Schlagwort-Archive: Hochwasser

Hochwasser und Italientiefs: Fundierte Erklärungen fehlen

Venedig

Der Pegelstand lag mit 187cm nur 7cm unter dem Stand vom 4.11.1966. Insgesamt sind seit Bau des Markusdoms in Venedig nur fünf Hochwässer bekannt, die höher waren, die dritte Flut erreichte vergangenen Freitag nochmals 154cm. Für Acqua Alta muss eine kräftige Südostströmung das Wasser in die Bucht hineindrücken. Der Meeresspiegel steigt vor allem wegen der schmelzenden Polkappen und weil die Ozeane generell wärmer werden. Wärmeres Wasser dehnt sich stärker aus, auch dadurch steigt der Meeresspiegel an. Für den Fall, dass eine kräftige Südostströmung (Scirocco) vorherrscht, fällt das Hochwasser also tendenziell infolge der Klimaerwärmung stärker aus als früher. Nun gibt es aber auch kritische Stimmen, die sagen, dass das Rekordhochwasser in Venedig hausgemacht sei, etwa Petra Reski. Die Lagune wurde für Öltanker und Kreuzfahrtschaffe ausgebaggert, seitdem dringt das Wasser schneller und stärker in Venedig ein. Zudem sinkt Venedig sukzessive ab, weil das Grundwasser abgepumpt wird. Die Hochwasserschleuse MOSE wird seit 13 Jahren gebaut und ist noch nicht fertig, die Schleusentore sind bereits verrottet.

Weiterlesen →

Gewitter am Heiligen Morgen

1

RGB-Satellitenbild von EUMETSAT am 25.12.2018, 04 Uhr MEZ

So mancher Bewohner am Alpennordrand wurde am Morgen des Heiligen Abends unsanft aus dem Schlaf gerissen. Ich hatte das Fenster offen und reagierte eher geistesgegenwärtig, als ich es draußen klappern hörte und sofort hellwach war. Plötzlich tat es einen Knall, ein greller Blitz und lautes Donnergrollen. Dazu schwere Sturmböen und Starkregen wie bei einem sommerlichen Gewitter. Das Gewitter dauerte etwa zwanzig Minuten, der Sturm war nach wenigen Minuten vorbei.  Gegen Ende mischten sich Schneeflocken zum Regen hinzu. Nach Tief VAIA (29/30.10.18) und Sturmtief FABIENNE (23.9.18) war die Kaltfront von Sturmtief TETE das eindrucksvollste Wettereignis der letzten drei Monate. Entlang der Nordalpen führten die Bäche und kleineren Flüsse aufgrund von Starkregen und Schneeschmelze verbreitet ein 1-5jähriges Hochwasser, zudem kam es zu Murenabgängen (Vorarlberg, Allgäu). Weiterlesen →

Studie: Bestimmung von kleinräumigen Starkniederschlägen – eine Einordnung

Im ORF Steiermark (abgerufen am 25.08.2018, übrigens Jahrestag des F2-T4-Tornados in Ellmau, Tirol, vor 6 Jahren) erschien vor kurzem das Ergebnis einer Studie zu kleinräumigen Unwetterereignissen, hier speziell Extremniederschläge.

In einer im Fachjournal „Geophysical Research Letters“ erschienenen Arbeit zeigten sie auf, dass kurzzeitige kleinräumige Extremniederschläge von den üblichen Wetterdienst-Messnetzen, deren Stationen rund zehn Kilometer oder mehr voneinander entfernt sind, nur mangelhaft erfasst werden. […]

Um ein wenig Wind aus den Segeln dieser Neuigkeit zu nehmen: Jeder Meteorologe im operationellen Dienst (sprich, in der Wettervorhersage) weiß, dass kleinräumige Extremniederschläge im Zusammenhang mit Schauern oder Gewittern (Voraussetzung für Starkregen) von der gegenwärtigen Messnetzdichte unzureichend erfasst werden. Dazu drei konkrete Beispiele: Weiterlesen →

Europa sucht den Supercomputer!

Extreme Wetterereignisse wie Stürme, Starkregen oder Hitzewellen langfristig vorhersagen, das soll durch Supercomputer und neue Satelliten in den nächsten zehn Jahren möglich werden. Europas oberste Meteorologin war dieser Tage zu Besuch in Wien, um die neue Strategie zu präsentieren, mit der auch Prognosen für Österreich noch genauer werden sollen.

So lautet der heutige Teaser für den Kurzbeitrag im Ö1-Mittagjournal (gehört am 27. Oktober 2016, 12.00).

Sturmtiefs sollen künftig zehn Tage im Voraus bekannt sein. Hochwasserlagen eine Woche im Voraus. Artikel dazu im Kurier (abgerufen am 27.10.16, 12.45)

Dazu soll die Gitterweite des Vorhersagesystems von derzeit 18 auf fünf Kilometer verkleinert werden

schreibt DerStandard (abgerufen am 27.10.16, 12.49), was unrichtig ist, denn aktuell beträgt die Gitterweite bereits 9 km (davor 16).

Wenn man andere Quellen hinzuzieht, zeigt sich, dass die Pressemitteilung nicht richtig gelesen wurde, denn soll nicht das Vorhersagesystem eine bessere Auflösung erhalten, sondern das Ensemble-Vorhersage-System.

Die weltweite so genannte Ensemble-Prognosen-Auflösung soll dafür um mehr als das Dreifache steigen, mit einer Rastergrößen-Verringerung von derzeit 18 auf 5 km

Denn:

„Derzeit haben wir zwei Mal am Tag 52 verschiedene Vorhersagen, und das gibt uns eine größere Zahl an Wahrscheinlichkeiten, wie sich das Wetter entwickeln wird.“ (DerStandard)

Diese 52 Prognosen entstehen, wenn die Ist-Zustände, die ins Modell einfließen („initial conditions“) geringfügig verändert werden. Bisher wurden sie auch mit einer geringeren Gitterpunktsweite gerechnet, das spart Rechenzeit. Immerhin erscheinen diese Ensemble-Prognosen mit Verzögerung nach dem Erscheinen des Hauptlaufs (ohne Veränderung, aber mit der vollen Modellauflösung), und diese Verzögerung kann im operationellen Betrieb hinderlich sein (Vorhersage-Deadlines, kurzfristige Extrementwicklungen).

Früher galten Modelle mit 12 km Gitterweite als Lokalmodelle, EZMWF fungiert also jetzt bereits als Lokalmodell. Das britische Globalmodell UKMO hatte etwa ein Lokalmodell mit 12 km Gitterweite (NAE), das auf 4 km heruntergeschraubt wurde (Euro4).  Das amerikanische GFS-Modell hat zuvor seine Auflösung von 27 auf 13 km verbessert.

Neben den staatlich entwickelten Wettermodellen, von denen es eine Fülle gibt, sind GFS (vor allem in den USA) und EZWMF (vor allem in Europa) derzeit die führenden Wettermodelle („model guidance“). Im Unterschied zu EZMWF sind die Daten von GFS frei zugänglich und daher für private Wetterdienste mit wenig finanziellem Spielraum lukrativ.

EZMWF hat gegenüber GFS einige Vorteile, wobei die höheren Modellauflösung nicht zwingend dazu gehört. Denn es ist keineswegs so, dass sich die Gitterpunktsweite beliebig verringern lässt, immerhin steigt damit auch die erforderliche Rechenkapazität – und was nützt eine perfekte Vorhersage, wenn sie erst zwei Tage nach dem Eintreten des Ist-Zustands verfügbar ist?

Ob es Grenzen der Vorhersagbarkeit des Wetters gebe, „wissen wir nicht“, sagte Rabier. „Je weiter wir in die Zukunft schauen, desto größere Systeme können wir vorhersagen, vielleicht sogar bis zu einem Jahr“

Interpretation

Was derzeit in den Medien kursiert, ist keine Hexerei! Lokalmodelle und Analysemodelle (wie z.B. VERA oder INCA), die speziell für schwierig prognostizierbares Gelände (Alpen) entwickelt wurden, gibt es schon länger. Die Auflösung der Wettermodelle wird weiter verbessert, von allen Wettermodellen.

Ein paar wichtige Einschränkungen, die auch in den Artikeln durchklingen:

  • Eine Verbesserung der Prognose soll vor allem bei großräumigen Phänomenen wie Hitzewellen, El-Nino oder Hochwasserlagen (wie 2002, 2005, 2013) erreicht werden. Je größer die Systeme, desto leichter sind langfristige Prognosen. Wobei etwa das Alpenhochwasser 2005 damals von GFS von den Regenmengen bereits relativ nahe an der Realität weiter im Voraus erfasst wurde. Seit jeher haben die Modelle jedoch größere Probleme mit sogenannten Vb-Zugbahnen („Adriatief“).
  • Die kleinräumig maximierten Extremniederschläge von Ende Mai bis Mitte Juni 2016 sind dagegen auf ein stationäres Höhentief mit vielen kleinen Nebenwirbeln zurückzuführen, die selbst 1-2 Tage im voraus nur schwer in Intensität und Örtlichkeit vorhergesagt werden können. Weder hier noch bei Gewitterzugbahnen oder gar lokalen Wirbeln wie Tornados sollte man sich große Sprünge in den nächsten Jahren erwarten. Auch lokale Sturzfluten lassen sich höchstens wenige Stunden vorher abschätzen. Im gebirgigen Terrain bleibt dies immer schwieriger als im Flachland.
  • Großräumige Sturmtiefs wie Kyrill (18.1.2007) oder Emma (1.3.2008) waren damals bereits eine Woche im Voraus in Intensität und Zugbahn sehr gut erfasst. In den vergangenen Jahren ist die Frontalzone etwas nach Süden gewandert, wodurch es häufiger zu Shapiro-Keyser-Zyklonen gekommen ist (oben genannte Sturmtiefs sind klassische Norwegerzyklonen). Shapiro-Keyser-Stürme entwickeln manchmal sehr kleinräumige und hochgradig schadensträchtigte Starkwindbänder ohne Niederschlag, sting jets genannt. Spitzenböen bis 190 km/h bei Orkan Christian (28.10.2013) gingen auf einen solchen sting jet zurück. Diese sind wesentlich schwieriger vorherzusagen als die maximalen Windböen bei Norwegerzyklonen, die fast immer in Zusammenhang mit heftigen Schauern oder Gewitterlinien auftreten (ausgenommen Höhenlagen im Warmsektorbereich).
  • Die Automatisierung der Wetterbeobachtung schreitet voran, besonders kritische Übergänge von Regen in Schnee bzw. Regen zu gefrierendem Regen drohen dabei leichter übersehen zu werden, wenn keine händische Überprüfung mehr stattfindet. So hat der Deutsche Wetterdienst in den vergangenen Jahren zahlreiche Wetterbeobachtungen durch Vollautomatische Wetterstationen ersetzt bzw. wurden langjährige Messreihen ganz aufgelassen. (Quelle). Die Güte eines Modells lässt sich aber nur dann nachvollziehen, wenn man ein dichtes Messnetz hat. Interpolation aus verfügbaren Daten, Radarwerten und Berücksichtigung der Topographie können Extremwerte nicht erfassen, sondern höchstens annähern. Es sind aber ebenjene Extremwerte, die zu Schäden führen können.

Was ist realistisch?

Im operationellen Betrieb ist es weder vom Personal noch vom Zeitaufwand her möglich, sich alles anzuschauen, was für eine Vorhersage verfügbar ist. Die Grenzen der Wettervorhersage setzen nicht nur die Wettermodelle, sondern auch die Menge an Wetterdaten, die ein Meteorologe bei der Vorhersageerstellung noch verarbeiten kann. Hochaufgelöste Wettermodelle liefern manchmal hervorragende Trefferquoten, was kleinräumige Ereignisse betrifft, sagen sie an anderen Tagen in der richtigen Stärke an völlig falschen Orten vor oder sagen überhaupt etwas vorher, was nirgends eintrifft. Eine Vollautomatisierung der Wetterprognose (wie z.B. durch Wetter-Apps) ist also nicht möglich – sie mag ausreichend bei Schönwetter sein oder bei durchschnittlichen Wetterereignissen ohne Schadenspotential.

Sobald wir uns jedoch in Größenordnungen bewegen, wo vor allem kleinräumige Ereignisse große Schäden anrichten können, wird die Erfahrung des Meteorologen bedeutsam, der bewerten muss, wie realistisch etwas ist. Hier können vor allem Ensemble-Prognosen, die für kürzere Zeiträume (also 24-48h) gerechnet werden, hilfreich sein.

Selbst wenn es uns künftig gelänge, großräumige Unwetterphänomene wie 2013er Hochwasserlagen oder Kyrill-Stürme noch weiter im Voraus vorherzusagen, wissen wir nicht, ob mit dem Klimawandel nicht die kleinräumigen und damit unberechenbareren Ereignisse noch häufiger werden. Gewisse Schäden sind auch unvermeidlich, denn es lassen sich Ortschaften in Hochwasserrisikogebieten nicht verlegen und auch den Wald kann man nicht mit einer Betonhülle schützen, wenn eine Gewitterlinie mit 200 km/h alles plattmacht.

Ich behaupte vorsichtig, mit 14 Jahre Modelle schauen und 6 Jahre Berufserfahrung, dass sich in der Arbeit des Meteorologen relativ wenig ändern wird. Es wird gut prognostizierbare Stürme und Hochwasser geben, aber weiter auch die kleinräumigen Phänomene mit unvermeidbar kurzen Vorwarnzeiten.Gerade die letzten Jahre haben meiner Ansicht nach gezeigt, dass trotz verbesserter Modellleistungen Extremereignisse gleich schwer prognostizierbar bleiben, siehe auch einen früheren Beitrag von mir.

Wenn man sich die jüngste Performance der Wettermodelle bei Hurrikan MATTHEW anschaut, dann war diese nicht schlecht (Zugbahn gut erfasst, Intensität gut angedeutet). Die USA kamen weit glimpflicher davon als Haiti. Auch eine dreiwöchige Im-Voraus-Prognose hätte aus Elendshäusern in Haiti keine stabilen Villen gemacht. Bei Hurrikan NICOLE hingegen und auch dem möglichen Wechselspiel mit MATTHEW durch den Fujiwhara-Effekt waren die Modelle weniger gut. Die Bermuda-Inseln kamen glimpflich davon, ansonsten blieb NICOLE ein Fischsturm.

Rechtzeitige Wetterprognosen nützen nur dann etwas, wenn ein solides Vorsorgemanagement existiert, das ist sowohl eine finanzielle Frage bei armen Ländern als auch eine Bewusstseinsfrage, wie man sich richtig verhält. Ältere Menschen trinken zu wenig und sind bei Hitzewellen anfälliger für Dehydrierung. Ebenso sollte man nicht unbedingt in potentiellen Überschwemmungsregionen sein Haus bauen. Gegen lokale Sturzflutereignisse wie z.B. in Afritz nützt auch die beste Vorsorge nichts, wenn es Orte trifft, die noch nie etwas Vergleichbares erlebt haben. Die Vorwarnzeit hat hier jedoch Grenzen, die sich auch in den kommenden 10 Jahren wahrscheinlich nur wenig verbessern  werden.

Überschwemmungen in Louisiana: cm, mm, l/m² ?

Der ORF berichtet über die Überschwemmungen in Louisiana (abgerufen am 15.8.16, 13.25)

Innerhalb von 24 Stunden fielen in der besonders stark betroffenen Stadt Baton Rouge fast 29 Zentimeter Regen. Eine Wetterstation maß sogar einen Niederschlag von mehr als 43 Zentimeter.

Die Beschreibung in Zentimetern irritiert mich ein wenig. In Europa benutzen wir in der Regel mm oder l/m², wobei für Laien l/m² anschaulicher sind. Im Klartext, Baton Rouge erhielt 290 Liter pro Quadratmeter in 24 Stunden, eine Wetterstation sogar über 430 Liter pro Quadratmeter im gleichen Zeitraum. Das sind gewaltige Summen. Zum Vergleich, beim verheerenden Jahrtausendhochwasser in Sachsen im August 2002 fielen in Zinnwald im Erzgebirge 312 Liter pro Quadratmeter. Beim ebenso verheerenden Hochwasser in Bayern Anfang Juni 2013 fielen in Aschau-Stein am Bayrischen Alpenrand 406 Liter pro Quadratmeter, jedoch innerhalb 4 Tagen!

In den USA benutzt man immer noch Inch (Zoll) als Maßeinheit für den Niederschlag. 1 Inch sind dabei 2,54 cm. Ich schätze, die Redakteure haben einfach die in Inch gefundenen Mengen in Zentimeter umrechnen lassen und darauf vergessen, dass es unüblich ist, hierzulande Regenmengen in Zentimeter anzugeben.

Der Regen in der Region sollte noch anhalten. Der Sturm bewegt sich langsam in Richtung Westen.

Das wiederum klingt nach einem klassischen Übersetzungsfehler. In den USA wird nämlich alles „storm“ genannt, was von normalen Wettererscheinungen abweicht, z.B. rainstorm (für heftige Regenfälle), hailstorm (für massiven Hagelschlag) oder windstorm (für ein masssives Sturmereignis).

rainamounts-louisiana-150816-7days

Regenmengen, teils gemessen, teils abgeleitet aus dem Wetterradar, vom 8.-15. August 2016 (Quelle: http://water.weather.gov/precip/

Die tagelangen Regenfälle wurden jedoch nicht durch einen tropischen Sturm oder sogar einen Hurrikan verursacht wie damals Katrina 2005, sondern durch ein stationäres Höhentief. Über Tage hinweg sah das Druckfeld am Boden und in der Höhe nämlich eher so aus:

2016081012_1_na

500 hPa Geopotential und Bodendruck, gültig für Mittwoch, 10. August 2016, 14 MESZ, Quelle: http://www.wetter3.de

Genau über der Südküste am Golf von Mexiko liegt ein Höhentief, bodennah sehr flache Druckverhältnisse mit einer Tiefdruckrinne. Nach den Prognosen befindet sich auch in den kommenden Tagen weiterhin ein schwacher Höhentrog über der Region, bodennah bleibt der geringe Luftdruck bestehen. Im Vertikalprofil drücken sich tropische Luftmassen und schwacher Tiefdruckeinfluss folgendermaßen aus:

lakecharles

Radiosondenaufstieg von Lake Charles, Louisiana, am 12. August 2016, 00 UTC

Sowohl bodennah als auch in der Höhe extrem feucht, was 67 l/qm Niederschlag ergibt, wenn die gesamte Luftsäule ausgefällt würde. Dazu enorm labil mit über 3600 J/kg und praktisch keine Sperrschicht, die ein ungehindertes Aufsteigen verhindern könnte. Der Wind weht in allen Höhenlagen schwach und verhindert ein rasches Abziehen des Gewitters. Die Nullgradgrenze ist mit rund 4 km sehr weit oben, womit besonders viel Flüssigwasser zur Verfügung steht (geringe Großhagelwahrscheinlichkeit).

Bei diesen Bedingungen braucht es kein großräumiges Gewitterereignis wie durch einen Hurrikan. Da reichen einzelne Gewitter, die sich zu größeren Clustern zusammenballen und sich über Stunden nicht vom Fleck rühren. Es handelt sich also folglich nicht um einen Sturm, sondern um ein Tiefdruckgebiet bzw. eine Tiefdruckrinne. Wind spielt hier so gut wie keine Rolle bzw. eher im Gegenteil, denn der fehlende Wind verhindert eine rasche Entspannung der Lage.

Millionen Bewohner im Osten der USA leiden unterdessen unter extremer Hitze. In den Städten New York, Philadelphia und Washington galten Hitzewarnungen, weil durch die Kombination von Wärme und Feuchtigkeit gefühlte Temperaturen von 43 Grad Celsius herrschten.

Hierbei handelt es sich um den sogenannten Heat Index. 43°C erreicht man z.B. bei 35 Grad und 55 % Luftfeuchte (entspricht 25°C Taupunkt), oder bei 32°C und 80 % (entspricht 28°C  Taupunkt). Stationsdaten zeigen, dass verbreitet um 35°C bei 25°C Taupunkt gemessen wurden. Das sind durchaus tropische Verhältnisse (New York liegt auf demselben Breitengrad wie Rom). In mitteleuropäischen Sommern kommt der Heat Index selten über 35°C hinaus (entspricht 30°C bei 22°C Taupunkt).