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Selbsthilfe und Hobby auf mehreren Blogs verteilt.

FREDERICO, die sterbende Shapiro-Keyser-Zyklone

Sturmtief FREDERICO über dem Ärmelkanal am Donnerstag, 16.11.23, 07 MEZ

Der Durchzug von Sturmtief FREDERICO (Wetterpate: Linus) war wieder einmal von der spannenden Seite, denn die Bedingungen waren lehrbuchhaft für die Entwicklung einer Shapiro-Keyser-Zyklone. Seinen Höhepunkt erreichte das Sturmtief bereits über Frankreich. Es zog dann auf einem Südostkurs knapp nördlich des Alpenbogens ostwärts und sorgte vor allem in der Schweiz und entlang der Bayrischen Alpen für Orkanböen. Unter starker Abschwächung durch die Bodenreibung überquerte es schließlich den Osten von Österreich. Im nachfolgenden Nordstau fielen besonders in den westlichen Landesteilen für Mitte November hohe Neuschneemengen.

Shapiro-Keyser-Zyklonen gab es zuletzt u.a. mit XAVIER (05.10.17), FRIEDERIKE (18.01.18), LESLIE (13.10.18), BIANCA (27.02.20) und POLY (05.07.23). Größere Stürme mit diesen Eigenschaften waren CHRISTIAN (28.10.13) und XYNTHIA (28.02.10). Wann immer ich eine Shapiro-Keyser-Zyklone in den Prognosen oder am Satellitenbild identifiziere, schrillen bei mir die Alarmglocken im Hinblick auf mögliche Sting Jets.

In dieser Fallstudie möchte ich die Entwicklung von FREDERICO skizzieren und auch die Herausforderungen in der Kurzfristprognose.

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„Wärmegewitter“: Eine Entzauberung

Gewitter am 22. August 2012 nahe Wien

Ich hab das sicherlich schon an einer anderen Stelle thematisiert, aber es gibt selten so gute Beispiele wie heute, um aufzuzeigen was ich meinte. Es geht um den vor allem im Funk- und Fernsehen so beliebten Begriff des „Wärmegewitters“ bzw. „Hitzegewitters“. Dieser soll signalisieren, dass die Gewitter sich an einem heißen Sommertag scheinbar zufällig irgendwo materialisieren und entsprechend unberechenbar sind. Sie führen zu den „vom Gewitter überraschten“ Bergsteigern, aber auch bisweilen überraschten Vorhersagern, die sich nicht erklären können, warum es heute am Ort A gewittert hat und nicht in B. Man bezeichnet sie auch gerne als „Luftmassengewitter“, um zu signalisieren, dass sie in einer homogenen Luftmasse entstehen, wohingegen Frontgewitter an eine Luftmassengrenze gebunden sind. Von der US-amerikanischen Gewitter- und Tornadokoryphäe Chuck Doswell habe ich schon vor bald 20 Jahren gelernt, dass diese Gewitter-Einteilung künstlich ist, weil es immer einen äußeren Antrieb für Gewitter gibt. Sie entstehen niemals zufällig. Es gibt immer eine Art Gradient oder Front oder Trog als Antrieb. Wenn man sich Gewitter nicht erklären kann, hat man nicht genau genug nach den Ursachen gesucht.

„An old idea is that thunderstorms are either of the „frontal“ sort, or the „air mass“ sort. This terminology seeks to distinguish between thunderstorms along fronts (zones of strong thermal gradients) from other sorts of thunderstorms. The idea is that fronts provide a lifting mechanism to develop convection, whereas other thunderstorms develop within broad areas of more or less homogeneous characteristics (air masses). It also is often taken to imply that the thunderstorms develop more or less randomly in the „air mass,“ as opposed to the organization provided by the front. I believe that many thunderstorms develop outside of surface frontal zones (i.e., synoptic-scale fronts). Moreover, the development of thunderstorms is never random … they develop in particular places at particular times for reasons that we may not be able to observe and/or understand, but it is absurd to think that thunderstorms develop, in effect, for no reason!“

Chuck Doswell, Pet Peeves (2002), (Seite leider nicht mehr aufrufbar, Zitat aber rechtzeitig gespeichert)

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Kein Alarmismus: Weshalb der Klimaaktivismus Recht hat

Wie in der Pandemie erleben wir auch bei der globalen Erwärmung verbreitetes Leugnen der schwerwiegenden Folgen des Nichteingreifens. Mitunter verwunderlich ist, wenn leidenschaftliche Befürworter einer Pandemieeindämmung dann die Klimaerwärmung verharmlosen. Mittlerweile wird die Erwärmung selbst kaum noch geleugnet, aber die Konsequenzen für die Weltbevölkerung heruntergespielt.

Zuletzt fiel die Aussage, dass durch den Klimawandel auch „mehr Land urbar und besiedelbar“ gemacht würde. Nicht nur ich, sondern viele Klimawissenschaftler fragen sich, wo dieses urbare Land denn liegen soll.

In Zusammenhang mit den Protesten von Fridays4Future, Letzte Generation oder Extinction Rebells reagieren demokratische Staaten immer öfter mit autoritären Maßnahmen, etwa Hausdurchsuchungen, hohen Strafen, Verfassungsschutz oder Mitglieder der Regierungen vergleichen die Protestaktionen mit jenen von Rechtsextremisten. Der Botschafter wird zum Sündenbock gemacht für die eigene Untätigkeit. Statt zu hinterfragen, warum vor allem junge Menschen zu drastischeren Protestaktionen wie „an die Straße kleben“ greifen, werden deren Motive diskreditiert und die Folgen der Klimaerwärmung verharmlost.

Ich möchte nachfolgend ein paar Grafiken von diesem Jahr vorstellen, die belegen, dass die Erderwärmung in einem Ausmaß voranschreitet, das zutiefst beängstigend ist und sofortiges Handeln aller Staaten – und vor allem der Industrienationen – erfordert. Wir reden nicht von temporären Schwankungen im Weltklima, sondern von tiefgreifenden, irreversiblen Veränderungen, die sich durch nichtlineare Rückkopplungseffekte potenzieren.

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Fluten und Hagelmassen: Eine klimatologische Einordnung

Freitag, 04. August 2023, 20 Uhr MESZ – ein klassisches Genuatief sorgt für Starkniederschläge an der Alpensüdseite. In der Höhenkaltluft über Mitteleuropa entstehen gleichzeitig kräftige Gewitter mit intensivem Hagelschlag über der Schwäbischen Alb (Quelle Satbild)

Das Niederschlagsereignis in Kärnten, der Steiermark und in Slowenien hat mehrere Rekorde gebrochen:

48-Std.-Mengen (Donnerstag, 12 Uhr bis Samstag, 12 Uhr):

  • Ferlach: 213mm (alter Rekord 154mm im September 1965)
  • Bad Eisenkappel: 203mm (alter Rekord 156mm im Oktober 1980)
  • Loibl 266mm über dem alten Sommerrekord von 178mm im Juli 2002

Am Loiblpass sind kumuliert über den Sommer 2023 schon 845mm gefallen, die durchschnittliche Summe 1991-2020 beträgt 367mm. In Slowenien ist der Spitzenreiter der Berg Vogel (1922m) südlich vom Triglav in den Julischen Alpen mit 223mm in nur 24 Stunden.

Stand 05. August 2023, 20 Uhr MESZ – 72-Std-Summe (Datenquelle)

Schon am Freitag sind 24-Stunden-Rekorde gefallen, wie 184,6mm am Loibl, die höchste Regenmenge in einem Sommermonat (alter Rekord: 123,6mm), manche Seen wie Ossiacher See und Wörthersee sind so hoch wie seit Messbeginn 1991 im Sommer nicht mehr. In Ferlach gab es mit 133mm in 24h (alter Rekord: 86mm, Juli 1958) ebenso einen neuen Rekord wie in Eisenkappel mit 135mm (alt: 96mm im August 2010) für einen Sommermonat.

Slowenien – 12 Std. Mengen von Donnerstag, 03.08, 20 Uhr auf Freitag, 04.08. 08 Uhr:

Lesce (515m): 128mm

Ljubljana-Brnik (364m): 199mm (bis Samstagfrüh weitere 57mm)

Der intensive Starkregen hat zu verheerenden Überflutungen entlang der Julischen Alpen und Steiner Alpen in Slowenien, sowie in Unterkärnten im Lavanttal sowie in der südlichen Steiermark besonders entlang der Weinstraße geführt. Es gibt bereits mehrere Todesopfer, Straßenverbindungen und Zugstrecken ins Nachbarland sind unterbrochen. Etliche Straßen sind unterspült und müssen saniert werden.

Alleine im Bezirk Südoststeiermark wurden bis 06.08.23 237 Hangrutschungen erfasst, inzwischen gilt der Katastrophenfall, in Kärnten über 80 größere Hangrutsche, in Summe sind es über 400 laut Kleiner Zeitung (08.08.23)

Gleichzeitig, noch am Freitagnachmittag gegen 16.20 Uhr, gab es in Reutlingen auf der Schwäbischen Alb ein schweres Hagelunwetter mit 30-40cm hohen Hagelmassen. Was ist auf die anthropogen verursachte Erwärmung der Erdatmosphäre zurückzuführen und was sind erwartbare Unwetter im klimatologischen Durchschnitt?

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Schwere Gewitter gibt es nicht erst seit der Erderhitzung

LP-Superzelle über dem Wiener Becken am 24. Juni 2021

Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass die rapide zunehmende Erhitzung der Erde für gigantische Hagelschloßen verantwortlich ist. Erst am 19. Juli 2023 wurde in Carmignano di Brenta mit 16cm ein neuer Rekord aufgestellt. Der alte stammte vom 20. Juni 2016 in Sânandrei, Rumänen, mit 15cm Durchmesser. Weltrekord hält noch das Hagelkorn vom 23. Juli 2010 in Vivian, South Dakota, mit 20,3cm Durchmesser. Wie schon bei den Extremwerten der Lufttemperatur in den vergangenen Jahren, die vielerorts nicht um wenige Zehntel, sondern gleich um mehrere Grad überboten werden, sind auch die 19cm von Azzano Decimo am 24. Juli 2023 ein Ereignis von enormer Tragweite für die beunruhigende Veränderung des Erdklimas.

Die beobachteten Extremwerte bei den Meeresoberflächentemperaturen (bis zu sechs Standardabweichungen vom Durchschnitt im Nordatlantik) mit 5 Grad zu warmen Mittelmeer und teilweise über 10 Grad an der kanadischen Ostküste, aber auch das extrem hohe 500 hPa Geopotential über dem Mittelmeerraum und teilweise im Bereich der Azoren fallen in diesen Tagen ins Auge. Ob das schon die Auswirkungen des Zusammenbruchs der AMOC (Atlantic Meridional Overturning Circulation) sind? Dazu ein frischer lesenswerter und gut verständlicher Beitrag von Stefan Rahmstorf, der sich auf eine kürzliche Studie bezieht, die am 25. Juli 2023 veröffentlicht wurde.

Dennoch sollten wir tunlichst vermeiden, Wetter und Klima miteinander zu verwechseln, wenn wir schon den radikalkonservativen Gegner bloßstellen wollen, denn der hat keine tragfähigen Pläne für eine lebenswerte Zukunft (exzellenter Thread). Handwerkliche Fehler in der Argumentation liefern Tür und Tor für den Gegenangriff.

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