätte man dazu geraten, tagsüber Fenster geschlossen zu halten und nachts zu lüften, wenn es kälter ist als drinnen. Jetzt kühlt es aber auch oft nachts nicht mehr ab. Es weht wenig oder gar kein Wind mehr, sodass Querlüften kaum nennenswerte Abkühlung bringt. Manchmal hilft ein Ventilator beim offenen Fenster oder Tür, um die kalte Luft leichter ins Zimmer zu befördern, aber die wenigen Zehntel, die man damit abkühlen kann, sind schnell wieder futsch, sobald man wieder schließt.

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Wirbelhaftiges in Mitteleuropa

Sichtbarer Kanal, 12. August 2024, 10.30 MESZ (Quelle: chmi.cz)

Nach dem dokumentieren Höhenwirbel vom 8. August 2024 gab es am 12. und 13. August zwei weitere kleinräumige, aber stark rotierende Wirbel konvektiven Ursprungs. Wenn ein größeres konvektives System (Gewittercluster) am Ende der Lebenszeit eine Wirbelstruktur annimmt, spricht man von einem Mesoscale Convective Vortex (MCV). MCV sind durchaus gefürchtet, weil am Folgetag in ihrer Nähe langsam ziehende Gewitter mit ausgeprägtem Starkregen entstehen können. Die Entwicklung ist durchaus komplex, hat vor allem viel mit der Freisetzung von latenter Wärme zu tun und Wirbelaufrechterhaltung über einen hochreichenden Bereich hinweg (Davis and Galarneau 2009).

Das Außergewöhnliche an den beiden Wirbeln gestern und heute war nicht nur die verhältnismäßig geringe Ausdehnung, sondern auch die relativ gebremste Intensität der Konvektion. Dennoch überlebte der Wirbel in der Höhe viele Stunden.

Für eine gewohnt ausführliche Fallstudie fehlt mir leider gerade die Zeit, daher die Kurzfassung, vielleicht schaff ich später noch mehr mit Bebilderung.

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„Herr Ober, da ist eine Delle in meinem Keil!“

Ein nur in der Höhe ausgeprägter Tiefdruckwirbel über Mitteleuropa, umgeben von wolkenlosem Himmel unter Hochdruckeinfluss. Über Unterkärnten sorgte das Tief für ein Morgenwitter, Satellitenbildquelle: kachelmannwetter.com

Ein meteorologisches Phänomen, mit dem wir in der Vorhersage öfter zu tun haben, ist der sogenannte Fritzl’sche Dellenkeil (Der Begriff kam von einem Kollegen namens Fritzl). Wenn sich ein Hochdruckgebiet etabliert, dann betrachten wir Meteorologen nicht nur die Wetterentwicklung am Boden, sondern auch in der Höhe, wo die Wetterküche wesentlich stattfindet.

Für stabiles Hochdruckwetter braucht es hohes Geopotential mit warmen, trockenen Luftmassen. Die Atmosphäre wird dann eher hochreichend trocken geschichtet sein, und die Absinkinversion sorgt dann trotz labiler Schichtung für einen gewitterfreien Tag.

Der auf den ersten, oberflächlichen Blick stabile Höhenrücken ist aber häufig mit gewissen Makeln behaftet, in diesem Fall ein trojanischer Trog, der den Keil an der Rückseite (westlich der Keilachse), in der Keilachse oder an der Vorderseite (östlich der Keilachse) eindellt.

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Hagelflieger, Superzellen und Überschwemmungen

Regenfuß über Wien am 3. Juni 2024 mit intensivem Starkregen einer langsam ziehenden Gewitterzelle

In diesem ORF-Artikel wurde einiges durcheinandergeworfen, was kausale Zusammenhänge, wissenschaftliche Fakten und Wunschdenken betrifft.

Die Unwetter-Schäden und Überschwemmungen in der Steiermark sind vorwiegend auf sogenannte Superzellen zurückzuführen, die stundenlang an derselben Stelle abregnen. Diese Superzellen treten immer häufiger auf und sind eine besondere Herausforderung auch für die steirischen Hagelflieger, schildert der Obmann der steirischen Hagelabwehr-Genossenschaft, Josef Mündler: „Es bilden sich momentan innerhalb von kurzer Zeit Gewittertürme, bis zu 17.000 Meter hoch. Die haben keine Zugrichtung, die bleiben stationär stehen.“

Quelle: ORF Steiermark, 18.07.24

Im Durchschnitt werden Gewitterwolken in unseren Breiten 11-12km hoch, bei großen Gewittersystemen (clusterförming, linienförmig) oder besonders heftigen Einzelzellen (Superzellen) wurden auch schon 14km beobachtet.

Gewitterwolken werden in in unseren Breiten maximal 15km hoch. Im Schnitt sind sie rund 10-12km hoch, wobei 12km bereits für heftige Gewitterzellen spricht. Der Rekord hat ein tropisches System auf dem Pazifik am 29. Dezember 2018 mit 20,5km Höhe (das entspricht Flight Level 670) aufgestellt (Proud and Bachmeier 2021). Als am 23. August 2010 in Vivian, South Dakota, ein Superzellengewitter mit 20cm Hagelkorndurchmesser einen neuen Weltrekord aufstellte, betrug die maximale Höhe der Gewitterwolke 17km! Also sorry, Gewitter Tops von FL560 habe ich in Österreich noch nicht beobachtet, geschweige denn über FL500.

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Klettersteig-Tod: Gewitter halten sich selten an vorhergesagte Uhrzeiten

Ein markantes Bodentief über Benelux und im Warmsektor verbreitet schwere Gewitter. Eine langgestreckte Linie mit Orkanböen erstreckte sich von Slowenien bis Polen. Ein zweite Gewitterzone folgte nach einer Pause von den Westalpen bis Mittelfranken nach. Die kühlere Luft ist durch deutlich niedrigere Bewöllung über Westdeutschland und Zentralfrankreich gekennzeichnet (dunkelgelb), Quelle: HD Satellitenbild, Kachelmannwetter.com

Am Freitag, 12. Juli 2024, stürzte in 61jähriger Ungar vor den Augen seines Sohnes vom stark frequentierten Intersport-Klettersteig am Donnerkogel (Gosau am Dachstein) in den Tod. Der Blitz hatte in den Klettersteig eingeschlagen, der Vater hatte sich kurz davor ausgehängt. Bei diesem Unglück sind wieder zahlreiche Fehler in der Planung passiert, wodurch man das tragische Ereignis hätte vermeiden können.

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