Schlagwort-Archive: Österreich

Klima-Notstand: Wissenschaftskommunikation muss besser werden.

Der Sommer 1976 war ungewöhnlich heiß und lang. Zum Vergleich der heiße Sommer 2022, keine regionale Anomalie mehr, sondern global markante positive Abweichungen

Die Bilder der Folgen von Wetter- und Klimaextremen wie Dürreperioden, dramatische Gletscherschmelze und massiven Überflutungen gehen zwar um die Welt, trotzdem fehlt für viele Menschen der Kontext zur globalen Erwärmung um 1,5°C oder mehr. Defizite im mathematisch-physikalisch-statistischen Verständnis sind nicht neu, sehen wir derzeit in der Pandemie, dass absolute und relative Risiken, Inzidenzen und Mortalitätsraten nicht verstanden werden. Eine globale Erwärmung um 2 bis 3 Grad Celsius klingt in der Wahrnehmung der Mehrheitsbevölkerung lächerlich wenig. Statt 18 eben 20 Grad. Statt 8 eben 10°C. Cool, muss ich weniger heizen, längere Badesaison im Sommer. Wetterberichte und vor allem Wetter-Apps liefern nur das „Endprodukt“ „Temperatur und Wetter am punktgenauen Ort. So wie man sich im Gasthaus ein Fleischgericht bestellt und in der Regel nicht nachfragt, wer es geliefert hat und wie hoch der CO2-Fußabdruck davon ist. Die Temperatur- und Niederschlagsprognose in der App ist nichts anderes als das fertige Schnitzerl am Teller. In der vereinfachten Vorstellung der Mehrheitsbevölkerung wären die 35°C Höchsttemperatur ohne Klimaerwärmungszuschlag eben 33°C gewesen.

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Unwetter am 18.08.22: Wie überraschend kam die Orkanfront?

Sichtbarer Satellitenbildkanal am 18. August 2022, 08.30 MESZ über Italien, mit einem linienförmigen Gewittercluster über dem Golf von Genua, zu dem Zeitpunkt gab es im Norden von Korsika verbreitet Spitzenböen über 200 km/h, Quelle: Kachelmannwetter

Ein Dürrejahr mit wochenlang ausbleibendem Niederschlag kann auch bedeuten: Wenn sich dann wieder eine schwere Gewitterlage abzeichnet, fehlt das Risikobewusstsein – und das ist wohl in Teilen mitverantwortlich für die dramatischen Folgen der Unwetterfront, die am 18. August 2022 über den Süden und Osten von Österreich – mit mindestens fünf Toten – zwei Kinder starben am St. Andräer See im Bezirk Wolfsberg, drei Wanderer kamen im Abstieg vom Dürrenstein/Herrenalm im Bezirk Scheibbs ums Leben. Mehrere Stationsrekorde wurden aufgestellt, etwa in Neumarkt (139 km/h), Mooslandl (124 km/h), Leoben (117 km/h), Köflach (113 km/h), Kapfenberg (112 km/h). In der Steiermark wurden reihenweise Strommasten umgeknickt, hunderte Bäume entwurzelt und Dächer abgedeckt. In weiten Teilen Kärntens und der Steiermark fiel der Strom aus, der Bahnverkehr musste eingestellt werden.

In den Nachrichtenmeldungen ist quer durch die Bank etwas zu lesen von „kam überraschend“, „war unerwartet“, „noch nie erlebt“, aber auch gleichzeitig „auf die Klimakatastrophe zurückzuführen“. Es ist ähnlich wie in der Pandemie – was wir nicht verstehen oder ignoriert haben, bricht über uns herein wie eine Naturgewalt. Dagegen können wir nichts machen, heißt es dann – die Verantwortung von sich schieben. Eigenverantwortung ist derzeit in aller Munde, doch hätte man was machen können?

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Heißes Sibirien und kaltes Mitteleuropa: Warum?

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Die dramatische Erwärmung wird sich in den Alpen fortsetzen – daran ändert ein durchschnittlicher Sommer nichts.

Die vergangenen Jahre fielen weltweit rekordwarm aus. Höchstwerte bis 20 Grad gab es bis in den Dezember hinein. Immer häufiger fällt der Dezember als Wintermonat aus, was Neuschnee und Frost betrifft. Das Frühjahr 2020 war mild und extrem trocken. März und April zeigten sich im Lockdown von der sonnigen Seite. Keiner kann sich herausreden, davon nichts mitbekommen zu haben. Der Lockdown betraf alle. Erst seit etwa Mitte Mai hat das durchwachsene mäßig warme Wetter eingesetzt, das voraussichtlich bis mindestens Ende Juli anhalten wird. Immer wieder Kaltlufteinbrüche, häufig Regen, etwas seltener heftige Gewitter, die Nächte oft frisch unter 20 Grad. In Wien waren es heuer bisher magere 6 Tage über 30°C, im Vorjahr waren es 42 (Hohe Warte), im Mittel (1981-2010) sind es 15. Dazu kommen Nächte wie vom 11. auf den 12. und vom 12. auf den 13.7., als die Tiefstwerte verbreitet unter 10°C fielen. In Summe fühlt sich der Sommer für das 21. Jahrhundert eher unterkühlt an, fürs 20. Jahrhundert läge er noch im Schnitt.

Gleichzeitig fallen in Sibirien Hitzerekorde, insbesondere im Polarkreis nördlich des 66. Breitengrades wurden im Juni und Juli tagelang Höchstwerte über 30°C gemessen.

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Sturmtief PETRA am 04.02.2020, Update

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Luftmassen-Satellitenbild (RGB), Bodendruck (hPa) und Jetstream (kt) in 300 hPa, Quelle: Eumettrain Map Viewer

Spannende Wetterlage derzeit. Ein Sturm jagt den nächsten. Schon die Nacht von Samstag auf Sonntag brachte eine Gewitterlinie über Süddeutschland bis nach Oberösterreich und verbreitet Böen über 100 km/h, gebietsweise über 130 km/h (abgedeckte Dächer). Das Satellitenbild zeigt einen V-förmigen Höhentrog, sehr scharf, flankiert von zwei gekrümmten Jetstreams. Darin eingelagert eine Kaltluftentwicklung (Kaltfront kommagenitus), an der sich eine Gewitterlinie bildete. Von den Brexit-Inseln naht das nächste Sturmtief.

Die Situation am Montagabend, 03. Februar 2020, 19 Uhr MEZ:

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Luftmassen-Satellitenbild + Bodendruck

Der Übergang von hochreichender Bewölkung auf wolkenfrei markiert die Jetachse. Südlich von Irland ein ausgeprägtes Maximum isentroper potentieller Vorticity, das der treibende Motor für die Verstärkung von Orkan PETRA sein wird. Das Bodentief liegt nicht unbedingt dort, wo man es aufgrund der Bewölkung vermutet hätte (der Wellenscheitel beifndet sich genau an der Südwestspitze von England), sondern deutlich weiter südlich über Nordfrankreich. Die Kaltfront ist bereits deutlich anhand vom Isobarenknick erkennbar. Der Kerndruck des Bodentiefs soll von aktuell 1012 hPa innerhalb der nächsten 12 Stunden nochmals um 20 hPa fallen. Damit qualifiziert das Tief als „rapide Zyklogenese“. Es wird sich zunehmend eine Okklusion ausbilden.

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GFS 12z-Lauf, gültig für Dienstag, 04. Februar 2020, 10 Uhr MEZ, Niederschlag und Wind (ca. 700m Höhe), Quelle: http://www.wetterzentrale.de

Der Höhepunkt wird gegen 10 Uhr am Vormittag erreicht. In Westösterreich vor der Kaltfront seichter Südföhn bis in viele Täler, danach Winddrehung auf Nordwest und kurzzeitig schwere Sturmböen (um 100 km/h, stellenweise mehr). Mit der Kaltfront kräftige Schauer, die Schneefallgrenze sinkt von 2000m in der Nacht bis in die Niederungen ab. Eingelagerte Gewitter an und hinter der Kaltfront. Die höchsten Windgeschwindigkeiten werden im Wald-, Wein- und Industrieviertel gerechnet. Dort zeigt selbst der Bodenwind im Mittel verbreitet 25-30kt. In 600-700m Höhe werden 50-55kt im Mittel gerechnet. In Spitzen in den Niederungen also 100-120 km/h, auf exponierten Kuppen über 150 km/h, auf dem Schneeberg um 200 km/h. Anhand der Niederschlagsberechnungen wird klar, dass der stärkste Wind dort auftritt, wo frontrückseitig der geringste Niederschlag fallen soll. Das kann auf einen sogenannten sting jet hindeuten, ein Starkwindband, das entsteht, wenn Wolkenluft sich mit sehr trockener Luft aus großen Höhen vermischt und verdunstet und abwärts beschleunigt (Verdunstungskälte).

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Drucktendenzen am Boden (farbig) und 500 hPa (grün punktiert) am Dienstag, 04.02.20, 09 UTC, Quelle: http://www.modellzentrale.de

Die kräftigen Böen lassen sich aber auch alleine durch den starken Druckanstieg (über 10 hPa in 3 Stunden) nahe dem Tiefdruckkern erklären, durch die rasche Ostwärtsverlagerung des Bodentiefs. Tagsüber wird der Sturm langsam schwächer, am längsten hält er sich im Osten und Südosten (Nordföhn). Treibender Motor für Sturmböen ist dann die Höhenkaltluft, die für weitere Schauer und Gewitter sorgt und den Höhenwind herabmischt. Im Nordstau sieht es bis Mittwochabend nach markanten Neuschneemengen aus, weiterhin bei viel Wind und großer Lawinengefahr. In mittleren und höheren Lagen sinkt die Temperatur um 15 Grad und mehr ab.

Nachtrag, weitere Parameter, die auf einen Sting Jet hindeuten:

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850 hPa isentrope Vertikalgeschwindigkeit, WRF-12km, 09 UTC

Sting-Jet-Stürme der vergangenen Jahre zeigten alle starke Absinkbewegungen in 850 hPa.

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Vorhersage-Aufstieg von WRF-4km, für Wien (links) und Prostejov (rechts), jeweils 09 UTC

Auch in den hochaufgelösten Vorhersageaufstiegen findet sich ein Starkwindband zwischen 600 und 800 hPa. Obacht also!

Nachtrag, 04. Februar 2020:

Der Sturm ist erwartungsgemäß durchgezogen. Zeit für einen kurzen Rückblick:

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Spitzenwind am Hochwechsel (1743m) und Klosterwappen (2076m), Quelle: http://lawinenwarndienst-niederoesterreich.at/stationen.php

Am Hochwechsel wurden mehrfach Spitzenböen um 190 km/h erreicht, der Windmesser am Schneeberg hat bei 200 km/h leider aufgehört, aufzuzeichnen. Für Februar sind derartige Windspitzen übrigens ungewöhnlich, das gilt auch für einige andere Stationen im Berg- und Flachland:

  • Buchberg (NÖ): 145 km/h
  • Rax (NÖ): 137 km/h
  • Dobratsch (K): 136 km/h
  • Galzig (T): 129 km/h
  • Wien/Jubiläumswarte: 130 km/h
  • Sulzberg (V): 119 km/h
  • Innsbruck-Flughafen: 118 km/h
  • Stockerau (NÖ): 111 km/h

Mit Ausnahme von Innsbruck wurden überall Stationsrekorde für Februar aufgestellt. (Quelle: @wetterblogAT)

Die letzten größeren Sturmereignisse traten im März (Emma, 01.03.2008) oder Jänner (Paula, 27.01.2008, Kyrill 18.01.2007, Friederika 18.01.2018, Burglind 03.01.2018) auf. Das letzte Mal gab es meines Wissens mit Vivian (27. Februar 1990) einen Orkan im Februar, der allerdings Österreich nicht betraf (sondern Wiebke am 28.2. bzw. 01.3.1990).

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Wetterballonaufstieg von Wien-Hohe Warte am 04.02.2020, 12 UTC, Quelle: http://ertel2.uibk.ac.at:8080/raso/

Der Mittagsaufstieg wurde ca. 2 Stunden nach dem Windmaximum am Alpenostrand aufgenommen und zeigt eine gut durchmischte Grundschicht bis ca. 850 hPa, darüber befindet sich bis ca. 750 hPa ein Starkwindband mit ca. 75kt, der Nordwestwind reicht insgesamt bis rund 500 hPa hinauf, das entspricht in etwa den Obergrenzen der heutigen Kaltluft-CBs (Schauer und Gewitter). Darüber nimmt die Stabilität wieder zu, gleichzeitig dreht der Wind auf Südwest zurück. Oben herrschte also noch ein Warmluftdeckel, der letzte Rest abgehobener Warmluft der abziehenden Okklusion. Die Tropopause war mit 300 hPa (ca. 8km Höhe) begrenzt.

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RGB-Luftmassen-Satellitenbild am 04. Februar 2020, 07 Uhr MEZ

Die Jetachse lag bereits südlich der Alpen, über dem Balkan ein mächtiges warmes Förderband (warm conveyor belt) mit hochreichender Schichtbewölkung. Die Kaltfront erstreckte sich von Südtirol über Salzburg bis in den Süden Tschechiens. Typisch für kräftige Aufwärtsbewegungen an der Kaltfront bildeten sich Schwerewellen im linken Jetauszug (geripptes Muster, vor allem über Niederbayern und Tschechien sichtbar), wie sie auch bei den Kaltfronten von Orkan Kyrill und Emma beobachtbar waren. Der wolkenfreie Bereich zwischen Kaltfront und Jetachse entstand durch die Alpenüberströmung (großräumiges Absinken, Föhneffekte) und ist nicht zu verwechseln mit einer Dry Intrusion. Von Nordfrankreich näherte sich ein rötlich-violetter-Bereich, das gestern angesprochene Maximum isentroper potentieller Vorticity (IPV), das den Hebungsantrieb liefert. Sting-Jet-verdächtig ist ein schmaler Bereich über Bayern, wo die Bewölkung recht tiefe Obergrenzen aufweist, zugleich aber kompakt wirkt. Hier kann durch die Dry Intrusion starke Verdunstung stattgefunden haben. Der Bereich ist konsistent mit einem starken Druckanstieg (verbreitet 100 Zehntel Hektopascal in 3 Stunden, stellenweise bis 120), nicht aber mit den stärksten Windböen.

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Satellitenbild, Sichtbarer Kanal vom 04.02.2020, 08.10 MEZ, mit Position der Kaltfront, Quelle: https://kachelmannwetter.com/at/sat/oesterreich/satellit-hd-5min/20200204-0710z.html

Die Lage der Bodenkaltfront wird wortwörtlich überschattet von hochreichender Bewölkung, die sich mit der kräftigen Südwestströmung nordostwärts ausdehnt, vermutlich aufgrund der Ausbildung eines weiteren Höhenjets in der Kaltluft. Sie bremste die Kaltfront bei der Südostwärtsverlagerung ab, sodass sie zunehmend verwellte. Von besonderem Interesse ist hier die scharfe Wolkenkante von Nordostitalien über Kärnten, Lungau, Obersteiermark bis St. Pölten. Sie liegt in der Südwestströmung, verbunden mit einer Höhentrogachse. Wie sie genau entsteht, ist mir noch schleierhaft.

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RGB + Radarbild am 04. Februar 2020, 10 Uhr MEZ, Quelle: http://eumetrain.org/ePort_MapViewer/index.html

Das Radarbild lässt keine Zweifel offen, wo sich Okklusion, Warm- und Kaltfront befinden. Auch das Bodentief ist eindeutig zu identifizieren. Auffällig die sehr schmale Schauerlinie über Niederösterreich als Vorderkante der Okklusion, damit verbunden traten die Spitzenböen am Alpenostrand auf. Die Kaltfront selbst bildete eine mehrere hundert Kilometer lange Squall line aus mit recht hoher Blitzaktivität, die sich über den Balkan südostwärts bewegte. Von Frankreich, Benelux und Deutschland her ist bereits gut die Höhenkaltluft mit zellulärer Bewölkung und Radarechos erkennbar, darin eingelagert zahlreiche Gewitter mit Graupel. Entlang der Nordalpen etabliert sich Nordstau. Das, was man fälschlicherweise als Kaltfront tituliert hätte, ist (immer noch) die Jetachse. Das IPV-Maximum liegt über Norditalien.

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RGB-Luftmassenbild am 04. Februar 2020, 11 Uhr MEZ

Wie schwierig die Identifizierung der Kaltfront nur anhand des Satellitenbilds ist, zeigt dieser Zeitpunkt. Die Okklusion ist an seiner eingeringelten Westflanke über Tschechien bereits im Rückzug begriffen, die Bewölkung löst sich dort auf. Das passt wiederum zum stärksten Druckanstieg. Wenn ein Sting Jet beteiligt war, konnte er sich aufgrund der schwach ausgeprägten Dry Intrusion nicht voll entfalten, der Schwerpunkt der Dry Intrusion geht südlich der Alpen vorbei. Die kräftigen Windböen lassen sich daher weitgehend mit dem starken Druckanstieg und in Verbindung mit den Schauern erklären, mit der der Höhenwind voll zum Boden durchgemischt wurde.

Randnotiz zum Video über den „Mini-Hurrikan“ am Grundlsee:

Die Bezeichnung ist natürlich bullshit, ein Hurrikan besteht aus einem rotierenden Gewittersystem mit Auge in der Mitte. Hier handelt sich um einen Luftwirbel, der um eine senkrechte Achse rotiert. Der kräftige Wind in der Umgebung und das Bewölkungsbild deuten auf einen Gustnado hin, einen Böenfrontwirbel. Dieser entsteht wieder anders als ein Tornado und benötigt keine rotierende Gewitterzelle, sondern starke horizontale Windscherung am Boden, wie durch eine massive Windzunahme am Boden (Böenfront).

 

Alle bekloppt geworden?

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Altocumulus mammatus und lenticularis, 19. Dezember 2019 am Alpenostrand

Die polarisierte Gesellschaft, in der wir heute leben, ist phasenweise schwer zu ertragen. Ich bin studierter Meteorologe mit Vertiefung auf die Wettervorhersage. Entsprechend war Klimatologie nur ein Teilgebiet meines Studiums. Natürlich interessierte es mich trotzdem und wenn man größere Zusammenhänge von Wetterphänomenen wie Tornados, Hurrikans und Extremereignisse wie Hitze, Dürre sowie langfristige Trends wie Gletscherschwund und Meeresspiegelanstieg verstehen will, kommt man um Klimatologie nicht herum. Im Jahr 2007 war gerade der IPCC-Report in aller Munde, ich hielt daraus einen Seminarvortrag über Tornados, der in meinen Augen das Risiko einer Zunahme überdramatisierte. Dieser Meinung bin ich auch noch heute. Ebenfalls gab es damals einen Artikel über Hurrikane, mit unklarer Schlussfolgerung, zu kurze Erfassungsreihe für klimatologische Aussagen, keine klare Zunahme erkennbar. Heute wissen wir, dass die Anzahl zwar weiterhin hochvariabel ist, aber die Intensität hat in Einzelfällen (z.b. DORIAN) zugenommen. Grund dafür ist der treibende Motor für starke bis verheerende Hurrikane: Die Erwärmung der Ozeane. Diese bewirkt außerdem, dass langsam ziehende Tropenstürme (z.b. HARVEY) größere Niederschlagsmengen abladen als vor der Erwärmung, weil wärmere Luft mehr Wasserdampf aufnehmen kann. Weiterlesen →