Archiv der Kategorie: Information

Bergwetterprognosen durch DMO ersetzen ist ein Rückschritt

„Modernisierte“ Alpenwetterprognosen

Ich gebe es offen zu: Ich gehöre zu den „altbackenen“ Meteorologen, die großen Wert auf Textprognosen legen. Warum? In ausformulierten Wetterberichten kann man eigene Erfahrungen besser einbringen und Unsicherheiten und Gefahren ausdrücken, etwa zum Gewitterrisiko oder der Gefahr starker Föhnstürme. Wenn ein Modell bei Südföhn 40 km/h Spitzen ausgibt, können es in prädestinierten Tallagen oder besonders anfälligen Gipfeln durchaus 80 oder 100 km/h Spitzen sein, was ich textlich entsprechend abfangen kann.

Die bereits erfolgte Neuerung (siehe auch diese Meldung hier) suggeriert eine Genauigkeit mit „0 oder 1“, die so nicht haltbar ist, da es sich um sogenannten „direct modeloutput“ handelt – um Gitterpunkte eines Modells, wo für Orte dazwischen interpoliert wird. Im Modell ist der Berg aber meist nicht so hoch wie in der Realität und es kommen fiktive Werte heraus, die so nicht eintreffen werden. Der Laie weiß das aber nicht. Er weiß auch nicht, was 30 oder 50% Gewitterwahrscheinlichkeit bedeuten. Gewittert es dann ein Drittel oder die Hälfte des Tages? Bedeutet 30% Gewitterwahrscheinlichkeit „unwahrscheinlich“? Oder liegt das simulierte Radarecho vielleicht knapp am Rande des Gitterpunkts, während 10km weiter ein Volltreffer zu erwarten ist – dort aber unglücklicherweise die Tour stattfindet?

Es ist längst keine Neuigkeit mehr, dass die Lese- und Schreibkompetenz durch Digitalisierung, Social Media und KI-Einsatz leidet. Es erschließt sich mir bis heute nicht, warum Meteorologinnen und Meteorologen an ihrer eigenen Abschaffung mitarbeiten. Warum beschleunigen wir diese fatale Entwicklung?

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Ozapft is! Gewittersaison am 05. April eröffnet.

Radarbild des slowakischen Wetterdiensts am 05.04.26, 21.15 Uhr MESZ (mit Blitzentladungen)

Der heutige Tag verlief nicht ganz nach Plan der Vorhersagen. Die Schauer und Gewitter der Kaltfront hätten nicht vor 23 Uhr den äußersten Osten erreichen sollen. Stattdessen zogen die ersten Schauer schon gegen 18 Uhr nach Oberösterreich. Gegen 20 Uhr verstärkte sich ein Schauer zu einem Gewitter über Wien. Dabei gab es mehrere Blitzentladungen und kurzzeitig starken Regen – ein herrliches Geräusch.

Der Grund für den frühen Start in die Gewittersaison ist eine Konstellation zweier Sturmtiefs mit einem Hoch dazwischen. Der Mechanismus geht so:

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Hintergrund zum Niederschlagsrekord in Grazalema (848m), Andalusien

Lage von Grazalema auf der Iberischen Halbinsel

Der Ort Grazalema in Andalusien bringt es bereits nach zwanzig Tagen auf einen neuen Niederschlagsrekord mit 2449mm. Im Schnitt fallen hier im ganzen Jahr 1800-2200mm (1981-2010, klimatologischer Atlas Spanien). In den Nachbarorten wird nur rund ein Viertel dieser Niederschlagsmenge gemessen. Warum ist das so? Dafür müssen wir weiter hineinzoomen:

Zoom auf die Gebirgsregion stromaufwärts von Grazalema

Bei einer Westwetterlage konvergieren die Westwinde in dem trichterförmigen Tal westlich des Puerto del Boyar (1105m). Damit wird hohe Niederschlagseffizienz generiert (Konvergenz + orographische Hebung). Auf der Passhöhe wird die Strömung kanalisiert (Gap Flow) und regnet sich unmittelbar im Lee ab.

In den tiefergelegenen Talorten dürfte bereits das föhnige Absinken dominieren, wodurch die Niederschlagseffizienz erheblich abnimmt. Es freut mich, dass ich zur gleichen Erklärung wie meine Kollegen der MeteoSchweiz gelangt bin. Gralazema ist sozusagen das „Hintersee Spaniens“ (Hintersee in der Osterhorngruppe ist einer der schneereichsten Orte von Österreich, siehe Salzburgwiki, mit ähnlicher trichterförmigen Lage bei Nordweststau).

Ein aktuelles Beispiel:

24-stündige Niederschlag in Andalusien vom Sonntag, 08. Februar auf Montag, 09. Februar, 13 Uhr (Quelle: kachelmannwetter.com)

Der Extremwert 126mm stammt von Grazalema, sonst wurden nur 10-26mm verzeichnet.

24-stündige Niederschlag in Andalusien vom Dienstag, 03. Februar auf Mittwoch, 04. Februar 2026, 13 Uhr (Quelle: kachelmannwetter.com)

Bei einem früheren Ereignis, wo weite Teile Andalusien von ergiebigen Regenfällen betroffen waen, fielen in Grazalema 326mm, in der Umgebung aber nur 70-90mm. In diesem Fall staute es aber auch an den Gebirgsketten südlich von Ronda mit über 100mm in 24 Stunden.

Update: Mittlerweile haben Attributionsstudien eine deutliche Handschrift von der Klimaerwärmung gezeigt.

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Selten: Stratus in Innsbruck aus Westen (31.01.26)

Aufziehender Nebel am Samstag, 31.01.2026, 04.30 Uhr MEZ (foto-webcam.eu)

In der Nacht von Freitag auf Samstag, 31. Jänner 2026, fiel in Innsbruck innerhalb einer Stunde anfangs dichter Nebel ein, der bald anhob und in tiefbasigen Stratus (Hochnebel) überging. Das war in den Wettermodellen schlecht zu sehen, zumal bis zur Ankunft vom Nebel stetiger Talauswind wehte. Begünstigt wurde der Nebel vom Oberland aber von einer gealterten Okklusionsfront, die am Vorabend dort leichte Niederschläge brachte. Hinzu kam leichtes Tauwetter in den Niederungen.

Im Folgenden eine kleine Fallstudie zur Nebelentstehung, -advektion und -auflösung.

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Waldviertelexpress: Fotogene Cumulonimben am 26. Mai 2025

Schauerwolke im Südwesten von Wien am 26. Mai 2025, 17.34 MESZ – fotografiert vom Gaswerksteg in Erdberg

In eine westliche Höhenströmung waren am Montag, 26. Mai 2025, einige schöne Konvergenzlinien über der Böhmischen Masse eingelagert, die sich am Nachmittag zu einer Schauer- bzw. Gewitterstraße bis ins östliche Flachland mauserten. Ich war mit dem Rad am Weg in die Arbeit und nutzte die starken Schauerböen, um mich mit Rückenwind praktisch ohne zu schwitzen antreiben zu lassen. Dabei konnte ich einige schöne Aufnahmen machen, später auch in der Arbeit mit Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Zu schön und zugleich lehrreich, um sie nicht zu zeigen.

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