Schlagwort-Archive: Hurrikan

Focus über Pablo: Fachlich top geschrieben!

Die Kategorie „Positivbeispiel“ wird bei mir selten befüllt, hier ist sie angebracht.

Der Artikel von „Focus online“ ist sachlich korrekt: https://www.focus.de/wissen/natur/meteorologie/ploetzlich-war-hurrikan-pablo-da-erstmals-in-der-geschichte-rekord-hurrikan-bildet-sich-vor-europa_id_11281944.html

Da gibt es nichts hinzuzufügen oder zu bemängeln. Anders ist es leider bei der verlinkten Unterscheidung von Tornado versus Hurrikan.

Ein Tornado entsteht immer über Land. Er bildet sich aus einer großen Gewitterwolke heraus und bildet dann eine trichterförmige Säule zum Boden, welche rasend schnell rotiert.

Ein Tornado entsteht natürlich auch über dem Wasser, dann Wasserhose genannt. Zudem ist es mittlerweile wissenschaftlicher Konsens, dass sich die Rotation vom Boden zur Wolke hinaufarbeitet und nicht umgekehrt.

 

  • Ein Hurricane kann sich zwischen 160 und 1600 Kilometer weit spannen und ist somit deutlich größer als ein Tornado.

  • In der Mitte eines Tornados befindet sich das sogenannte Auge des Sturms. Hier herrscht absolute Windstille.

  • Wenn der Hurricane auf Land trifft, bringt er oft große Wassermassen und schweren Regen mit sich.

Schlampig geschrieben, es sollte natürlich Hurrikan heißen und nicht Tornado.

 

Hurrikan PABLO – noch nie soweit östlich!

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EUMETSAT RGB – 27-10-2019, 08:15 MEZ –
Quelle: https://eumetview.eumetsat.int/mapviewer/

Wieder ein Beispiel dafür, dass für die Bildung eines Tropensturms auch kaltes Ozeanwasser ausreicht. Um 8.15 MEZ hatte es 20°C Wasseroberflächentemperatur und ein deutlich sichtbares Auge von Tropensturm PABLO in den Satellitenbildern. Das kräftige Tief am linken Bildrand wird sich noch zum ausgedehnten Sturmwirbel verstärken und Ex-PABLO am Montagabend einfangen. Spätestens dann verliert PABLO seine tropischen Eigenschaften. Richtung europäisches Festland zieht PABLO aber nicht, sondern bleibt ein Fischsturm. Weiterlesen →

Hurrikan Lorenzo rast auf Europa zu?

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Hurrikan LORENZO am 30.September 2019 südwestlich der Azoren, Quelle: Kachelmannwetter

Hurrikan LORENZO tourt durch die Medien als Rekord-Hurrikan. Nicht zu Unrecht. Noch nie seit Beginn der Satellitenära wurde ein so starker Hurrikan (Cat.5) und gleichzeitig ein so niedriger Kerndruck (929mb) östlich von 50°W registriert. LORENZO erreichte Stärke 5 auf 45°W und brach dem alten Rekord von Hurrikan HUGO (1989) mit 54,6°W. Zum Zeitpunkt dieses Beitrags hat sich LORENZO deutlich auf Stärke 2 abgeschwächt (962mb Kerndruck), hält aber weiter Kurs auf die Azoren. Nach allen Modellen wird LORENZO in Hurrikanstärke über die Azoren hinwegfegen. Dabei sind Spitzenböen über 200 km/h möglich. Bislang erreichte der stärkste Hurrikan auf den Azoren maximal 168 km/h (Nr. 8 am 26. September 1926).

In den Medien wird die Auswirkung von Hurrikan LORENZO allerdings etwas zu dick aufgetragen. Ja, die Azoren gehören zu Europa. Nein, Lorenzo bedroht nicht ganz Europa. Genau das suggerieren aber zahlreiche Zeitungsberichte. Zum Abschluss meiner Presseschau folgt ein Positivbeispiel. Weiterlesen →

Leslie: Hurrikan oder normales Sturmtief?

Wenige Tage nach einem verheerenden Unwetter auf Mallorca warnen Meteorologen und Meteorologinnen vor einem heftigen Sturm in Portugal und Spanien. Der Hurrikan „Leslie“ steuere vom Atlantik auf die Länder zu und werde heute Abend auf Land treffen, teilte das portugiesische Meeresinstitut IPMA mit. Medienberichten zufolge sollen unter anderem die Regionen um die Hauptstadt Lissabon und Coimbra betroffen sein.

Von dort werde der Sturm voraussichtlich nach Spanien weiterziehen, sagten Expertinnen und Experten im Sender Canal 24 Horas. Es wird zwar erwartet, dass sich der Hurrikan in den nächsten Stunden zu einem tropischen Wirbelsturm abschwächt – dennoch warnte das National Hurricane Center vor Orkanböen und Sturzfluten.

Quelle: orf.at (abgerufen am 13.10.18, 20.54 MESZ)

Das ist so nicht korrekt. In allen Prognosen sollte „Leslie“ die Iberische Halbinsel als außertropisches Sturmtief erreichen. Weiterlesen →

Hurrikan Ophelia mit spannender Zugbahn

Hurrikan Ophelia ist der zehnte Hurrikan in Serie und mit derzeit 80 Knoten Spitzenwinden handelt es sich um den stärksten Oktoberhurrikan soweit östlich seit IVAN im Jahr 1980.

Die aktuelle Prognose des Hurrikancenters in Miami lässt ihn bis als Hurrikan an den Azoren vorbeiziehen und dann in Hurrikanstärke in ein außertropisches Sturmtief umwandeln.

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Hierzu ein paar wichtige Anmerkungen:

Die Windgeschwindigkeits-Wahrscheinlichkeiten beziehen sich auf den Wirbel in Tropensturm-Gestalt. Selbst wenn er nicht mehr als Hurrikan, sondern nur noch abgeschwächt als „normales“ Sturmtief auf Irland trifft, kann er weiterhin Orkanböen hervorbringen, wie es der Morgenlauf des amerikanischen Modells gezeigt hat:

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Zu sehen ist hier der Mittelwind (in Knoten) in 850hPa, das sind bei einem Luftdruck von 1013 hPa am Boden 1500m. Durch den starken Druckfall des Sturmtiefs sinkt die 850hPa-Druckfläche jedoch gut 200m ab, d.h., der Mittelwind hier bezieht sich auf nur rund 1300m Seehöhe und kann entsprechend viel leichter zum Boden herabgemischt werden.

Spezielle Modellkarten zeigen auch, dass OPHELIA auch nach der Umwandlung tropische Eigenschaften besitzt, indem der Kernbereich des Tiefs bodennah mit Warmluft gefüllt bleibt. Man spricht von einem „assymetrischen warmen Kern“, weil der Wirbel mit der Höhe versetzt ist und das Tief zunehmend Fronten ausbildet.

Die Asymmetrie führt dazu, dass das Windfeld an der Ostflanke des Tiefs auf der warmen Seite stärker ausgeprägt sein wird als an der kalten Westflanke. Mit der zügigen Verlagerung nach Norden addieren sich an der Ostflanke Verlagerungsgeschwindigkeit und Windspitzen aus Süden, was das Risiko von heftigen Windböen zusätzlich erhöht.  Die Rückseite wird dem recht labil gerechnet und einzelne Schauer reichen dann aus, um den heftigen Südwind bis Südwestwind zum Boden durchzudrücken, in dem oben gezeigten Fall wären das 110-120km/h an der Südküste Irlands und über 140km/h an der Westküste. Die neueren Läufe des Modells zeigen eine westlichere Zugbahn und eine geringere Beeinflussung der Britischen Inseln, das wird sich aber vermutlich noch ein paar Mal ändern bis Montag.

Die Essenz dieses Sermons:

  1. OPHELIA trifft nicht mehr im Besitz aller tropischer Eigenschaften, die ihn als Tropensturm oder Hurrikan klassifizieren lassen, auf europäisches Festland. Die Azoren werden als Hurrikan beeinflusst, Irland und England nicht mehr.
  2. OPHELIA besitzt auch nach der Umwandlung in ein außertropisches Sturmtief noch tropische Eigenschaften wie kräftigen Regen im Warmfrontbereich und ein sehr kräftiges Windfeld um den Kernbereich herum.
  3. Dieses Windfeld ist an der Ostflanke am stärksten ausgeprägt (wie übrigens auch bei Hurrikan NATE kürzlich) und kann dort nochmals Orkanböen hervorbringen, selbst wenn OPHELIA nicht mehr als Hurrikan klassifiziert wurde.
  4. OPHELIA ist der 4. Tropensturm seit 2005, der Europa direkt beeinflusst: Der letzte Tropensturm in Hurrikanstärke traf 2005 auf Portugal und Spanien (Hurrikan VINCE), danach bildete sich im Oktober 2009 sehr weit östlich über lediglich 18-22°C warmen Wasser Tropensturm GRACE, der noch mit stecknadelkopfgroßem Auge an Irland anstreifte, ehe er sich über Wales auflöste.  Danach gab es einen Tropensturm im Mittelmeer (7. November 2011), vom NHC 01M genannt, hierzulande unter ROLF bekannt, der im westlichen Mittelmeer kurzzeitig Tropensturm-Status erreicht hat. Hurrikane im Mittelmeer werden auch Medicane genannt. Weitere Fallbeispiele für Tropenstürme im Mittelmeer gibt es aus den Jahren 1947, 1969, 1982, 1983, 1995 und 2007.
  5. Fast alle Tropenstürme, die vor Europa oder im Mittelmeer entstehen oder bis zum Ostatlantik durchhalten, werden weniger durch die absolute Meeresoberflächentemperatur am Leben gehalten als durch vertikale Temperaturunterschiede. Diese halten die kräftigen Schauer und Gewitter, die für Tropenstürme notwendig sind, aufrecht. Aufgrunddessen entstehen sie überwiegend im Herbst und Winter, wenn der Ozean oder das Mittelmeer relativ warm sind und in der Höhe erste Kaltluftvorstöße vom Nordatlantik den Süden erreichen.