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Erstaunliche Folgen von Physik?

Der erste Wintermonat flippt aus, und die Journalisten brauen sich ihre Sensationsstories zusammen.

So berichtet der SPIEGEL heute von einem Orkantief im Nordatlantik.

Irgendwie gingen sachliche Bezeichnungen, die in Mitteleuropa seit offizieller Verwendung der Beaufortskala (Anfang 20. Jahrhundert) üblich sind, verloren. Das im Artikel beschriebene Orkantief erhält folgende Umschreibungen
  • extremer Sturm
  • extremer Tiefdruckwirbel
  • extremes Tiefdruckgebiet
  • starker Sturm
  • riesige Tiefdruckgebiete
  • kräftiger Sturm

Der Luftdruck werde dort in den kommenden Stunden auf rund 920 Millibar absacken, berichten Wetterdienste – ein Extremwert, Durchschnitt sind etwa tausend.

Extremwert ist richtig, der Allzeitrekord liegt bei 914 hPa über dem Nordatlantik (10.01.1993, Braer-Storm). Vom Durchschnittswert darf man aber nicht ausgehen, denn im Winter tummeln sich unzählige Sturm- und Orkantiefs mit Kerndrücken unter 970 hPa in der Region.

Zwei benachbarte riesige Tiefdruckgebiete dürften den Windvorhersagen zufolge auf Hunderten Kilometern Breite auf Hurrikanstärke beschleunigen.

Zwei Mal Vorsicht!

  1. zeigt die Modellkarte im Beitrag die mittlere Windgeschwindigkeit in 850 hPa Höhe, das entspricht zum berechneten Zeitpunkt rund 1200 bis 1400 m Seehöhe, nach Süden hin zunehmend.
  2. befindet sich das langgestreckte Starkwindband im Warmsektor des Tiefdruckgebiets (siehe Vorhersagekarte von GFS darunter)
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Quelle: http://www.wetter3.de – gültig für 30.12.2015, 07 MEZ

Die stärkste Isobarendrängung wird im Warmsektor des Orkantiefs bei Island (hier: 926 hPa) bzw. des Randtiefs bei Irland (hier: 975 hPa) erreicht. Warme Luft ist weitgehend stabil geschichtet, d.h., die in der EZMWF-Karte gezeigte mittlere Windgeschwindigkeit von 35 bis 40 m/s (126-144 km/h, im weißen Bereich  > 150 km/h) wird über weite Strecken nicht 1:1 zum Boden durchgemischt. Die Spitzenböen nahe der Meeresoberfläche betragen dann „nur“ 100 bis 120 km/h.

Höhere Windspitzen sind bei Island verbreiteter anzutreffen, weil sich starke Höhenwinde und instabil geschichtete Kaltluft überlappen, und orographische Effekte hinzukommen (Föhn, Kanalisierung).

Und den Begriff Hurrikanstärke sollte man für tropische Wirbelstürme vorbehalten. Hierzulande spricht man von Orkanstärke (> 117 km/h). Punkt.

…erstaunliche Folgen …schaufelt …milde Luft aus Süden …nach Norden

Nein, Physik.

Am Nordpol gibt es am Mittwoch demnach ähnliche Temperaturen wie derzeit im Süden Kaliforniens oder in Deutschland. Die Eisdecke im Nordmeer dürfte oberflächlich tauen.
Aber höchstens kurzzeitig, denn 24 Std. später ist der Warmluftvorstoß Geschichte. Grund: Das Orkantief bleibt kleinräumig und entwickelt kein umfangreiches Tiefdrucksystem, das über mehrere Tage hinweg Warmluft bis zum Nordpol schaufeln kann, vgl. die Temperaturkarten von GFS für Mittwochfrüh und Donnerstagfrüh:
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Die Warmluft ist zwar weiterhin über Mitteleuropa bis zum Nordmeer erkennbar, allerdings unter Hochdruckeinfluss und bleibt damit großteils durch eine Temperaturinversion (Sperrschicht) vom Boden entkoppelt, mit Ausnahme der Föhnregionen (norwegisches Küstengebirge).

An Deutschland geht das Naturereignis vorbei. Die Wetterdienste sagen für die nächsten Tage ruhiges Winterwetter voraus – bei Temperaturen meist knapp über dem Gefrierpunkt.

Was soll sich bei uns auch ändern, wenn das Förderband von Süden nach Norden reicht und damit das Hochdruckgebiet bei uns bzw. über Skandinavien weiter stützt?

Key facts:

  • Das extreme Tief ist ein Orkantief (Kerndruck unter 955 hPa).
  • Der mutmaßliche Höhepunkt bei 920 hPa ist ein Extremwert, aber kein Rekord.
  • Sturmtiefs mit unter 970 hPa sind im Nordatlantik um diese Jahreszeit normal.
  • Die markante Warmluftzufuhr bis zum Polarkreis ist nur von kurzer Dauer (< 24 Std.) und Tauvorgänge sollten sich entsprechend in Grenzen halten.
  • Der stärkste Höhenwind (siehe gezeigte Modellkarte im Artikel) findet auf der warmen, stabilen Vorderseite der Tiefdruckgebiete statt, und schlägt damit nur stellenweise bis zum Boden durch (z.B. im Lee von Gebirgen, Erhebungen).
  • In Deutschland ist das Naturereignis verantwortlich für ruhiges Winterwetter, denn die herangeführte Warmluft stützt das Skandinavienhoch und hält weitere Tiefdruckgebiete vom Atlantik her vorerst vom Leib.
  • Strenggenommen kommt der aktuelle Warmluftvorstoß (Dienstagfrüh) viel weiter nach Norden als der durch das nachfolgende Tief:
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Das Unwetter, das herrschte

Laut ORF-Meldung vom 19. Dezember 2015 ereignete sich in Longyearbyen auf der Inselgruppe Spitzbergen (norwegisch Svalbard) ein Lawinenunglück mt einem Toten und mehreren Verletzten, mehrere Holzhäuser wurde am Samstagvormittag von einer Lawine mitgerissen, laut der Zeitung „Svalbardposten“.

Außerdem deckte der Sturm das Dach einer Schule im Ort ab und verfrachtete es auf ein Fußballfeld. (Quelle)

Als Ursache etwas schwammig formulierte der ORF:

“ In der Nacht vor dem Unglück herrschte der Zeitung zufolge das schwerste Unwetter seit 30 Jahren.“

Nennen wir doch die Butter bei den Fischen! So weit im Norden Europas kann es sich nur um einen veritablen Schneesturm gehandelt haben. Aber ist das nicht normal für diese Region? Was war so besonders an diesem Ereignis?

Schauen wir uns die Bedingungen am Vortag bis zum Zeitpunkt des Unglücks anhand der Flughafenbeobachtungen von Longyearbyen an:

Im Laufe des Donnerstagabends setzte leichter Schneefall bei zunehmend stürmischem Ostwind ein, besonders am Freitagabend schneite es über Stunden hinweg stark, dazu wehte ein stürmischer Ostwind mit orkanartigen Böen, z.B. um 16.50 MEZ:

ENSB 181550Z 09031G46KT 0500 R10/0800V1200 +SN VV010 M03/M04 Q0983 RMK WIND 1400FT 09046G62KT

Quelle: http://www.navlost.eu/aero/metar/

Der starke Schneefall dauerte bis Samstagmorgen, 8.50 MEZ an, Windspitzen wurden zwar keine mehr gemeldet, der Wind jedoch weiterhin als „remarkable“ (RMK) angegeben.

Die Lawine ging ca. 2 Std. später ab. (Quelle)

Zeit für einen Blick auf die Weltkarte:

Spitzbergen liegt im Arktischen Ozean weit im Norden Europas.

spitzbergen-groß

Der Ort Longyearbyen befindet sich an der Küste des Isfjord im Adventdalen:

spitzbergen-zoom

Quelle: www.maps-for-free.com

Das Adventdalen ist nach Südosten orientiert und erklärt zugleich die häufig gemeldeten Südostwinde (140 Grad) im METAR. Longyearbyen selbst liegt eingeschnitten in einem engen Trogtal, dem Longyeardalen:

spitzbergenklein

Quelle: http://www.researchinsvalbard.no/project/7494

Zum Zeitpunkt des Schneesturms jedoch wurde die Windsituation nochmals verschärft:

Am Freitagabend und in der Nacht zum Samstag saß ein Sturmtief knapp südlich von Spitzbergen. Seine okkludierende Warmfront überzog Spitzbergen mit anhaltendem Starkschneefall. Bemerkenswert ist jedoch die enorme Drängung der Isobaren genau über dem südlichen Spitzbergen!

2015121818_5

Dies schlägt sich auch in den vom Modell analysierten Spitzenböen nieder, die im Bereich des Lawinenunglücks bis zu 129 km/h anzeigen, also vollen Orkan!

2015121818_45

Quelle: www.wetter3.de

Während der Küstenort bei Westwinden durch den Fjord vergleichsweise geschützt ist, wird ein stürmischer Ostwind durch das Tal kanalisiert, föhnartige Effekte verstärken hier die Spitzenböen zusätzlich. Für das Trogtal selbst bedeutet das ebenfalls heftige „Downslope“-Winde und enorme Schneeverfrachtungen.

In anderen Medien ist auch der genaue Ort bekannt:

„large avalanche at Mount Sukkertoppen“ (Quelle)

sukkertoppen

Das löst das Rätsel, denn hier kamen beide Effekte zusammen: Der Sukkertoppen liegt genau am Ausgang des Longyeardalen ins Adventdalen, wo Drängungseffekte für eine weitere Beschleunigung sorgen. Hinzu kommt dann die Überströmung des Berges aus Osten, was Lawinen am Westhang begünstigt.

Zusammenfassung:

Longyearbyen liegt einerseits in einem engen Trogtal, andererseits an der Mündung dessen in ein breites Südost-Nordwest-ausgerichtetes Tal. Die vorherrschende Windrichtung vor und während dem Unglück war Südost bis Ost. Damit wurde der starke Wind im Bereich des Sturmtiefs im Haupttal beschleunigt, was speziell am Sukkertoppen zu einem Leitplankeneffekt führte (Drängung der Stromlinien und weitere Windbeschleunigung). Die Überströmung des Berges begünstigte abgewehten Schnee auf den Westhang und in weiterer Folge den Abgang der Lawine.

Möglicherweise ungewöhnlich war die Stärke des Sturms (siehe Isobarendrängung) in Kombination mit der Windrichtung.

screenshot-www windfinder com 2015-12-19 22-44-29

Quelle: http://www.windfinder.com/windstatistics/longyearbyen_spitsbergen

Die Jahresverteilung der Windrichtung für Longyearbyen zeigt jedenfalls Südostwind infolge katabatischer Winde von den Gletschern und den über weite Strecken schneebedeckten Ausläufern des Adventtals.

Mehr zum Lokalwind in Longyearbyen in dieser Arbeit.

Weiterführende Infos: Eine Studie zur Lawinenanfälligkeit am Westhang des Gruvefjellet, in Nybyen (im südlichsten Longyearbyen).

Sturmtief sorgt für irreführende Schlagzeilen

Sturm fegte mit 160 km/h über das Land

Mit Böen von über 160 km/h ist in der Nacht auf Montag ein Sturm über Österreich hinweggebraust. Der Orkan sorgte vor allem im Süden Niederösterreichs teilweise für Dauereinsätze der Feuerwehr.

161,6 km/h wurden von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) auf dem Feuerkogel gemessen, dennoch mussten die Feuerwehren in Oberösterreich nur 20-mal ausrücken. Ganz anders die Situation in Niederösterreich, wo am Montag 56 Feuerwehren mit 700 Mann ausrückten.

[…] Ob die Höchstwerte der vergangenen Nacht erreicht oder übertroffen werden, sei nicht vorherzusagen, da lokale Verwirbelungen einen durchaus starken Effekt haben könnten.[…]

Quelle: http://noe.orf.at/news/stories/2744942/

Der Bericht vermengt Sturmtief, Spitzenböen, geographische Besonderheiten und Windspitzen im Flach- und Bergland.

1. wurden die 160 km/h nur am Feuerkogel gemessen, eine besonders exponierte Bergstation auf 1618 m, die vom Leitplankeneffekt profitiert. Sie befindet sich am Alpennordrand und hat den Hausruck gegenüber, wodurch zusätzlich eine gewisse Kanalisierung eintritt.

2. Sturm(tief) ist korrekt, von einem Orkantief spricht man erst, wenn auch in 10 m Höhe im Flachland im Mittel Orkanstärke erreicht wird.

3. handelte es sich um einen sogenannten Warmsektorsturm, d.h., die Kaltfront hat Österreich zum Zeitpunkt der stärksten Windböen nicht überquert. Ober- und Niederösterreich verblieben in der warmen, stabil geschichteten Luftmasse.

Für Oberösterreich bedeutete das, dass die starken Mittelwinde in rund 1500 m (70 Knoten, ca. 125 km/h) nicht vollständig zum Boden herabgemischt wurden, da kein abwärts gerichteter Impuls vorhanden war (z.B. Föhn, Schauer/Gewitter). Entsprechend blieben die Windspitzen im oberösterreichischen Flachland meist zwischen 70 und 90 km/h.

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Feuerwehreinsätze am 30.11.2015, ab Mitternacht; grün: Sturmeinsätze

Die meisten Schäden traten unmittelbar am Alpennordrand auf.

Quelle: http://intranet.ooelfv.at/

In Niederösterreich beschränkten sich die stärksten Böen auf eine eng begrenzte Region unmittelbar am Alpenostrand:

windspitzen_alpenostrand_301115_bis_14z

Quelle: http://www.maps-for-free.com, von mir beschriftet

Die Feuerwehreinsätze Niederösterreichs konzentrieren sich ebenfalls auf die Region vom Schwarzatal an der Rax über die Hohe Wand und das Steinfeld bis nach Wien. Im Gegensatz zu Oberösterreich hielten sich die Spitzenböen entlang der Voralpen in Grenzen.

Warum so große Unterschiede? Hier spielen Schneeberg, Hohe Wand und Wienerwald eine wesentliche Rolle!

wienerwaldfoehn

Die Skizze zeigt die Strömungsverhältnisse am 30.11.2015 am Alpenostrand; blau: bodennaher Kaltluftsee

 

Infolge der Gebirgsüberströmung sinkt die Luft im Lee rapide ab und zieht die kräftigen Höhenwinde bis zum Boden hinab. Die Spitzenböen in Wiener Neustadt und im Süden von Wiens sowieso wohl verbreitet (abseits gemessener Werte) unmittelbar am Alpenostrand entsprechen fast 1:1 dem Mittelwind in 1000 bis 1500 m Höhe.

Stromaufwärts, d.h., westlich des Wienerwalds, war die Luftschichtung zu stabil, um die heftigen Höhenwinde herabzumischen.

Ursache für die räumliche Konzentration der Sturmschäden war also Westföhn!

4. Lokale Verwirbelungen treten immer auf, wenn ein starker Höhenwind über ein Gebirge streift. Für kommende Nacht werden ähnlich hohe Mittelwinde in 1500 m Höhe vorhergesagt wie in der vorherigen Nacht. Einzig die durch den starken Regen angefeuchtete bodennahe Luftschicht spricht eventuell gegen vergleichbare Spitzen, denn Leewellen breiten sich in feuchter Luft weniger gut aus als in trockener Luft.

Mexiko: Der „abgesagte“ Monstersturm

Hurrikan PATRICIA war der stärkste Tropensturm im Ostpazifik seit Aufzeichnungsbeginn. Mit 879 hPa Kerndruck lag er aber immer noch 10 hPa über dem stärksten Tropensturm überhaupt (Taifun TIP hatte 870 hPa).

Dabei verstärkte sich „Patricia“ innerhalb von nur 24 Stunden von einem Tropischen Sturm zu einem Hurrikan der Kategorie 5. Dies wurde bisher erst einmal beobachtet, nämlich beim Hurrikan „Linda“ 1997.

Quelle: http://www.saevert.de/ostpazifik/2015/2patricia.htm

Unmittelbar vor Annäherung an die mexikanische Küste hatte der Hurrikan Kategorie 5 und Windspitzen bis 400 km/h, was nach der alten Fujita-Skala einem ausgewachsenen F4-Tornado entspräche. Zudem herrschte mit 325 km/h der stärkste bekannte Mittelwind eines Tropensturms. Der bevorstehende Landfall wurde in den möglichen Auswirkungen bereits mit Taifun HAIYAN auf den Philippinen verglichen, der 6000 Tote forderte.

Plötzlich verbreitete sich die Meldung, der Monster-Hurrikan sei „abgesagt“, so wie eine Veranstaltung abgesagt wird. Aber hat er sich wirklich von einer Presseagenturmeldung auf die andere aufgelöst oder was geschah wirklich?

Weil der Hurrikan eine sehr eng begrenzte und darum so rasch rotierende Augenwand besaß, betrafen die Zerstörungen nur ein relativ kleines Gebiet und zudem eine verhältnismäßig gering bevölkerte Region. Der Landfall fand am frühen Freitagabend, 23.10.15, bei Cuixmala statt, einem Luxus-Rückzugsort. Die Windgeschwindigkeiten betrugen dabei rund 260 km/h. Allerdings dehnen sich die absoluten Windspitzen nicht weiter als 25 km um das Auge herum aus. Die nächste Großstadt mit mehr als 100 000 Einwohnern, Manzanillo, befand sich gut 50 km entfernt.

Wie zerstörerisch sich ein Hurrikan auswirkt, hängt weniger von seiner schieren Größe als von den Umgebungsbedingungen ab. Beispielsweise hatte sich der verheerende Hurrikan KATRINA beim Landfall über New Orleans schon auf Kategorie 1-2 abgeschwächt. Doch sorgten die beständig starken Winde für eine starke Sturmflut, nachfolgend kam der intensive Regen hinzu, dessen Fluten nicht so schnell ablaufen konnten. Auch Hurrikan SANDY bei New York war nicht von extremer Stärke, aber die Windrichtung passte genau, um eine Sturmflut zu erzeugen.

In den betroffenen Regionen verursachte PATRICIA sehr wohl für massive Zerstörungen, wie rund 3500 zerstörte Häuser, Erdrutsche, Überflutungen und Stromausfälle, die über 230 000 Bewohner betrafen, nur eben nicht in den dicht bevölkerten Regionen.

Mexikos Behörden bereiteten sich zudem vorbildlich und umfassend auf den Landfall vor, sodass vorbeugende Maßnahmen hier weitere Opfer verhindert haben. Auch die Küstentopographie hat eine markante Sturmflut verhindert, da hier große Gebiete an seichten Gewässern fehlen.

Der gewichtigste, aber auch schon lange vorher absehbare Grund für eine rasche Auflösung ist aber das breite, hochreichende Gebirge, das die innere Zirkulation des Hurrikans rasch zerstört hat. Die Kombination aus heftigem Wind gegen die Berge und starker Feuchtezufuhr bringt bei längerem Aufenthalt dann den gefürchteten, unwetterartigen Stauregen. Eingelagerte Gewitter können strichweise für enorme Regenmengen sorgen. Allerdings zog der Hurrikan recht zügig landeinwärts mit rund 30-35 km/h, weshalb sich die akkumulierten Mengen insgesamt in Grenzen hielten.

p.7day.figa

Quelle: http://www.smythweather.net/precipitation-map/precip-totals-map.php

Insgesamt sogar mehr Niederschlag zeichnet sich derzeit für Texas ab, wo stellenweise bereits bis zu 20 inch (rund 500 mm) gefallen sind, also etwa jene Mengen, die ursprünglich für die mexikanische Westküste vorhergesagt waren. regenmengen_usa

Quelle: http://water.weather.gov/precip/

Der wetterbestimmende Rest von PATRICIA zieht jetzt allerdings nach Osten ab, dann folgt eine kurze Verschnaufpause, ehe am Wochenende das nächste, allerdings außertropische Tiefdruckgebiet neuerlich für heftige Regenfälle in Texas und angrenzende Regionen sorgt.

Zusammenfassung:

Hurrikan PATRICIA hat ein paar Rekorde für den Ostpazifik aufgestellt, wie niedrigster Kerndruck und höchster registrierter Mittelwind. Ebenso war es die zweitschnellste Intensivierung seit Aufzeichnungsbeginn. Es ist dem verhältnismäßig schmalen Starkwindband, der raschen Zuggeschwindigkeit und der geringen Bevölkerungsdichte im Gebiet des Landfalls, aber auch den gut organisierten Vorbereitungsmaßnahmen der Behörden zu verdanken, dass sich eine Katastrophe wie auf den Philippinen nicht wiederholt hat. Starke Schäden hat es dennoch gegeben, und „abgesagt“ ist daher eine unzutreffende Zuschreibung.

Quellen:

Der Rekordsommer 2015: ein Nachruf

gültig für Wien-Hohe Warte (198m),

Stand: 14. August 2015

  • Im gesamten Jahr 2015 traten bisher 32 heiße Tage auf, d.h. Höchstwerte über 30,0 Grad.
  • darunter 17 Tage zwischen 30,0 und 34,9 Grad und 15 Tage über 34,9 Grad.
  • Spitzenreiter sind die 36,0 bis 36,9 Grad, davon gibt es nämlich bisher schon 9.

Der Sommer 2015 kann in drei Phasen aufgeteilt werden:

Die 1. Hitzewelle dauerte vom 1.-7. Juli und brachte 7 heiße Tage in Serie.

Die 2. Hitzewelle dauerte vom 16.-22. Juli und brachte ebenfalls 7 heiße Tage in Serie, zählt man den 23.7. mit +29,9 Grad und den 24.7. mit 34,2 Grad mit, waren es sogar 9 heiße Tage in Serie.

Die 3. Hitzewelle dauert seit dem 4. August an, und brachte bisher 11 heiße Tage in Folge, darunter 9 Tage mit über 35 Grad in Folge.

Auswirkungen der Hitzewelle

Im Gegensatz zu früheren Sommern gab es sowohl während als auch zur Beendigung der ersten und zweiten Hitzewelle keine nennenswerten Niederschläge in Form kräftiger Gewitter. Das betrifft einen Großteil des Alpenostrands sowie der Flachlandregionen. Entsprechend resultiert gebietsweise ein enormes Niederschlagsdefizit, was selbst in typischerweise feuchten Gegenden wie dem südlichen Mostviertel (Lunz am See) zur Wasserknappheit geführt hat.

Ungewöhnlich ist auch die Windarmut in den Hitzephasen. Typischerweise sind Phasen großer Hitze von kürzerer Dauer und mit Südföhn verbunden. Das Ausbleiben des Südföhns speziell am Alpenostrand erklärt auch das Fehlen von Temperaturrekorden. Von der magischen 40-Grad-Grenze blieben wir heuer weit entfernt, das Extremum lag eher in der Dauer der Hitzeperiode.

Ohne Südföhnlagen gibt es in den Hitzeregionen des Ostens aber auch wenig bis gar keinen Wind, was die Hitze noch unerträglicher machte. Bei Südföhnlagen herrscht nämlich ein lebhafter Südostwind vor (wie heute am 14.8., zum Höhepunkt des Hitzesommers). Ebenso fehlten kühlere Luft bringende Druckwellen von Westen völlig. Dafür ist jedoch eine Kettenreaktion notwendig, die überwiegend nur mit Südföhn im Vorfeld realisiert werden:

1.Gewitterbildung im bayerischen Alpenvorland
2. Umwandlung in ein großes Gewittersystem über Niederbayern und Oberösterreich.3. Ausbildung einer Linie, die entweder ostwärts bis Niederösterreich oder nordostwärts ins Waldviertel und nach Böhmen zieht.

=> Bildung einer vorlaufenden Druckwelle mit regengekühlter Luft, die entweder Gewitter auslöst oder zumindest auffrischenden Westwind und Abkühlung bringt, jedenfalls sinkende relative Feuchte und angenehmere Luft.

Ohne Südföhn blieb es bei inneralpinen Gewittern, die vor allem heftigen Regen und Murenabgänge brachten, der oftmals schwache Höhenwind über den Alpen – nachdem sich das Hochdruckgebiet genau über uns breit machte – verhinderte, dass sich kräftige Alpengewitter ins Flachland verlagern konnten.

Sonstige Ursprungsgebiete von Gewittern im Hochsommer blieben aufgrund der Lage des Hochdruckzentrums frei von jeder Gewitterbildung, etwa das nördliche Kroatien, Slowenien bis ins Burgenland und Westungarn. Von hier können bei günstiger Süd- bis Südostströmung Gewitterherde mit großen Regenmengen auch ins östliche Flachland ziehen.

Fazit: Kaum Wind, nahezu keine nennenswerten Gewitter oder sonstige nennenswerte Niederschläge.

Die Folgen für die Natur sind nachhaltig negativ:

  • Ernteausfälle
  • Schädlingsbefall
  • Teils Umkippen von Gewässern durch Sauerstoffmangel
  • Vermehrte Waldbrände
  • Ausfall von Wasserquellen und Trinkwasserbrunnen

Es geht aber noch weiter:

Den heurigen Gletscherbilanzen droht ein Rekordverlust nach dem Jahrhundertsommer 2003. Stellvertretend für den Zustand der restlichen Gletscher, vom Schutthaufen der Pasterze ganz zu schweigen, die Situation am Kleinfleißkees am Hohen Sonnblick, mit Webcam-Bildern vom 09. August 2014, 9. August 2015 und 14. August 2015.

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Quelle: http://www.foto-webcam.eu/webcam/kleinfleisskees

Ohne schützende Schneedecke geht es dem ewigen Eis direkt an den Kragen. Die dunkle Farbe verringert die Albedo und verstärkt den Abschmelzvorgang, bei deutlichen Plusgraden in über 3000 m muss sogar von Tauvorgang sprechen.

Eine kritische Phase ist zum Ende der jetzigen, dritten Hitzewelle noch zu überstehen: 

Die Temperatur geht in den Niederungen stärker zurück als in den Gletscherregionen, dafür steigt dort die relative Feuchte stark an. In Verbindung mit kräftigem Regen wird das Tauwetter nochmals beschleunigt, ehe in weiterer Folge auch in Lagen oberhalb von 3000 m der Regen wieder in Schnee übergeht. Die Gletscherschmelze setzt sich klimatologisch gesehen aber noch bis etwa in den frühen Herbst fort, bis zumindest nordseitig die Temperaturen auch tagsüber kaum noch über Null Grad steigen, und der Neuschnee von Kaltlufteinbrüchen nicht mehr weggeht.