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Manchmal kommt es anders, als man denkt

Das Lokalmodell AROME vom Montag, 24.07.23, 00z-Lauf: Windböen gültig für 17 Uhr MESZ

Gestern Abend waren sich die meisten Lokalmodelle einzig, dass in der Früh eine Gewitterlinie über die Schweiz und Vorarlberg zieht, gegen Mittag Salzburg und Linz erreicht und am Nachmittag Wien. Dabei waren verbreitet Spitzen von 100-130km/h gerechnet worden, im östlichen Flachland sogar 160 km/h. Sogar das Ensemble von ICOND2 hatte im 18er Lauf noch unisono eine schwere Böenlinie für Wien vorhergesagt, im 00z-Lauf war davon nichts mehr übrig. Das Lokalmodell von Kachelmann („Super HD“) hat zwar noch eine Gewitterlinie im Osten, aber nicht mehr zusammenhängend und vor allem nach Norden hin deutlich schwächer als in den Vorläufen:

Windböen um 17 Uhr über Niederösterreich (Quelle)
Auch das Schweizer Lokalmodell hat die Linie deutlich abgeschwächt von der Intensität her (Quelle)
Unverändert stark das EZWMF-betriebene Lokalmodell mit Orkanböen für Wien (Quelle)
Auch das holländische Lokalmodell hat noch Orkanböen im Osten (Quelle), hier ausgehend von Bayern und Oberösterreich die Donau entlang rasend

Was davon wird jetzt eintreffen?

Fakt ist: Es hat heute Vormittag keine Gewitterlinie über Westösterreich gegeben, der Cluster zog südlich des Alpenhauptkamms durch, der Nordteil schwächte sich ab. Ohne existierendes System muss man die gestrigen Lösungen alle in die Tonne hauen.

Aktuell … ist im Radarloop von Deutschland am ehesten über dem Schwarzwald eine bogenförmige Gewitterlinie auszumachen.

Satellitenbild, sichtbarer Kanal, 11.45 MESZ – Quelle: CHMI

Im Satellitenbild sollte man den gelb eingekastelten Bereich die kommenden Stunden im Auge behalten, der Cluster über dem Oberrheintal wird am ehesten über Süddeutschland ostwärts ziehen und kann sich linienförmig entwickeln. Im roten Bereich befinden sich derzeit zahlreiche Superzellen, die eher alpensüdseitig bleiben und dort sehr großen Hagel, lokale Orkanböen und auch Tornados verursachen können. Vorlaufend zum gelben Cluster können aber auch im Norden bzw. Nordalpenbereich jederzeit größere Gewitterzellen entstehen, ebenso mit Großhagelgefahr.

Ob das Timing von 17-18 Uhr in Wien hält, ist damit momentan noch ungewiss, tendenziell wirds eher etwas später jetzt. Es blebt spannend.

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Rückblick, 25.07.23:

Die Kehrtwende der Modelle war korrekt – es hat kein einziges System „lebend“ bis zum Alpenostrand geschafft. Nördlich der Alpen sind alle Cluster nach Osten hin eingegangen.

12z-Aufstieg von Wien, Quelle: Kachelmannwetter.com

Hochlabil, leicht gedeckelt, eher trockene Grenzschicht, stark geschert. Warum reicht das nicht? Ich hab so ein paar Vermutungen:

12z-Aufstieg aus Oberbayern

München schaute ähnlich aus, Absinkbewegungen oberhalb etwa 600 hPa, stark geschert mit über 50kt oberhalb von 600 hPa, aber dadurch auch viel Cirrusgewölk. Die Ambosswolken breiteten sich in Verlagerungsrichtung aus und killten damit ihre eigenen Aufwinde (fehlende Einstrahlung). Am längsten halten starke Aufwindbereiche durch, wenn der Zellkern am Südrand der Gewitterwolke in den wolkenfreien, erhitzten Bereich läuft, und die Ambosswolke etwa im 90-Grad-Winkel abgelenkt ist – so wie seit Tagen in Norditalien und am Balkan.

Es gab gestern den ganzen Tag über keine nennenswerten Druckanstiege mit den Gewitterclustern über dem nördlichen Alpenraum und Süddeutschland. So konnte sich auch nicht wie vor zwei Wochen ein isallobarisches Druckgefälle aufbauen, sodass sich eine Eigendynamik aus vorderseitiger Erhitzung und rückseitigem Cold Pool hätte entwickeln können.

Die Lokalmodell-Rechnungen einer Gewitterlinie waren jedenfalls ab dem Zeitpunkt schon Käse, wo über der Schweiz keine Ostwärtsverlagerung des Systems erkennbar war, sondern dieses nach Nordosten Richtung Baden-Württemberg abgezogen ist. Gewitterlinien beginnen immer zuerst als Gewittercluster, deren Starkniederschläge irgendwann so viel Kaltluft erzeugen, dass sich diese mit dem Rear Inflow Jet bogenförmig/linienhaft ausbreitet. Alternativ kann sich eine Superzelle in ein Bogenecho umwandeln, allerdings dann auf viel kleinerer Skala als die Lokalmodelle es für den Alpenostrand gerechnet haben.

Infrarot-Satellitenbild mit Wolkenobergrenzentemperaturen in Kelvin, 25.07.23, 10.15 MESZ (Quelle)

Der Gewitterbann in Wien wurde heute Vormittag dann gebrochen, weil sich die schweren Superzellen/Multizellencluster über der Alpensüdseite mit der Südwestströmung soweit nach Nordosten ausgedehnt haben, dass sie auf der bodennah einströmenden Kaltluft aufgleiten.

Ljublijana, 25.07.23, 08 Uhr MESZ

Die Alpensüdseite ist heute früh immer noch hochlabil und enorm geschert mit sehr tiefen Untergrenzen: Alle Arten von Unwettern sind möglich, inklusive Tornados.

Mitternachtsaufstieg Wien, 25.07.00 UTC

Wien ist bis 800 hPa (ca. 2km) Höhe stabil geschichtet mit einströmender Kaltluft (Westwinde), darüber noch sehr labil und stark geschert. Daher reicht es auch heute Vormittag noch für einzelne Blitzentladungen im Osten.

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Tornados in Österreich sind nicht neu!

Das ist mir noch ein Anliegen, daher bau ich das jetzt noch ein: In Social Media häufen sich schon wieder Aussagen wie „Jetzt gibt es auch noch Tornados in Österreich, ein weiterer Beleg für die Klimaerwärmung!“

Die Unwetterdatenbank (eswd.org) des ESSL in Wiener Neustadt mit den zwischen den Jahren 2000 und 2012 aufgetretenen Tornadofällen und jeweiligen Intensitäten (F5-Tornado ist in dem Zeitraum keiner aufgetreten), Quelle: European Commission (2013)

In Österreich treten pro Jahr 6-8 Tornados auf:

Tornadoereignisse in Österreich seit dem Jahr 1900, Quelle: Skywarn Austria

Der stärkste dokumentierte Tornado in Österreich trat 1916 in Wiener Neustadt auf, ein starker F4-Tornado mit 34 Toten und über 300 Verletzten. Inneralpin sind Tornados deutlich seltener und meistens schwächer, es gab aber auch in Ellmau im Tiroler Unterland am 25. August 2012 einen F2-T5-Tornado.

Tornados hat es also schon immer gegeben. Starke Tornados gibt es mit Ausnahme von Winterstürmen nur mit rotierenden Gewitterwolken. Die Bedingungen für Gewitter sind Feuchte, Labilität und Hebung, für rotierende Gewitterwolken braucht es zusätzlich starke Richtungs- und Geschwindigkeitsänderungen mit der Höhe – für starke Tornados braucht es zusätzlich starke Winde in Bodennähe. Und diese Wetterkonstellationen sind weiterhin sehr selten, in der Poebene rein statistisch noch häufiger als im Alpenraum.

Bei Starkregen, Häufigkeit von Großhagel, Hitzewellen, Dürren müssen wir gar nicht diskutieren – der Zusammenhang zur Erderhitzung ist klar. Bei Tornados gibt es noch keinen klaren Trend. Es wird aber jährlich zum Trend gemacht, weil das Langzeitgedächtnis vieler Menschen schlecht ist und über das, was klimatisch bei uns möglich ist, nicht angemessen aufgeklärt wird. Wie bei der Pandemie ist auch Prävention in Österreich unterrepräsentiert. Bei Unwetterwarnungen wird das Fernseh- und Radioprogramm nicht oder selten unterbrochen. Zivilschutzalarm fehlt, die Online-Medien, allen voran der ORF, müssten breite Banner mit Unwetterwarnungen haben, in den 20-120 Sekunden Wetterbericht schafft man kaum vernünftige Informationen, die auch erzieherischen Effekt haben – sprich: erklären, warum und wie etwas entsteht, welche Auswirkungen es hat und wie man sich schützen kann, aber auch, wie man etwas interpretieren muss – gerade im Hinblick auf die Wetterapps (mehr dazu hier).

PS: Zu guter Letzt: Wettervorhersagen kritisieren will gelernt sein.

30.4.19: Tornados in Rumänien so ungewöhnlich?

Ein Tornado hat gestern im Osten von Rumänien einen Reisebus erfasst und Dutzende Meter durch die Luft gewirbelt, ehe er auf ein Feld krachte. Von den 40 Insassen wurden dabei mindestens zwölf verletzt, vier von ihnen schwer, berichteten Medien.

Der Tornado verfehlte anschließend knapp das Dorf Dragalina, deckte jedoch laut Medienberichten einige Dächer ab und entwurzelte Bäume. Angesichts dieses für Rumänien ungewöhnlichen Wetterphänomens warnten Meteorologen vor möglichen weiteren Windhosen, vor allem in der Tiefebene.

 

abgerufen am 01.05.2019, 12.23 MESZ

Dazu gibt es eine Studie von Antonescu & Bell (2014), die die Tornadohäufigkeit zwischen den Jahren 1822 und 2013 untersucht hat. Zwischen 1822 und 1944 wurden 33 Tornados registriert, zwischen 1945 und 1989 nur 7, von 1990 bis 2013 immerhin 89 Tornados. Die meisten traten zwischen Mai (36 Fälle) und Juli auf, am häufigsten im Osten des Landes mit Schwerpunkt Südosten.

Der kürzliche Tornado ereignete sich im Südosten von Rumänien. Weiterlesen →

Ungewöhnlich oder ganz normal?

Ganz im Stil der Falter-Kolumne „7 Sachen, die Sie über Wetterphänomene in Österreich nicht wussten …“

1 Gewitter im Winter? Dafür ist es doch viel zu kalt?

Der populärwissenschaftliche Ansatz, Gewitter in Front- und Wärmegewitter zu unterteilen, ist mitverantwortlich dafür, dass Gewitter während der Wintermonate als ungewöhnlich wahrgenommen werden. Wärmegewitter suggeriert, dass es für Gewitter unbedingt sehr warm oder heiß sein muss. Wenn es also (subjektiv) kühl oder kalt ist, kann es keine Gewitter geben.

Fallbeispiel vom 27. August 2011, Ostalpenraum

Ein markanter Höhentrog liegt über Westeuropa, vorderseitig wird über den Osten Österreichs und am Balkan sehr heiße Luft herangeführt, von Frankreich, Benelux und der Schweiz her strömt deutlich kältere Luft nach. An der Luftmassengrenze entstehen heftige Gewitter über der Alpensüdseite (in der Warmluft), Entladungen werden aber auch im Nordalpenraum, etwa im Wipptal, beobachtet – bei 8 bis 12°C Lufttemperatur. Obwohl die Bewölkung dort eher einen herbstlichen Charakter annimmt, kompakt und tiefbasig, blitzt es bei teilweise einstelligen Temperaturwerten. Am Nachmittag verschärften sich die Temperaturgegensätze – am Arlberg schneit es bis Passhöhe (1750m) herab, im Osten liegt die Schneefallgrenze noch bei 4500m. 27-08-11-12Es gibt also selbst im Sommer nicht zwingend immer nur bei Hitze Gewitter.  In Wien geschieht es recht häufig, dass die eigentliche Kaltfront von Westen her trocken durchgeht. Der Wind frischt aus Westen auf, die Nacht verläuft relativ mild, aber nicht mehr schwül. Tagsüber steigen die Temperaturen kaum an, dafür ziehen die Gewitter nun von Süden heran wie an jenem Augusttag 2011. Kühler Bodenwind aus Nordwest, darüber mit straffer Südströmung Gewitter, eine typische Gegenstromlage am Alpenostrand.

Im Winterhalbjahr entstehen Gewitter genauso wie im Sommer. Der einzige Unterschied ist der, dass der Input der Sonne häufig geringer oder vernachlässigbar ist. Dass was von unten als Heizung fehlt, macht die Höhenkaltluft wieder wett. Im Winterhalb kühlt es in den oberen Atmosphärenschichten stärker ab. Der treibende Motor von Gewitter sind neben feuchten Luftmassen und Vertikalbewegungen Temperaturdifferenzen zwischen Boden und Höhe. Die Absoluttemperatur spielt bei der Gewitterentstehung eine geringere Rolle! Sehr hohe absolute Werte begünstigen natürlich hohe absolute Feuchte und damit verbunden Starkregen und Großhagel, während bei sehr niedrigen Werten im Winter eher Graupel oder ausschließlich Schnee mit von der Partie sind. Mit anderen Worten: Die Temperatur, die ich am Erdboden empfinde, ist irrelevant für die Gewitterbildung. Wie kalt es in der Höhe ist, kann ich dadurch nicht abschätzen. Der Meteorologe kann das anhand des Wolkenbildes, wie hochreichend die Schauerbewölkung aussieht.

Die meisten Wintergewitter entstehen in Zusammenhang mit einem Kaltfrontdurchgang. Im Spätwinter auch zunehmend rückseitig einer Kaltfront mit der Höhenkaltluft („Aprilwetter“). Dann beginnt die Sonneneinstrahlung auch wieder vermehrt, die vertikalen Temperaturgegensätze zu verschärfen. Der letzte prominente Gewittertag im Winter war der Heilige Morgen (24.12.2018), vgl. dazu meine Fallstudie. Weitere berühmte Fälle sind die Kaltfront in Zusammenhang mit Orkan Kyrill (18.-19.01.2007) und Orkan Emma (01.03.2008). Auch bei Sturmtief BURGLIND am 03.01.2018 sind Gewitter aufgetreten.

Zusammengefasst: Gewittern ist die Tageszeit und Jahreszeit ebenso egal wie die Temperatur am Erdboden. Wichtig sind genügend Feuchte in den unteren und mittleren Luftschichten, genügend Aufwärtsbewegung (Hebung) und große Temperaturgegensätze zwischen unteren und mittleren/oberen Luftschichten.

2 Heute ist so ein trüber Tag, kaum vorstellbar, dass oben auf dem Berg die Sonne scheint.

Im Zeitalter von Webcams verwundert mich immer wieder, wie überrascht viele Wanderer sind, wenn sie durch den Nebel fahren/schweben/wandern und plötzlich die Sonne herauskommt.

Das Zauberwort heißt Inversion, von lat. inversio = Umkehrung.

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Blick vom Gaisberg (1287m) über den Mühlstein (1059m) zu den Hohen Tauern, links das Tennengebirge, rechts das Hagengebirge – 21.November 2018

Oben ist eine klassische Inversionswetterlage bei einem spätherbstlichen Hochdruckgebiet skizziert: Die Hochnebelschicht im Salzachtal reichte bis etwas über 1000m Höhe. Darüber war die Luft sehr trocken mit ausgezeichneter Fernsicht bis zum Ankogel (84km entfernt). Mit der südlichen Höhenströmung hat sich eine schwache Föhnmauer über den Hohen Tauern gebildet. Die Grenze zwischen feuchter und trockener Luft ist nicht nur an der Wolkendecke, sondern auch der scharf abgegrenzten Dunstschichten darüber gut erkennbar. Auch unterhalb der Hochnebeldecke herrscht leidlich gute Sicht, dort liegen Temperatur und Taupunkt etwas weiter auseinander als in der Hochnebelschicht (Temperatur = Taupunkt = 100% relative Luftfeuchte).

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Watzmann und Hochkalter, 21.11.2018

Wann immer oben die Sonne scheint und unten eine Nebel- oder Hochnebeldecke liegt, hat man es mit einer Inversionslage zu tun. Je nachdem, wie kräftig das Bodenhoch ist, liegt die Inversion in unterschiedlicher Höhe. Man spricht auch von Absinkinversion, weil die Inversion durch absinkende Luftbewegungen unter Hochdruckeinfluss zustande kommen.

3 Oben ist es viel wärmer als unten!

Die kleine Schwester der Absinkinversion ist die Bodeninversion. Wie der Name schon sagt, findet die Temperaturzunahme mit der Höhe unmittelbar über dem Boden statt. Sie entsteht durch die kräftige nächtliche Auskühlung, begünstigt durch eine klare windstille Nacht mit schneebedecktem Boden.

 

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Webcambild von Zell-am-See (Quelle: foto-webcam.eu) vom 17. Februar 2019, 07.00 MEZ, mit Blick von Osten auf den Zeller See

Die noch dünne Eisdecke auf dem See schirmte vom wärmeren Tiefenwasser ab. Dadurch konnte die Talfurche vom Saalacher Becken bis ins Salzachtal auf ganzer Länge kräftig auskühlen bis zum Erreichen des Taupunkts (–> Bodennebel). Zum Zeitpunkt des Webcambildes wurden in Zell am See (750m) -9°C, auf der Webcam-Standort-Höhe in 1000m -2°C und auf 1800m +3°C. Am stärksten ist die Temperaturzunahme auf den untersten Metern über der Seeoberfläche.

Am selben Tag zeigte ein Wetterballonaufstieg in München-Oberpfaffenhofen um 01.00 nachts einen Temperatursprung von -1,1°C in 492m auf +11,2°C in 612m, das macht 12 Grad Differenz auf nur 120 Metern Höhenunterschied!

Wie die Absinkinversion setzt auch die Bodeninversion stabile Wetterverhältnisse voraus. Bodeninversionen sind jedoch oft kurzlebiger und können ab dem Spätwinter von der Sonneneinstrahlung weggeheizt werden. Ganztägig groß bleiben die Unterschiede nur im Früh- und Hochwinter bei gleichzeitig kurzer Sonnenscheindauer und wenig Windeinfluss. Im Laufe einer längeren Hochdruckphase mit hohem absoluten Luftdruck kann die Absinkinversion bis auf Bodeninversionshöhe absinken, wie Mitte Februar 2019 und in der Hochdruckphase (Prognose) ab 23. Februar 2019:

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Wetterballonaufstieg vom Montag, 18. Februar 2019, 01.00 MEZ, München-Oberschleißheim, Quelle: Wyoming Soundings

Wie im skizzierten Wetterballonaufstieg vom Gaisberg sieht man hier sehr trockene Luftmassen in der Höhe, jedoch keine feuchte Schicht in Bodennähe. Die trockene Absinkluft hat sich fast bis zum Boden durchgesetzt. In windgeschützteren Alpentälern sind zwar weiterhin flache Nebelschwaden möglich, aber in der Mächtigkeit und Langlebigkeit schon deutlich begrenzt auf die sehr niedrige Inversionshöhe.

4 Warum schmilzt der Schnee bei deutlichen Plusgraden kaum?

Im letzten Beitrag habe ich dieses vermeintliche Paradoxon schon erläutert. Die Kurzfassung: Bei sehr niedrigen relativen Feuchten unter 30 % und gleichzeitigen Plusgraden bis etwa 10°C sublimiert der Schnee großteils, weil Taupunkt und Feuchttemperatur negativ sind, d.h., der Schnee geht von der festen direkt in die gasförmige Phase über. Dieser Prozess ist sehr energieaufwändig und die Schneedecke nimmt dadurch kaum ab. Wenn der Taupunkt negativ bleibt, die Feuchttemperatur aber über Null Grad steigt, geht der Schnee durch Schmelzen sowohl in die flüssige, als auch in die gasförmige Phase über. Der Übergang in die flüssige Phase lässt die Bindungen zwischen den Eiskristallen aufbrechen und die Masse der Schneedecke nimmt schneller ab. Steigt schließlich auch der Taupunkt in den Plusbereich, geht der Schnee ausschließlich von der festen in die flüssige Phase über – er taut.

5 Südföhn im Süden, Nordföhn im Norden?

In Österreich ist vor allem der Südföhn bekannt, er weht in den sogenannten prädestinierten Föhnschneisen, wie wir Meteorologen es auszudrücken pflegen. Bevorzugt sind hier vor allem Alpenpässe und Täler queer zum Alpenhauptkamm, wie Rheintal, Reschenpass, Wipptal und Gasteiner Tal, Pyhrnpass, in weiterer Folge auch das Inntal und Salzachtal und bei starkem Südföhn etliche Täler nördlich des Alpenhauptkamms.

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Südföhnregionen an der Alpensüdseite (rot), Nordföhnregionen an der Alpennordseite (blau), maps-for-free.com

Weniger bekannt ist, dass es natürlich auch Südföhn südlich des Hauptkamms gibt, wie im südlichen Lungau über den Katschberg oder generell der Jauk in Unterkärnten und in der südlichen Steiermark, über die Karawanken, Steiner Alpen und Bachergebirge.

Umgekehrt kommt Nordföhn nicht nur im Süden vor, sondern auch entlang der großen Quertäler der Nordalpen, wie im Oberinntal zwischen Landeck und Innsbruck sowie vor allem rund um Aigen. Essentiell für den Föhn ist ein ausreichend mächtiges Gebirge, auf dessen wind abgewandter Seite die Strömung bis ins Tal absteigen können. So ist das Inntal weder für Süd- noch für Nordföhn geeignet (Innsbruck ausgenommen), sondern erfährt die schönsten Föhnwolken und die kräftigste Erwärmung bei Westföhn, wie etwa am 18. März 2007, Frühtemperatur +0,2°C am Flughafen Innsbruck, Höchstwert +22,0°C. In der Nacht mit Kaltfrontdurchgang wieder 0,6°C an der Uni.

Auch am Alpenostrand gibt es Westföhn, er sorgt auch über Wien oft für die schönsten Föhnfische und hohe Tageshöchstwerte bei stürmischem Westwind.

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Westföhn über dem Wiener Becken, Februar 2011

Hand in Hand mit Nord- und Südstau gehen auch die tiefe Bewölkung und Niederschlag auf der einen Alpenseite und die sonnigen Auflockerungen mit wärmer Luft auf der anderen. Wenngleich die oft in Schulbüchern gezeigte thermodynamische Föhntheorie veraltet ist, nach der die Erwärmung durch das Abregnen im Luv kommt und der Abtrocknung im Lee. Tatsächlich wird bei Föhn leeseitig die potentiell wärmere Luft in über Kammniveau zum Boden transportiert, unabhängig davon, was im Luv passiert. Ausnahme sind nur die Alpenpässe, wo die luvseitig kältere Luft hindurch zu strömen vermag.

6 Tornados im Alpenraum? Das muss der Klimawandel sein!

Vor einigen Jahren war ich noch skeptisch, ob Häufigkeit und Intensität von Tropenstürmen tatsächlich unter Einfluss des Klimawandels zunehmen. Die letzten Jahre haben gezeigt, dass zwar die Anzahl der Stürme und Hurrikane variabel bleibt, aber Hurrikane sich rascher intensivieren und intensiveren Starkregen hervorbringen. Das hängt direkt mit dem wärmeren Ozean zusammen, der Motor für die Intensität der Tropenstürme. Die hohe Variabilität der Häufigkeitsverteilung liegt jedoch an den Meeresströmungen (El Nino versus La Nina) und diversen Zirkulationen (MJO, Walker-Zirkulation, etc.), ebenso wie an großräumigen Windströmungen in der Höhe. Je schwächer der Höhenwind, desto besser kann sich ein Tropensturm entwickeln, der aus einem unteren und oberen Wirbel besteht. Bei starken Höhenwinden reißt es beide Wirbel regelrecht auseinander. Das ist also gar nicht so trivial, was die Vorhersage deutlich erschwert.

Bei Tornados spielen Wärme und Höhenwind ebenfalls eine wichtige Rolle, aber noch viel, viel kleinräumiger als bei Tropenstürmen, obwohl es sich bei beiden Phänomenen um Wirbel um eine senkrechte Achse handelt. Signifikante Tornados in Mitteleuropa benötigen kräftige Schauer (nicht zwingend Gewitter), damit verbunden kräftige Aufwinde und starken Wind in der bodennahen Schicht, verbunden mit einer Winddrehung mit der Höhe. Günstig sind außerdem eine hohe Bodenfeuchte, weil dann die Wolkenuntergrenze niedrig ist und die Distanz, die der Wirbel zum Boden überwinden muss, kurz ist. Ideal sind also Wetterlagen mit großen vertikalen Temperaturdifferenzen (vgl. Punkt 1 – Gewitter im Winter), entweder durch sommerliche Wärme oder winterliche Höhenkaltluft verursacht, und eine straffe Höhenströmung mit kräftigem Wind außerdem zwischen Boden und ca. 2km Höhe. Dazu reichen auch schon ein Sturmtief und eine markante Kaltfront aus.

Tornados gab es in Mitteleuropa schon immer, einer von beiden F5-Tornados ereignete sich im Jahr 1764 in Woldegk, Mecklenburg-Vorpommern. Am 23. April 1800 gab es einen weiteren F5-Tornado in Hainichen, Sachsen. Aus der jüngeren Vergangenheit werden immer wieder Pforzheim 1968 (F4-Tornado) und Hautmont, Frankreich 2008 (F4-Tornado) genannt.

In Österreich erinnere ich mich noch gut an den F2-T4-Tornado am 25. August 2012 in Ellmau, Tirol. Seit dem Jahr 1570 sind 180 Tornadoereignisse in Österreich durch die Europaische Unwetterdatendank (ESWD) verifiziert. Der letzte bekannte Tornado fand am 15. Juli 2017 am Schwechater Flughafen (!) statt (Video), der letzte starke am 21. Juli 2016 in Karlstein, Waldviertel (F2-T4).

eswd-tornados

Regionale Verteilung der 180 Tornados des ESWD in Österreich

Die Häufung der Tornados in größeren Städten hängt zwangsläufig den höheren Chancen für eine Sichtung zusammen, aber nicht nur. Speziell im Südosten Österreichs und am Alpenostrand sind auch die klimatischen Bedingungen günstig, eine Kombination aus schwülwarmer Luft von der Adria und der Interaktion der Windströmungen mit dem Berg- und Hügelland. Inneralpin wurden bisher nur sehr wenige Tornados beobachtet.

Der mit Abstand stärkste Tornado in Österreich fand bereits am 10.Juli 1916 in Wiener Neustadt statt. Die Intensität wurde mit F4-T8 eingestuft, wobei einzelne Hinweise in den Schäden auch F5 in den Raum stellen. 328 Menschen wurden verletzt, 34 starben. Über 150 Häuser wurden beschädigt (Abschlussbericht des ESWD-Forschungsprojekts 2013)

Die Frage sollte damit beantwortet sein – Tornados gab es schon immer. Im Gegensatz zu Hurrikanen ist trotz der enorm verbesserten Beobachtungstechnik (Webcams, Smartphones, Kameras) und Sensibilisierung der Bevölkerung und Fachleute (Wissenschaftliche Projekte, Berichterstattung) keine Zunahme an Tornadoereignissen feststellbar. Im Gegenteil – in den letzten Jahren nahm die Anzahl in Mitteleuropa sogar eher ab. Das liegt am Rückgang schadensträchtiger Gewitterlagen, genauer gesagt haben in den vergangenen Sommern die gradientschwachen Lagen (wenig Wind in allen Höhen) zugenommen, wodurch starke Tornados generell unwahrscheinlicher werden. Das passt zur allgemeinen Tendenz der sich abschwächenden Jetstreams in den gemäßigten Breiten (Temperaturgegensätze zwischen Nordpol und Tropen schwächen sich ab). Im Winterhalbjahr treten weiterhin punktuell (starke) Tornadoereignisse in Zusammenhang mit Sturmtief-Kaltfronten auf, wie z.b. am 23.September 2018 mit FABIENNE (meine Analyse).  Stürme wie XAVIER (05.10.2017) oder FRIEDERIKE (18.01.2018) liefern jedoch keine günstigen Bedingungen für Tornados, weil die Kaltfronten oft unterentwickelt sind und keine kräftige Konvektion beobachtet wird. In Summe ist also keineswegs in trockenen Tüchern, dass im Zuge des Klimawandels Tornados häufiger werden.

7 Industrieschnee: Das weiße Gold unter Hochdruckeinfluss

Industrieschneefall entsteht bei länger anhaltendem Hochdruckeinfluss mit Dauerfrost am Boden und milder Luft in der Höhe. Weitere Voraussetzungen:

  • Temperatur zwischen -5 und -8°C in 200 m Höhe (empirischer Wert)
  • genügend Feuchte in Bodennähe (dichter Nebel)
  • Künstliche Kondensationskeime (Rußpartikel) + Wasserdampf durch Industrieanlagen

Die künstlichen Aerosole fungieren als Ersatz für die fehlende Eiswolken in höheren Luftschichten. Die unterkühlten Wolkentröpfchen treffen nun auf die Rußpartikel und bilden Schneekristalle, die wegen der kurzen Fallstrecke nicht verdunsten und zu Boden fallen. Zudem sorgt die kurze Fallzeit für feinen, nadeligen Schneefall, der lokal begrenzt – nahe Industrieanlagen – auftritt, und somit von gewöhnlichem Schneefall eindeutig unterscheidbar ist.

industrieschnee

MODIS Satellitenbild vom 22.Dezember 2007, Sondenaufstieg De Bilt vom 20. Dezember, 13 MEZ

Zwei Tage vor der gezeigten Aufnahme von TERRA vom 22.12.2007 gab es flächendeckend eine Stratusdecke, die für den notwendigen Wasserdampf sorgte. Die hellen Flecken zeigen teils beträchtliche Mengen an Industrieschnee (10 cm und mehr, örtlich sogar über 20 cm) in der Nähe von Städten und Industrieanlagen. Im Extremfall wurden auch schon rund 30cm Industrieschnee beobachtet.

Selbst habe ich geringere Mengen Industrieschneefall schon im Süden Wiens beobachtet (Silvester 2010), auch in Miltenberg am Main wurde er schon unweit der Papierfabrik gesichtet.

Sensationsjäger beim ZDF

Eine mehr als peinliche Dokumentation hat der ZDF mit „Wetterjäger in Deutschland“ abgeliefert.

Gewitter, Orkane, Starkhagel (00:27)

Starkhagel gibt es nicht. Hagel(schlag) kann dicht sein (kleine Hagelkörner, aber massenweise) oder groß (vom Durchmesser).

Sogar Tornados sind in unseren Breiten keine Seltenheit mehr. (00:36)

Tornados hat es schon immer in Mitteleuropa gegeben.

„Doch wo und wann genau wird das Unwetter zuschlagen?“ (01:23)

Reißerischer geht es nicht mehr. Bei keiner noch so schweren Unwetterlage rennen die Meteorologen mit angsterfülltem Blick wie aufgescheuchte Hühner durch das Büro. Das wäre auch ziemlich unprofessionell, nicht?

„Aber des sieht wirklich harmlos aus auf de Wetterkarten“ (02:15)

radarbild

Auf dem Bildschirm ist ein aktuelles (!) Radarbild (!) zu sehen und keine Vorhersage (02:08), die eingekreisten Bereiche zeigen an, wo sich bereits überall Schauer und Gewitter entwickelt haben. Im Bereich der Schwäbischen Alb sieht man eine kräftigere Gewitterzelle.

Daraus abzuleiten, es sehe harmlos aus und wie sich die Entwicklung überhaupt weiter gestaltet, ist schon sehr gewagt.

Eine Größe von 5 cm ist mittlerweile auch in Deutschland keine Seltenheit mehr (4:01)

Der nächste Unsinn. Beim Hagelunwetter in München am 12.Juli 1984 gab es sogar 10-14 cm große Geschosse. 5 cm werden bei fast jeder größeren Schwergewitterlage im Sommer erreicht.

06:18: Dass die Schadenssumme steigt, liegt am steigenden Wert der versicherten Güter, aber auch daran, dass etwa Wintergärten und Gewächshäuser sehr beliebt sind. Davon bereinigt auf eine Zunahme an Hagelereignissen zu schließen, ist schwierig.

07:20: Die Schwäbische Alb zählt  statistisch gesehen zu den Regionen, wo am häufigsten Hagel und Großhagel auftreten. Hier strömt feuchtwarme Mittelmeerluft von Südwesten heran, die einen sehr hohen Flüssigwassergehalt aufweist. Dieser ist für extrem großen Hagel Voraussetzung. Da die Albfläche höher gelegen ist als etwa das Norddeutsche Tiefland, schmilzt der Hagel auf dem Weg von der Gewitterwolke zum Erdboden nicht so stark ab und erreicht mit größerem Durchmesser als in tiefergelegenen Regionen die Oberfläche.  Je nördlicher, desto absolut trockener ist im Durchschnitt die Luftmasse, das gilt auch für das Hochgebirge. Ausschließen kann man großen Hagel aber nirgends.

Auch in Deutschland sind Tornados längst keine Seltenheit mehr (9:02)

s.o. , die Europäische Unwetterdatenbank (ESWD) belegt, dass Tornados seit dem frühen Mittelalter beobachtet wurden.

12:45 Andreas Friedrich, Tornadobeauftragter des DWD, stellt endlich klar, dass „Deutschland auch ein Tornadoland“ sei.

Ob der (Wind) sich zu einem Tornado verstärkt, können sie noch nicht abschätzen (13:53)

Ein kalter Ausfluss aus einem Gewitter wird nicht einfach so zum Tornado, der Tornado ist ein abgegrenztes Gebilde innerhalb eines Gewitters. Zwar in unterschiedlichen Formen, aber eben nicht so einfach wie hier gesagt.

14:27 So, jetzt wird mal eben suggeriert, dass Hurrikans Tornados sind.

Mit einem solchen Wirbelsturm rechnen Marco und Benjamin heute zwar nicht (15:44)

Und erneut werden Hurrikane und Tornados in einen Topf geworfen.

19:30 Das Klischée der Fachidioten (seufz). Auch Meteorologen setzen nicht blindlings auf „Super-Computer“, Intuition ist immer mit dabei. Synoptisch gewürztes Bauchgefühl, wie man auch sagt.

Ein riesiges Tiefdruckgebiet entsteht vor Schottland. Kalte Polarluft zieht nach Europa und trifft auf warme Meeresströmungen aus dem Golf von Mexiko (21:10)

Öhmmm … nein:

tief

Quelle: maps-for-free.com

Der Landwirt sagt für die erste Testwoche milde Temperaturen […] (21:26)

Bezugsort? Das ist zudem keine Langfristprognose. Es kann nicht einmal nachvollzogen werden, welche Wetterlage geherrscht hat. Der Zuseher wird im Unklaren gelassen.

25:11 Alles klar, seine Fehlprognose liegt am Klimawandel. Böse Zwetschgen.

Doch dieses Mal waren die Bienchen wohl etwas vorschnell (26:17)

Weil phänologische Beobachtungen nur den Ist-Zustand zeigen, keine Prognose?

Wer hätte etwa angesichts des Wintereinbruchs Ende November geglaubt, dass dies die letzte schneereiche Phase im gesamten Winter 13/14 bleiben würde?

28:22 Ja eh, Bauernregeln schlagen Super-Computer bei einer Prognose ohne Bezugsort.

Ich habe mir die Sendung die vollen 28 Minuten geben, aber schon nach 36 Sekunden war klar, dass dies keine seriöse Dokumentation werden würde. Vom Niveau her eher bei Boulevardsendungen angesiedelt. Mehr als beschämend, wenn deutsche Bürger dafür eine Haushaltsabgabe abdrücken müssen.