Schlagwort-Archive: Klimawandel

Polarwirbel, Klimawandel und „The Beast from the East“

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Troposphärischer Jetstream in ca. 9km Höhe, Quelle: wetterzentrale.de

Ein spannender und informativer Artikel von Robert McSweeney auf CarbonBrief erleuchtet die Hintergründe zu den Kältewellen in Mitteleuropa und deren möglicher Zusammenhang mit dem Klimawandel. Wer des Englischen mächtig ist, muss an dieser Stelle nicht weiterlesen. Für alle anderen möchte ich die Schlüsselerkenntnisse zusammenfassen. Die zugehörigen Grafiken bitte ich dem Originaltext zu entnehmen. Weiterlesen →

Auswirkungen des Klimawandels gut erklärt

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Jetstream über dem Nordatlantik und Europa zum Zeitpunkt von Orkan FRIEDERIKE, Quelle: wetter3.de

In der heutigen Print-Ausgabe vom 29. Jänner 2018 der Salzburger Nachrichten wird auf Seite 14 zum Klimawandel berichtet. Ein Text von Martin Stricker erklärt sachlich korrekt und ohne Übertreibungen die Folgen der Klimaerwärmung, insbesondere der drastischen Erwärmung der Arktis. Die Höhenströmung erreicht in den mittleren Breiten in einem schmalen Band ein Geschwindigkeitsmaximum, der Jetstream. Die treibende Kraft sind horizontale Temperaturgegensätze zwischen dem kalten Polgebiet und dem immerwarmen Äquator. Im Mittel erstreckt sich der Jetstream von West nach Ost, gerät aber ab und zu ins Schlingern. Ein Keil von den Azoren schiebt sich nach Norden, ein Trog über dem Nordmeer und der Nordsee nach Süden, abwechselnd werden kalte und warme Luftmassen nach Norden und Süden ausgetauscht. Weiterlesen →

Friederike: Produkt des Klimawandels?

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Sturm FRIEDERIKE zog am 18. Jänner 2018, dem 11. Jahrestag von Orkan KYRILL, über Mitteleuropa hinweg und forderte mehrere Tote, die Einstellung des kompletten Fernverkehrs in Deutschlands sowie immense Waldschäden entlang der deutschen Mittelgebirge. Mit einem minimalen Kerndruck von 976 hPa, erreicht um 11.00 Uhr Lokalzeit in Wittmund (Niedersachsen) handelte es sich nicht um ein ungewöhnlich starkes Sturmtief. Die Druckänderungen („der sogenannte isallobarische Druckgradient) waren dennoch beachtlich: In Norddeutschland wurden vor Durchzug des Tiefdruckkerns verbreitet 100er Drucktendenzen (-10 hPa in 3 Stunden) beobachtet, der Druckanstieg brachte es vor allem in Niedersachsen auf 100 bis 140 Zehntel innerhalb 3 Stunden, der Rekordwert stammt von Friesoythe-Altenoythe nahe Oldenburg, mit 15,7 hPa Anstieg bis 16 Uhr Lokalzeit. Weiterlesen →

Hurrikan Ophelia mit spannender Zugbahn

Hurrikan Ophelia ist der zehnte Hurrikan in Serie und mit derzeit 80 Knoten Spitzenwinden handelt es sich um den stärksten Oktoberhurrikan soweit östlich seit IVAN im Jahr 1980.

Die aktuelle Prognose des Hurrikancenters in Miami lässt ihn bis als Hurrikan an den Azoren vorbeiziehen und dann in Hurrikanstärke in ein außertropisches Sturmtief umwandeln.

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Hierzu ein paar wichtige Anmerkungen:

Die Windgeschwindigkeits-Wahrscheinlichkeiten beziehen sich auf den Wirbel in Tropensturm-Gestalt. Selbst wenn er nicht mehr als Hurrikan, sondern nur noch abgeschwächt als „normales“ Sturmtief auf Irland trifft, kann er weiterhin Orkanböen hervorbringen, wie es der Morgenlauf des amerikanischen Modells gezeigt hat:

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Zu sehen ist hier der Mittelwind (in Knoten) in 850hPa, das sind bei einem Luftdruck von 1013 hPa am Boden 1500m. Durch den starken Druckfall des Sturmtiefs sinkt die 850hPa-Druckfläche jedoch gut 200m ab, d.h., der Mittelwind hier bezieht sich auf nur rund 1300m Seehöhe und kann entsprechend viel leichter zum Boden herabgemischt werden.

Spezielle Modellkarten zeigen auch, dass OPHELIA auch nach der Umwandlung tropische Eigenschaften besitzt, indem der Kernbereich des Tiefs bodennah mit Warmluft gefüllt bleibt. Man spricht von einem „assymetrischen warmen Kern“, weil der Wirbel mit der Höhe versetzt ist und das Tief zunehmend Fronten ausbildet.

Die Asymmetrie führt dazu, dass das Windfeld an der Ostflanke des Tiefs auf der warmen Seite stärker ausgeprägt sein wird als an der kalten Westflanke. Mit der zügigen Verlagerung nach Norden addieren sich an der Ostflanke Verlagerungsgeschwindigkeit und Windspitzen aus Süden, was das Risiko von heftigen Windböen zusätzlich erhöht.  Die Rückseite wird dem recht labil gerechnet und einzelne Schauer reichen dann aus, um den heftigen Südwind bis Südwestwind zum Boden durchzudrücken, in dem oben gezeigten Fall wären das 110-120km/h an der Südküste Irlands und über 140km/h an der Westküste. Die neueren Läufe des Modells zeigen eine westlichere Zugbahn und eine geringere Beeinflussung der Britischen Inseln, das wird sich aber vermutlich noch ein paar Mal ändern bis Montag.

Die Essenz dieses Sermons:

  1. OPHELIA trifft nicht mehr im Besitz aller tropischer Eigenschaften, die ihn als Tropensturm oder Hurrikan klassifizieren lassen, auf europäisches Festland. Die Azoren werden als Hurrikan beeinflusst, Irland und England nicht mehr.
  2. OPHELIA besitzt auch nach der Umwandlung in ein außertropisches Sturmtief noch tropische Eigenschaften wie kräftigen Regen im Warmfrontbereich und ein sehr kräftiges Windfeld um den Kernbereich herum.
  3. Dieses Windfeld ist an der Ostflanke am stärksten ausgeprägt (wie übrigens auch bei Hurrikan NATE kürzlich) und kann dort nochmals Orkanböen hervorbringen, selbst wenn OPHELIA nicht mehr als Hurrikan klassifiziert wurde.
  4. OPHELIA ist der 4. Tropensturm seit 2005, der Europa direkt beeinflusst: Der letzte Tropensturm in Hurrikanstärke traf 2005 auf Portugal und Spanien (Hurrikan VINCE), danach bildete sich im Oktober 2009 sehr weit östlich über lediglich 18-22°C warmen Wasser Tropensturm GRACE, der noch mit stecknadelkopfgroßem Auge an Irland anstreifte, ehe er sich über Wales auflöste.  Danach gab es einen Tropensturm im Mittelmeer (7. November 2011), vom NHC 01M genannt, hierzulande unter ROLF bekannt, der im westlichen Mittelmeer kurzzeitig Tropensturm-Status erreicht hat. Hurrikane im Mittelmeer werden auch Medicane genannt. Weitere Fallbeispiele für Tropenstürme im Mittelmeer gibt es aus den Jahren 1947, 1969, 1982, 1983, 1995 und 2007.
  5. Fast alle Tropenstürme, die vor Europa oder im Mittelmeer entstehen oder bis zum Ostatlantik durchhalten, werden weniger durch die absolute Meeresoberflächentemperatur am Leben gehalten als durch vertikale Temperaturunterschiede. Diese halten die kräftigen Schauer und Gewitter, die für Tropenstürme notwendig sind, aufrecht. Aufgrunddessen entstehen sie überwiegend im Herbst und Winter, wenn der Ozean oder das Mittelmeer relativ warm sind und in der Höhe erste Kaltluftvorstöße vom Nordatlantik den Süden erreichen.

Wurde Xavier vom Klimawandel beeinflusst?

Dritter und hoffentlich letzter Beitrag zu Sturmtief XAVIER vom 5. Oktober 2017.

Ich vernehme in den Sozialen Medien das zunehmende Bedürfnis, Sturmtief XAVIER mit dem Klimawandel in Verbindung zu bringen und sogar in eine Reihe mit den Hurrikanen HARVEY, IRMA, MARIA, etc. zu stellen. Das ist ein Vergleich mit Äpfel und Birnen, auch wenn Hurrikane und XAVIER beide in atlantischem Gewässer entstanden.

Tropenstürme …. entstehen vollkommen anders als Tiefdruckgebiete gemäßigter Breiten:

Für die Entwicklung eines Tropensturms benötigt man …

  • eine Badewanne voll warmen Wassers (ideal: Golf von Mexiko, Karibik, zu klein: Ostsee, Mittelmeer: gerade so ausreichend)
  • geringe oder keine Luftmassenunterschiede (keine Fronten)
  • labile Luftschichtungen, die große Schauer- und Gewittersysteme erzeugen
  • geringer Höhenwind, weil sich sonst der Wirbel am Boden und in der Höhe entkoppeln und das System zerrissen wird
  • Coriolisparameter f > 0: Corioliskraft ist notwendig, damit das Gewittersystem in Drehung versetzt werden kann. Am Äquator entstehen daher keine Tropenstürme.

Für kräftige Tiefdruckgebiete in unseren Breiten benötigt man …

  • große Luftmassengegensätze
  • sehr feuchte und labile Luftmassen (z.B. aus einem ehemaligen Hurrikan heraus entstehend)
  • kräftige Höhenströmung (Jetstream)
  • warmes Ozeanwasser (niedrige statische Stabilität)

Nun könnte man einwenden, dass die Erwärmung der Meeresoberflächen doch auch Sturmtiefs wie XAVIER beeinflusst haben kann. Weiterlesen →