Schlagwort-Archive: Starkregen

In der Kürze liegt nicht immer die Würze

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Kräftiges Gewitter im Steinfeld am 03. Juni 2020

Die Pandemie ist selbstverständlich nicht vorüber – in vielen Ländern, wo die Schulen wieder geöffnet wurden, steigen die Infektionszahlen wieder. Ebenso gibt es erwartbare Wiederanstiege durch deutliche Lockerungen, etwa mit Gottesdiensten oder Restaurantöffnungen. Die wirtschaftlichen Folgen werden uns noch monate-, eher jahrelang beschäftigen, bevor man überhaupt von einem Ende der Pandemie sprechen kann. Am auffälligsten während dem Lockdown in Mitteleuropa war die anhaltende Trockenheit. Etliche Tage zu Zeiten der Ausgangsbeschränkungen waren sonnig und trocken. Das gesamte Quartal 2020 fiel deutlich zu trocken und zu warm aus. Die Böden staubten Anfang Mai wie sonst am Ende eines trockenen Hitzesommers, viele kleineren Bäche und Flüsse führten Niedrigwasser oder waren sogar ganz ausgetrocknet. Der Neusiedler See hatte den niedrigsten Wasserstand in einem Mai seit Aufzeichnungsbeginn 1965. Im Mai selbst änderte sich die Großwetterlage zu der Konstellation, wie sie jetzt Anfang Juni in wesentlichen Zügen immer noch vorherrscht, mit einem umfangreichen Trog über Mitteleuropa, flankiert von hohem Luftdruck über Westeuropa und Nord- bzw. Osteuropa. Mit durchschnittlich 266 Stunden war der Mai in Großbritannien der sonnigste seit Aufzeichnungsbeginn. In Sibirien war der Mai durchschnittlich zehn Grad wärmer als im Mittel 1981-2010. Im Norden Skandinaviens war das Tauwetter ungewöhnlich heftig, was zu verheerenden Erdrutschen und Hochwasser führte. Bemerkenswert auch die +20,6°C in Lappland bei einer Schneehöhe von 26cm, es gab zwar schon höhere Höchstwerte bei jeglicher Schneelage, aber noch nie bei so viel Schnee. Global gesehen war der Mai noch nie so warm seit Beginn der Aufzeichnungen, darüber kann auch nicht der Fakt hinwegtäuschen, dass er in Österreich letzendlich leicht zu kühl ausfiel, weil wir die meiste Zeit unter Tiefdruckeinfluss standen.

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Gewitter am Heiligen Morgen

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RGB-Satellitenbild von EUMETSAT am 25.12.2018, 04 Uhr MEZ

So mancher Bewohner am Alpennordrand wurde am Morgen des Heiligen Abends unsanft aus dem Schlaf gerissen. Ich hatte das Fenster offen und reagierte eher geistesgegenwärtig, als ich es draußen klappern hörte und sofort hellwach war. Plötzlich tat es einen Knall, ein greller Blitz und lautes Donnergrollen. Dazu schwere Sturmböen und Starkregen wie bei einem sommerlichen Gewitter. Das Gewitter dauerte etwa zwanzig Minuten, der Sturm war nach wenigen Minuten vorbei.  Gegen Ende mischten sich Schneeflocken zum Regen hinzu. Nach Tief VAIA (29/30.10.18) und Sturmtief FABIENNE (23.9.18) war die Kaltfront von Sturmtief TETE das eindrucksvollste Wettereignis der letzten drei Monate. Entlang der Nordalpen führten die Bäche und kleineren Flüsse aufgrund von Starkregen und Schneeschmelze verbreitet ein 1-5jähriges Hochwasser, zudem kam es zu Murenabgängen (Vorarlberg, Allgäu). Weiterlesen →

Studie: Bestimmung von kleinräumigen Starkniederschlägen – eine Einordnung

Im ORF Steiermark (abgerufen am 25.08.2018, übrigens Jahrestag des F2-T4-Tornados in Ellmau, Tirol, vor 6 Jahren) erschien vor kurzem das Ergebnis einer Studie zu kleinräumigen Unwetterereignissen, hier speziell Extremniederschläge.

In einer im Fachjournal „Geophysical Research Letters“ erschienenen Arbeit zeigten sie auf, dass kurzzeitige kleinräumige Extremniederschläge von den üblichen Wetterdienst-Messnetzen, deren Stationen rund zehn Kilometer oder mehr voneinander entfernt sind, nur mangelhaft erfasst werden. […]

Um ein wenig Wind aus den Segeln dieser Neuigkeit zu nehmen: Jeder Meteorologe im operationellen Dienst (sprich, in der Wettervorhersage) weiß, dass kleinräumige Extremniederschläge im Zusammenhang mit Schauern oder Gewittern (Voraussetzung für Starkregen) von der gegenwärtigen Messnetzdichte unzureichend erfasst werden. Dazu drei konkrete Beispiele: Weiterlesen →

Anhaltend Gewitter durch Hochdruckgebiete?

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Abziehendes Hagelgewitter über Salzburg, Blick zum Untersberg und Tennengebirge

Der aktuelle Beitrag im ORF (abgerufen am 09.06.18) über die Häufung von sturzflutartigen Gewittern in Österreich geht in die richtige Richtung …

Wostal verwies in diesem Zusammenhang auch auf eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) aus dem Jahr 2014, wonach die großräumigen Hoch- und Tiefdruckgebiete langsamer ziehen als früher. „Da der Temperaturunterschied zwischen dem Norden und Süden geringer geworden ist, wurden auch die Systeme langsamer“, so Wostal. Die Folge: Wetterlagen wie etwa Hitzewellen halten sich länger.

Zwei Schritte übersprungen, offenbar kann man der österreichischen Bevölkerung wissenschaftliche Erklärungen nicht zumuten. Zum Mitschreiben: Weiterlesen →

Starkregen, Hagel und Sturmböen

Es sind sogar Unwetter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen möglich.

Diesen Satz liest oder hört man derzeit oft in den Wetterberichten. Aber wie viel Beunruhigung lässt das auf den Durchschnittsbürger noch aus, wenn nahezu jedes Gewitterrisiko mit dieser Triade an Gefahren ergänzt wird? Und was ist überhaupt ein Unwetter?

In den USA versteht man unter einem severe (convective) storm eine schwerwiegende Störung des atmosphärischen Zustands, die nach den dort gültigen Kriterien mit wenigstens 2 cm großen Hagel und Böen über 90 km/h verbunden ist. Auch die ehrenamtlich agierenden europäischen Unwettervorhersager von ESTOFEX (European Storm Forecast Experiment) sagen bei Erfüllung dieser Kriterien Unwetter vorher.

Nun stellt sich umgekehrt die Frage:

Kann ein Gewitter mit Starkregen, Hagel und Sturmböen denn kein Unwetter sein?

Für denjenigen, der ins Gewitter gerät, ist wohl die Mehrzahl der Gewitter ein Unwetter, oft an der Häufigkeit und Stärke der Wolke-Erde-Blitze festgemacht (je lauter und häufiger und näher es kracht, desto eher wird es als Unwetter empfunden), selbst es weder besonders kräftig geregnet, gehagelt oder gestürmt hat. Die Lautstärke ist allerdings subjektiv, hängt nämlich vom Standort des Beobachters ab.

Objektive Größen sind die Regenmenge, die Hagelgröße und -menge sowie die Windgeschwindigkeit.

1. Starkregen

Nahezu jedes Gewitter, sofern es nicht nach je einem Blitz und Donner wieder in sich zusammenfällt, bringt Starkregen hervor, ausgenommen etwa im Landesinneren von Australien, wo es sogenannte „trockene Gewitter“ gibt, die höchstens kräftige Windböen und Erdblitze produzieren. Es gibt prädestinierte Wetterlagen mit schwacher Luftströmung und hohem Wassergehalt der Atmosphäre, wo intensiverer Starkregen als sonst auftritt.

2. Hagel

Ebenso tritt zumindest tagsüber bei vielen Gewittern Hagel auf, wenngleich die allgemeine Aussage „Starkregen, Hagel und Sturmböen“ hier weder etwas über die zu erwartende Größe noch über die Menge aussagt.

Es macht für den Leser oder Hörer einen Unterschied, ob maximal 1 cm Hagel, 5 cm Hagel oder gar 10 cm großer Hagel zu erwarten ist. Bei 1 cm entstehen maximal geringe Schäden im Garten, bei 5 cm werden Gewächshäuser und Autodächer demoliert. Bei 10 cm (und schon darunter) besteht die Gefahr von Kopfverletzungen, schwerer Schäden an Dächern, Autos und allgemein Glasfassaden.

Ebenso macht es einen Unterschied, ob das Gewitter schnell zieht, gelegentlich ein paar Hagelgeschosse abwirft, oder langsam zieht und reichlich kleinen Hagel bringt, der die Kanalisation verstopft und dadurch Überflutungen verursacht. Viel kleiner Hagel maximiert nämlich noch das Überflutungsrisiko bei Starkregen, bedeutet aber für den Anwohner, dass er sein Auto nicht in die Garage fahren muss.

3. Sturmböen

Bleiben die Sturmböen übrig. Da hängt es zunächst mal davon ab, ab wann Sturmböen definiert sind. Im Mittel beginnt Sturm ab 75 km/h, von Sturmböen spricht man jedoch bereits ab 60 km/h. Diese hat man bei einem normalen Sommergewitter schnell mal erreicht.

Außergewöhnlich wird es erst, wenn die Gewitter sehr schnell ziehen und/oder bei entsprechender Tageserwärmung eine starke Abkühlung bringen, wobei verdunstender Hagel förderlich ist. Dann hat man durchaus Böen über 80, 90 km/h, in markanten Fällen über 100 km/h. An einer Gewitterlinie können flächendeckend 100-130 km/h drin sein, bei Winterstürmen und Schwergewitterlagen allgemein stellenweise auch 200 km/h und mehr.

Was hat der Sturm für Auswirkungen?
Bei 60 km/h weht es vielleicht einen Blumentopf um, bei 80 km/h können schon Äste abbrechen und Gartenstühle umfliegen, bei 120 km/h werden Bäume entwurzelt, Dächer beschädigt usw.

Ganz selten hört man bei den hiesigen Wetterberichten vom Zusatz „schwere Sturmböen“ oder gar „Orkanböen“. Es ist also nicht immer klar, ob die Sturmböen im Wetterbericht eher im 60-km/h-Bereich oder gar im potentiellen 90-100 km/h-Bereich angesiedelt sind. Der Unterschied entscheidet, ob man Vorkehrungen treffen muss, ob man in den Wald zum Joggen kann (sollte man bei Gewitter allgemein unterlassen) und ob man ein Grillfestl unterm Pavillon feiern kann, ohne dass dieser davongerissen wird.

Gewitter oder Unwetter?

Ein Unwetter ohne Starkregen, Hagel ODER Sturmböen, oder ohne alle drei? Schwer denkbar, insofern ist die Aussage „Unwetter mit Starkregen, Hagel, Sturmböen“ bereits redundant. Viel wichtiger wäre in meinen Augen zu betonen, welche Gefahr dominiert.

  • Bei langsam ziehenden Gewittern oder großen Gewittersystemen ist das der Starkregen.
  • Bei trockener Luft am Boden, Hagel, enorm hohem Wassergehalt, Winterstürmen, Gewitterlinien und einzelnen, heftigen Gewittern ist das der Sturm.
  • Bei feuchtheißer Luft ist es großer Hagel.
  • Und wenn die Luft bodennah feucht ist, der Wind mit der Höhe rasch zunimmt und dabei die Richtung ändert, können auch Tornados entstehen.

Ja, es gibt Gewitterlagen, bei denen alles möglich ist. Das sind häufig aber auch jene Lagen, bei denen die Extreme bei allen Gefahren ausgereizt werden, d.h., dann kann der Hagel groß werden, sich der Sturm zum Orkan steigern, und dann sollte man das auch textlich unterbringen.

Wenn man aber bei jeder Gewitterlage nur den Zusatz „Starkregen, Hagel und Sturmböen“ bringt, aber jeweils nur ein oder zwei Gefahren davon eintreffen (im Schnitt), dann stumpft das den Konsumenten des Wetterberichts auf Dauer ab, und er kann nicht einschätzen, ob die Hagelgefahr seinen Gemüsegarten gefährdet und der Sturm den Gartenpavillon.