Schlagwort-Archive: Tropensturm

Hurrikan PABLO – noch nie soweit östlich!

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EUMETSAT RGB – 27-10-2019, 08:15 MEZ –
Quelle: https://eumetview.eumetsat.int/mapviewer/

Wieder ein Beispiel dafür, dass für die Bildung eines Tropensturms auch kaltes Ozeanwasser ausreicht. Um 8.15 MEZ hatte es 20°C Wasseroberflächentemperatur und ein deutlich sichtbares Auge von Tropensturm PABLO in den Satellitenbildern. Das kräftige Tief am linken Bildrand wird sich noch zum ausgedehnten Sturmwirbel verstärken und Ex-PABLO am Montagabend einfangen. Spätestens dann verliert PABLO seine tropischen Eigenschaften. Richtung europäisches Festland zieht PABLO aber nicht, sondern bleibt ein Fischsturm. Weiterlesen →

Hurrikan Lorenzo rast auf Europa zu?

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Hurrikan LORENZO am 30.September 2019 südwestlich der Azoren, Quelle: Kachelmannwetter

Hurrikan LORENZO tourt durch die Medien als Rekord-Hurrikan. Nicht zu Unrecht. Noch nie seit Beginn der Satellitenära wurde ein so starker Hurrikan (Cat.5) und gleichzeitig ein so niedriger Kerndruck (929mb) östlich von 50°W registriert. LORENZO erreichte Stärke 5 auf 45°W und brach dem alten Rekord von Hurrikan HUGO (1989) mit 54,6°W. Zum Zeitpunkt dieses Beitrags hat sich LORENZO deutlich auf Stärke 2 abgeschwächt (962mb Kerndruck), hält aber weiter Kurs auf die Azoren. Nach allen Modellen wird LORENZO in Hurrikanstärke über die Azoren hinwegfegen. Dabei sind Spitzenböen über 200 km/h möglich. Bislang erreichte der stärkste Hurrikan auf den Azoren maximal 168 km/h (Nr. 8 am 26. September 1926).

In den Medien wird die Auswirkung von Hurrikan LORENZO allerdings etwas zu dick aufgetragen. Ja, die Azoren gehören zu Europa. Nein, Lorenzo bedroht nicht ganz Europa. Genau das suggerieren aber zahlreiche Zeitungsberichte. Zum Abschluss meiner Presseschau folgt ein Positivbeispiel. Weiterlesen →

Leslie: Hurrikan oder normales Sturmtief?

Wenige Tage nach einem verheerenden Unwetter auf Mallorca warnen Meteorologen und Meteorologinnen vor einem heftigen Sturm in Portugal und Spanien. Der Hurrikan „Leslie“ steuere vom Atlantik auf die Länder zu und werde heute Abend auf Land treffen, teilte das portugiesische Meeresinstitut IPMA mit. Medienberichten zufolge sollen unter anderem die Regionen um die Hauptstadt Lissabon und Coimbra betroffen sein.

Von dort werde der Sturm voraussichtlich nach Spanien weiterziehen, sagten Expertinnen und Experten im Sender Canal 24 Horas. Es wird zwar erwartet, dass sich der Hurrikan in den nächsten Stunden zu einem tropischen Wirbelsturm abschwächt – dennoch warnte das National Hurricane Center vor Orkanböen und Sturzfluten.

Quelle: orf.at (abgerufen am 13.10.18, 20.54 MESZ)

Das ist so nicht korrekt. In allen Prognosen sollte „Leslie“ die Iberische Halbinsel als außertropisches Sturmtief erreichen. Weiterlesen →

Hurrikan Ophelia mit spannender Zugbahn

Hurrikan Ophelia ist der zehnte Hurrikan in Serie und mit derzeit 80 Knoten Spitzenwinden handelt es sich um den stärksten Oktoberhurrikan soweit östlich seit IVAN im Jahr 1980.

Die aktuelle Prognose des Hurrikancenters in Miami lässt ihn bis als Hurrikan an den Azoren vorbeiziehen und dann in Hurrikanstärke in ein außertropisches Sturmtief umwandeln.

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Hierzu ein paar wichtige Anmerkungen:

Die Windgeschwindigkeits-Wahrscheinlichkeiten beziehen sich auf den Wirbel in Tropensturm-Gestalt. Selbst wenn er nicht mehr als Hurrikan, sondern nur noch abgeschwächt als „normales“ Sturmtief auf Irland trifft, kann er weiterhin Orkanböen hervorbringen, wie es der Morgenlauf des amerikanischen Modells gezeigt hat:

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Zu sehen ist hier der Mittelwind (in Knoten) in 850hPa, das sind bei einem Luftdruck von 1013 hPa am Boden 1500m. Durch den starken Druckfall des Sturmtiefs sinkt die 850hPa-Druckfläche jedoch gut 200m ab, d.h., der Mittelwind hier bezieht sich auf nur rund 1300m Seehöhe und kann entsprechend viel leichter zum Boden herabgemischt werden.

Spezielle Modellkarten zeigen auch, dass OPHELIA auch nach der Umwandlung tropische Eigenschaften besitzt, indem der Kernbereich des Tiefs bodennah mit Warmluft gefüllt bleibt. Man spricht von einem „assymetrischen warmen Kern“, weil der Wirbel mit der Höhe versetzt ist und das Tief zunehmend Fronten ausbildet.

Die Asymmetrie führt dazu, dass das Windfeld an der Ostflanke des Tiefs auf der warmen Seite stärker ausgeprägt sein wird als an der kalten Westflanke. Mit der zügigen Verlagerung nach Norden addieren sich an der Ostflanke Verlagerungsgeschwindigkeit und Windspitzen aus Süden, was das Risiko von heftigen Windböen zusätzlich erhöht.  Die Rückseite wird dem recht labil gerechnet und einzelne Schauer reichen dann aus, um den heftigen Südwind bis Südwestwind zum Boden durchzudrücken, in dem oben gezeigten Fall wären das 110-120km/h an der Südküste Irlands und über 140km/h an der Westküste. Die neueren Läufe des Modells zeigen eine westlichere Zugbahn und eine geringere Beeinflussung der Britischen Inseln, das wird sich aber vermutlich noch ein paar Mal ändern bis Montag.

Die Essenz dieses Sermons:

  1. OPHELIA trifft nicht mehr im Besitz aller tropischer Eigenschaften, die ihn als Tropensturm oder Hurrikan klassifizieren lassen, auf europäisches Festland. Die Azoren werden als Hurrikan beeinflusst, Irland und England nicht mehr.
  2. OPHELIA besitzt auch nach der Umwandlung in ein außertropisches Sturmtief noch tropische Eigenschaften wie kräftigen Regen im Warmfrontbereich und ein sehr kräftiges Windfeld um den Kernbereich herum.
  3. Dieses Windfeld ist an der Ostflanke am stärksten ausgeprägt (wie übrigens auch bei Hurrikan NATE kürzlich) und kann dort nochmals Orkanböen hervorbringen, selbst wenn OPHELIA nicht mehr als Hurrikan klassifiziert wurde.
  4. OPHELIA ist der 4. Tropensturm seit 2005, der Europa direkt beeinflusst: Der letzte Tropensturm in Hurrikanstärke traf 2005 auf Portugal und Spanien (Hurrikan VINCE), danach bildete sich im Oktober 2009 sehr weit östlich über lediglich 18-22°C warmen Wasser Tropensturm GRACE, der noch mit stecknadelkopfgroßem Auge an Irland anstreifte, ehe er sich über Wales auflöste.  Danach gab es einen Tropensturm im Mittelmeer (7. November 2011), vom NHC 01M genannt, hierzulande unter ROLF bekannt, der im westlichen Mittelmeer kurzzeitig Tropensturm-Status erreicht hat. Hurrikane im Mittelmeer werden auch Medicane genannt. Weitere Fallbeispiele für Tropenstürme im Mittelmeer gibt es aus den Jahren 1947, 1969, 1982, 1983, 1995 und 2007.
  5. Fast alle Tropenstürme, die vor Europa oder im Mittelmeer entstehen oder bis zum Ostatlantik durchhalten, werden weniger durch die absolute Meeresoberflächentemperatur am Leben gehalten als durch vertikale Temperaturunterschiede. Diese halten die kräftigen Schauer und Gewitter, die für Tropenstürme notwendig sind, aufrecht. Aufgrunddessen entstehen sie überwiegend im Herbst und Winter, wenn der Ozean oder das Mittelmeer relativ warm sind und in der Höhe erste Kaltluftvorstöße vom Nordatlantik den Süden erreichen.

Hurrikan-Entstehung und Gefahr für Europa?

Zu diesem Zeit-Interview mit dem Klimaforscher Levermann (abgerufen: 10.10.16) über Hurrikan Matthew möchte ich gerne ein paar Ergänzungen hinzufügen:

  1. Hurrikan-Entstehung

Ein Hurrikan ist im Grunde genommen nichts anderes als ein riesiges, rotierendes Gewittersystem.

Levermann: Erste Voraussetzung ist ein warmer Ozean ab 26 Grad Celsius Wassertemperatur.

 26 Grad sind keine fixe Untergrenze, entscheidend ist nämlich der vertikale Temperaturunterschied. Die absolute Temperatur hat lediglich Auswirkungen auf die Intensität des Sturms.

Dazu kommen dann Scherwinde; hier bewegen sich die untere Lage in die eine, die obere in die andere Richtung.

Ist für mich unklar, ab wann die Scherwinde hier eine Rolle spielen. Wenn es um das Anfangsstadium geht, existieren zwar schwache Passatwinde, die zur Verdunstung des Ozeanwassers führen, jedoch sollte die Windscherung hier möglichst gering sein, weil sonst die Gewitterwolken zu stark „ventiliert“ werden (zu starke Durchmischung und Abtrocknung). Im späteren Stadium (am Weg zum Hurrikan) strömt die Luft bodennah Richtung Zentrum des Sturms, wird gehoben und am Oberrand des Sturms seitlich wieder hinausbefördert. Dann bewegen sie sich „in der unteren Lage“ hinein, und „in der oberen Lage“ hinaus (auch „In-Up-and-Out-Prinzip“ genannt).

Diese Winde nehmen die Energie des Wassers auf, es bildet sich Wasserdampf, der herumgewirbelt wird und sich – je nach zur Verfügung stehender Energie – verdichtet und zum Wirbelsturm heranwächst.

Im Klartext gesprochen: Wasser verdunstet, es bilden sich Wolken, bei ausreichend Energie hochreichende Gewitterwolken, die sich zum Gewittersystem ausdehnen. Bevor daraus allerdings ein Wirbelsturm wird, fehlt noch eine entscheidende Zutat: die Corioliskraft versetzt das System in Drehung. Mit zunehmender Lebensdauer dominiert die Zentrifugalkraft (gilt für das Auge und die Augenwand).

Die Hälfte der atlantischen Hurrikane entsteht durch große Gewittersysteme, die von Westafrika mit dem Passatwinde aufs offene Meer hinausziehen, die andere Hälfte entsteht in der Karibik. Nach einer gewissen Zeit beginnt die Corioliskraft zu wirken und versetzt das System in Drehung, ein tropischer Sturm entsteht.

ZEIT ONLINE: Werden sie sich auch ausbreiten? Sprich: Gibt es künftig Hurrikane in Europa?

Levermann: Wenn es auf dem hufeisenförmigen Pfad im Nordatlantik nicht mehr kälter wird, die Stürme sich also nicht abschwächen, dann ist eine Hurrikan-Saison in Europa irgendwann in Zukunft rein theoretisch möglich. Sie verlieren dann ihren Charakter als „tropische Stürme“, weil sie dann weit entfernt vom Äquator sind und sich die Physik dort ändert. Aber dass solche Stürme häufiger als jetzt nach Europa kommen, ist wahrscheinlich.

 Was man vielleicht dazu sagen sollte:

Die Wassertemperatur alleine entscheidet nicht, ob Hurrikane zum Major oder gar Cat-5-Hurrikan werden, sondern auch, wie kräftig die Windscherung in der Höhe ist. Das hufeisenförmige Abdrehen von Tropenstürmen auf dem Nordwestatlantik nach Nordosten wird auch als recurvature bezeichnet. Es wird durch die Höhenströmung begünstigt.

Typischerweise nimmt die Höhenströmung auf dem Nordatlantik im Bereich der Jetstreams jedoch stark zu und verhindert damit, dass ein Hurrikan unter Beibehaltung seiner tropischen Eigenschaften auf Europa trifft („Physikänderung“).

Es gibt jedoch drei Ausnahmen von dieser Regel:

  1. Außertropische Umwandlung eines Tropensturms in ein Sturmtief:

Meist drehen die Hurrikane in der Region von Florida nach Nordosten ab und gliedern sich zwischen Neufundland und Azoren, seltener auch im Bereich der Kanarischen Inseln, wieder in die Frontalzone ein. Es bilden sich nachfolgend Frontensysteme aus, der Tropensturm wird damit zum gewöhnlichen Sturmtief der gemäßigten Breiten. Die tropischen Eigenschaften bleiben dennoch vorhanden, weil sehr viel latente Wärme freigesetzt werden kann und Schauer/Gewitterwolken entstehen.

Diese Umwandlungen kommen immer wieder vor, sofern die Hurrikansaison nicht so schwach ist wie in den vergangenen Jahren.

2. Umwandlungen von außertropischen Tiefdruckgebieten in tropische Stürme

Das geschieht meist im Oktober oder November, wenn vom Nordatlantik bis zu den Azoren und den Kanarischen Inseln die ersten Kaltluftvorstöße stattfinden. Die Tröge schnüren sich dann in weiterer Folge ab und bilden ein abgeschlossenes Höhentief. Der vertikale Temperaturunterschied zwischen der Höhenkaltluft und dem vergleichsweise warmen Atlantik kompensiert dann die geringeren Wassertemperaturen selbst (meist deutlich unter 26°C). Die Stürme sind zudem weniger anfällig für eine lebhafte Höhenströmung, weil sie durch die geringere Energie nicht so weit in die Höhe wachsen.

Beispiele: Delta, Epsilon, Vince, Zeta (alle 2005)

Hurrikan VINCE erreichte die Iberische Halbinsel am 11. Oktober 2005, der erste Hurrikan seit 1842, der die spanische Küste erreichte.

Ein weiteres Beispiel ist Tropensturm GRACE, der vom 4.-6. Oktober 2009 existierte. Er besaß rund 26 Stunden lang ein Auge. So weit nordöstlich wurde bis dahin noch nie Tropensturmbildung beobachtet. Am 6. Oktober zog GRACE unter Auflösung knapp südlich an Irland vorbei.

3. Tropische bzw. Subtropische Stürme im Mittelmeer

Diese auch als Medicanes bekannten Stürme bilden sich wie bei 2. meist durch eingeschlossene Kaltluft in höheren Luftschichten. Sie sind aufgrund des begrenzten Warmwasserreservoirs des Mittelmeers meist viel kleiner als atlantische Tropenstürme und erreichen selten Kategorie 1.

Beispiele: 16. Januar 1995, 27. Oktober 2005, 26. Januar 1982, 26. September 2006, ROLF am 8. November 2011 (auf Wikipedia gibt es dazu Satellitenbilder) sowie zahlreiche weitere Beispiele.

In Summe ist es also bereits jetzt der Fall, dass Tropenstürme direkt oder indirekt Europa betreffen. Um allerdings den weiten Weg von der Karibik bis zum Ostatlantik zu bewältigen, benötigen sie eben nicht nur ausreichend Energie, sondern auch die passende Höhenströmung, die aber nicht zu stark sein darf, weil der Wirbel sonst instabil wird bzw. in ein außertropisches Sturmtief umgewandelt wird.